Sony wollte bei der State of Play am 3. September eigentlich kommende PS5-Spiele in den Mittelpunkt stellen. Zu sehen waren unter anderem Marvel’s Wolverine, Final Fantasy VII Revelation, Metro 2039, neue GTA-6-DualSense-Controller und die Rückkehr von Jin Sakai in Ghost of Yōtei. Ein Teil des Publikums beschäftigte sich während der Übertragung allerdings erneut mit einem völlig anderen Thema: Sonys geplantem Ende neuer PlayStation-Spiele auf Disc.
Im offiziellen YouTube-Livechat tauchte während der gesamten Präsentation immer wieder der inzwischen bekannte Slogan „No Disc No Buy“ auf. Parallel forderten zahlreiche Zuschauer auch Destiny 3. Mehrere internationale Medien beobachteten, dass diese beiden Botschaften zeitweise große Teile des Chats dominierten.
No Disc No Buy verschwindet nicht
Sony kündigte bereits am 1. Juli an, die Produktion physischer Spiele-Discs für neue PlayStation-Veröffentlichungen ab Januar 2028 einzustellen.
Neue Spiele sollen danach im PlayStation Store und auch beim klassischen Handel nur noch in digitalen Formaten angeboten werden. Bereits zuvor veröffentlichte Spiele und Titel, die noch vor Januar 2028 auf Disc erscheinen, sind von der Änderung nicht betroffen.
Die Entscheidung löste unmittelbar heftige Diskussionen aus.
Seitdem taucht „No Disc No Buy“ regelmäßig unter offiziellen PlayStation-Beiträgen, Ankündigungen und Livestreams auf. Die State of Play vom September zeigte nun erneut, dass zumindest der besonders aktive Teil der Community das Thema noch nicht abgehakt hat.
Schon vor dem eigentlichen Beginn der Präsentation waren entsprechende Nachