NewsMarvel’s Wolverine überrascht bei Metacritic mit schwächeren Wertungen als erwartet

Marvel’s Wolverine überrascht bei Metacritic mit schwächeren Wertungen als erwartet

Die ersten Tests zu Marvel’s Wolverine sind da und das Bild fällt deutlich gemischter aus, als es viele Spieler von Insomniac Games gewohnt sind. Zum Start des Review-Embargos liegt das PS5-Exklusivspiel bei Metacritic bei 77 Punkten. OpenCritic kommt aktuell auf einen Durchschnitt von 81 Punkten, rund 79 Prozent der erfassten Kritiker empfehlen das Spiel. Das sind keine katastrophalen Werte, für ein großes PlayStation-Projekt von Insomniac fallen sie aber auffällig niedriger aus als bei Spider-Man, Miles Morales oder Ratchet & Clank: Rift Apart. Unseren Test findet ihr hier. 

Auffällig ist vor allem, wie stark die Meinungen auseinandergehen. Einige Redaktionen sehen in Marvel’s Wolverine ein fokussiertes, brutales Actionspiel mit starken Figuren und einer überzeugenden Darstellung von Logan. Andere kritisieren eine zu einfache Spielstruktur, fehlende Abwechslung im Kampf und eine Geschichte, die ihre Möglichkeiten nicht vollständig ausschöpfe. Große Redaktionen vergeben teilweise nur 6 von 10 Punkten, während andere Tests deutlich näher an 8, 9 oder sogar 10 von 10 liegen.

Damit zeichnet sich wenige Tage vor dem Release ein ungewöhnliches Bild ab: Marvel’s Wolverine scheint kein schlechtes Spiel zu sein, aber offenbar auch nicht der nahezu einhellige Kritikererfolg, den viele nach Insomniacs bisherigen PlayStation-Produktionen erwartet hatten.

Metacritic startet bei 77 Punkten

GamesRadar berichtet zum Fall des Embargos von einem Metacritic-Wert von 77 Punkten. Der Wert kann sich noch verändern, wenn zusätzliche Tests einfließen. Trotzdem lässt sich bereits erkennen, dass Marvel’s Wolverine deutlich unter den letzten großen Insomniac-Spielen liegt.

Zum Vergleich: Marvel’s Spider-Man erreichte auf der PlayStation 4 einen Metascore von 87 Punkten. Marvel’s Spider-Man: Miles Morales kam auf der PS5 auf 85 Punkte, Ratchet & Clank: Rift Apart auf 88 Punkte und Marvel’s Spider-Man 2 sogar auf 90 Punkte. Bei einem Studio, das über Jahre sehr konstant im mittleren bis hohen 80er-Bereich lag, fällt eine 77 entsprechend stärker auf.

Marvel’s Wolverine im Test – Brutal, stark inszeniert, aber spielerisch zu zahm?

GamesRadar ordnet den aktuellen Wert als schwächste Metacritic-Bewertung eines ursprünglichen Insomniac-Spiels seit Song of the Deep aus dem Jahr 2016 ein. Das kleinere Unterwasser-Abenteuer kam damals auf 69 Punkte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Wolverine bei Kritikern durchfällt. Auffällig ist die Abweichung von den hohen Erwartungen an Insomniac.

Bei OpenCritic fällt das Bild etwas freundlicher aus. Dort liegt Marvel’s Wolverine derzeit bei 81 Punkten, rund 79 Prozent der erfassten Kritiker empfehlen das Spiel. Unterschiedliche Durchschnittswerte sind normal, da die Aggregatoren nicht exakt dieselben Publikationen berücksichtigen.

Wichtiger sind die wiederkehrenden Stärken und Schwächen der Tests. Gelobt werden häufig Inszenierung, Logan und die Wucht der Kämpfe. Zweifel gibt es vor allem an der langfristigen Abwechslung.

Gerade beim Kampfsystem gehen die Meinungen auseinander

Das Kampfsystem ist wahrscheinlich der interessanteste Streitpunkt der ersten Reviews.

Insomniac hat Wolverine bewusst deutlich brutaler gestaltet als seine Spider-Man-Spiele. Logan kämpft mit seinen Adamantium-Klauen aus nächster Nähe, Gegner werden sichtbar verletzt und die Auseinandersetzungen setzen stärker auf Gewicht, Aggressivität und körperliche Härte. Dazu kommen Paraden, Sprungangriffe, Spezialfähigkeiten und ein Rage-System, das Logans Heilung und offensive Möglichkeiten beeinflusst.

Einige Tests sehen genau darin eine der größten Stärken. Die Kämpfe wirken unmittelbar, schnell und passend zur Figur. Gerade in den ersten Stunden kann das System einen starken Eindruck hinterlassen, weil sich Wolverine deutlich anders spielt als Peter Parker oder Miles Morales.

Andere Redaktionen kommen jedoch zu einem kritischeren Ergebnis. GamesRadar beschreibt die Grundlage zwar als funktionierend, bemängelt aber, dass das Kampfsystem seine Höhepunkte zu früh erreiche und später zu wenig neue Tiefe entwickle. Auch die Rage-Mechanik wird dort als komplizierter beschrieben, als es ihr tatsächlicher Einfluss rechtfertige.

The Guardian lobt einzelne Charakter- und Storymomente, empfindet die Kämpfe aber auf Dauer als repetitiv. Genau hier scheint einer der zentralen Unterschiede zwischen den Wertungen zu liegen: Wer mit dem direkten, blutigen Nahkampf lange Spaß hat, bewertet Wolverine deutlich positiver. Wer nach mehreren Stunden mehr spielerische Entwicklung erwartet, scheint schneller Ermüdungserscheinungen zu sehen.

Die lineare Struktur wird gelobt und kritisiert

Marvel’s Wolverine ist bewusst kein weiteres großes Open-World-Spiel.

Insomniac hatte bereits vor dem Release erklärt, dass Logans Abenteuer stärker linear aufgebaut ist. Die Entwickler wollten keinen zweiten Spider-Man mit einer anderen Hauptfigur bauen, sondern eine Struktur wählen, die besser zu Wolverines Reise durch verschiedene Orte und Länder passt.

Mehrere Kritiker begrüßen, dass Wolverine eine fokussierte Kampagne bietet und Spieler nicht mit einer riesigen Karte und zahllosen Nebenaufgaben beschäftigt. The Verge hebt diese Konzentration positiv hervor und sieht gerade im geradlinigeren Aufbau eine Stärke des Spiels.

Andere Tests sehen allerdings ein anderes Problem: Linearität allein sorgt noch nicht automatisch für gutes Leveldesign. GamesRadar kritisiert, dass sich viele Abschnitte außerhalb eines stärker geöffneten Tokyo-Bereichs wie einfache Korridore anfühlen. Die Kritik richtet sich damit weniger gegen die Entscheidung, keine offene Welt zu bauen, sondern gegen die Frage, wie interessant die linearen Gebiete tatsächlich gestaltet sind.

Der Tokyo-Abschnitt wird dort im Gegenzug als einer der Höhepunkte beschrieben. Das Spiel öffnet sich etwas, gibt Logan mehr Raum für Erkundung und unterbricht die Kämpfe häufiger durch Spurensuche und kleinere Entdeckungen. Gerade weil dieser Abschnitt gut funktioniert, fällt für manche Tester stärker auf, dass andere Kapitel geradliniger ausfallen.

Bei der Geschichte gibt es überraschend wenig Einigkeit

Auch bei der Handlung gehen die Einschätzungen stark auseinander.

Marvel’s Wolverine erzählt eine eigenständige Geschichte innerhalb von Insomniacs Marvel-Universum. Logan befindet sich in einer Welt, in der die X-Men noch nicht existieren, und ist Teil von Team X. Bekannte Figuren wie Jean Grey, Sabretooth und Mystique spielen eine Rolle, während Bolivar Trask und die Jagd auf Mutanten wichtige Bestandteile des Konflikts bilden.

Einige Kritiker loben besonders die menschliche Seite von Logan. Liam McIntyre wird für seine Darstellung mehrfach positiv hervorgehoben. Das Spiel zeige Wolverine nicht nur als aggressive Kampfmaschine, sondern als beschädigte Figur, die mit Erinnerungen, Schuld und ihrer eigenen Vergangenheit umgehen muss.

The Guardian sieht die Figur und verschiedene Beziehungen als einen der stärkeren Teile des Spiels. Auch The Verge hebt die härtere Interpretation von Wolverine und die Konzentration auf Logan positiv hervor.

Auf der anderen Seite kritisiert GamesRadar die Geschichte als unübersichtlich und teilweise wenig befriedigend zusammengeführt. Andere Reviews bemängeln bekannte X-Men-Motive und eine Handlung, die trotz guter Figuren nicht immer die erwartete emotionale Wirkung erzielt.

Damit ergibt sich auch bei der Story kein klarer Konsens. Manche Tester sehen sie als tragendes Element, andere gerade als einen Grund dafür, warum Wolverine hinter den besten Insomniac-Spielen zurückbleibt.

Technisch bleibt Insomniac auf hohem Niveau

Weniger umstritten ist die Präsentation.

Schon in den Vorabversionen wurde Marvel’s Wolverine für detaillierte Figurenmodelle, Animationen und die Inszenierung seiner Kämpfe gelobt. Insomniac hat viel Aufwand betrieben, damit Treffer körperlich wirken und Logans Fähigkeiten nicht nur über Effekte vermittelt werden.

Wolverine setzt bewusst auf eine härtere Altersfreigabe als die Spider-Man-Spiele. Blut und sichtbare Verletzungen gehören zum Konzept und sind ein zentraler Bestandteil dieser Version der Figur.

VGC konnte das Spiel bereits im August rund zwei Stunden ausprobieren und hob hervor, wie stark Insomniac Bewegungen, Heilungsfaktor und Rage miteinander verknüpft. Wolverine soll sich schwerer und körperlicher kontrollieren als Spider-Man, ohne dadurch langsam zu wirken.

Die ersten Reviews bestätigen weitgehend, dass die Produktion technisch hochwertig ist. Die häufigeren Kritikpunkte betreffen eher Struktur, Abwechslung und die langfristige Entwicklung des Kampfsystems.

Mehrere große Redaktionen vergeben nur 6 von 10 Punkten

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommen einige deutlich niedrigere Einzelwertungen.

IGN und GameSpot bewerten Marvel’s Wolverine jeweils mit 6 von 10 Punkten. Auch andere Tests bewegen sich im Bereich von 6 oder 7 Punkten. Gleichzeitig existieren zahlreiche Wertungen im Bereich von 8 oder 9 Punkten sowie einzelne Höchstwertungen.

Gerade diese Spannbreite erklärt, warum die Diskussion rund um den Metascore so stark ausfällt. Teilweise werden sogar dieselben Elemente gegensätzlich bewertet. Das Kampfsystem gilt je nach Test als eine der größten Stärken oder als zu eintönig. Ähnlich sieht es bei Story und linearer Struktur aus.

Für Spieler kann diese Uneinigkeit durchaus hilfreich sein. Wer bewusst ein kompaktes, brutales Actionspiel sucht, könnte näher an den positiven Bewertungen liegen. Wer von Insomniac dagegen eine ähnlich breite Entwicklung wie bei Spider-Man erwartet, dürfte die Kritikpunkte stärker wahrnehmen.

Für Insomniac ist der Vergleich mit Spider-Man unvermeidbar

Dass Marvel’s Wolverine so streng mit früheren Insomniac-Spielen verglichen wird, ist kaum zu vermeiden.

Marvel’s Spider-Man wurde 2018 mit 87 Punkten zu einem der wichtigsten PlayStation-Titel der PS4-Generation. Miles Morales erreichte 85 Punkte. Ratchet & Clank: Rift Apart folgte 2021 mit 88 Punkten. Marvel’s Spider-Man 2 setzte 2023 mit 90 Punkten noch einmal einen drauf.

Wolverines aktuelle 77 Punkte liegen damit zehn bis 13 Punkte unter diesen Produktionen.

Solche Zahlen sagen nicht automatisch etwas darüber aus, welches Spiel einem einzelnen Spieler besser gefallen wird. Unterschiedliche Strukturen und Erwartungen lassen sich nicht vollständig anhand eines Durchschnittswerts vergleichen.

Trotzdem ist die Entwicklung bemerkenswert, weil Insomniac über Jahre einen ungewöhnlich konstanten Ruf aufgebaut hat. Ein neues großes Spiel des Studios wurde fast automatisch mit einer Wertung im mittleren oder hohen 80er-Bereich verbunden. Genau diese Erwartung erfüllt Wolverine bislang nicht.

Für Sony ist Wolverine ein wichtiger PS5 Titel

Auch für PlayStation ist die Reaktion auf Wolverine relevant. Sony positioniert das Spiel als einen der wichtigsten eigenen Titel des Jahres. Es erscheint ausschließlich für PS5 und wird entsprechend stark als Bestandteil des First-Party-Angebots vermarktet. Der PlayStation Store listet die Standard Edition in Deutschland für 79,99 Euro.

Ein Metascore von 77 macht das Spiel nicht automatisch zu einem kommerziellen Problem. Marvel, Wolverine und Insomniac verfügen über enorme Markenbekanntheit, und bereits vor dem Release erreichte das Spiel hohe Positionen in mehreren PlayStation-Store-Ranglisten.

Kritische Wertungen können trotzdem beeinflussen, wie viele Spieler ohne Vorbestellung direkt zum Vollpreis zugreifen. Hinzu kommt ein ungewöhnlich dichter September mit mehreren großen Singleplayer-Veröffentlichungen.

GamesRadar verbindet die vergleichsweise niedrige Wertung deshalb mit der größeren Frage nach Sonys First-Party-Angebot. Das ist allerdings redaktionelle Einordnung und kein Beleg dafür, dass Wolverine für PlayStation kommerziell oder strategisch bereits als Misserfolg gelten würde. Dafür ist es vor dem Verkaufsstart zu früh.

Der Metascore ist noch nicht endgültig

Bei aller Diskussion sollte der aktuelle Wert nicht als endgültiges Ergebnis behandelt werden.

Das Review-Embargo ist erst am 10. September gefallen. Weitere internationale Tests können in den kommenden Tagen hinzukommen, wodurch sich sowohl Metacritic als auch OpenCritic noch verändern können.

Noch wichtiger ist, dass Spielerbewertungen derzeit kaum aussagekräftig sein können. Marvel’s Wolverine erscheint erst am 15. September 2026 für PlayStation 5. Eine belastbare Einschätzung der breiteren Community wird deshalb erst nach dem Verkaufsstart möglich sein.

Für die langfristige Rezeption wird außerdem entscheidend sein, ob die im Test häufig genannten Kritikpunkte auch von normalen Spielern wahrgenommen werden. Gerade bei Kampfsystemen, Linearität und Spieldauer können persönliche Vorlieben erheblichen Einfluss auf die Bewertung haben.

Wolverine ist eher eine Überraschung als ein Absturz

Die ersten Wertungen sollten deshalb weder schöngeredet noch unnötig dramatisiert werden.

Mit aktuell 77 Punkten bei Metacritic liegt Marvel’s Wolverine deutlich unter dem Niveau, das Insomniac mit seinen letzten großen PlayStation-Spielen erreicht hat. Gleichzeitig zeigen ein OpenCritic-Durchschnitt von rund 81 Punkten und zahlreiche positive Einzeltests, dass von einem allgemeinen Verriss keine Rede sein kann.

Vielmehr scheint Insomniac ein technisch aufwendiges und stark inszeniertes Wolverine-Spiel entwickelt zu haben, dessen bewusst geradliniges Design nicht bei jedem Tester gleichermaßen funktioniert.

Die häufigste Kritik richtet sich gegen fehlende Abwechslung, eine teilweise sehr geführte Struktur und ein Kampfsystem, das seine wichtigsten Ideen nach Ansicht einiger Redaktionen zu früh offenlegt. Auf der positiven Seite stehen Logans Darstellung, die brutale Inszenierung, technische Qualität und für viele Tester ein grundsätzlich befriedigendes Nahkampfsystem.

Eines lässt sich wenige Tage vor dem Release trotzdem festhalten: Der nahezu sichere Kritikerhit, den manche nach Spider-Man 2 erwartet hatten, ist Marvel’s Wolverine nach den ersten Wertungen nicht geworden. Ob die Spieler das ähnlich sehen, zeigt sich ab dem 15. September.

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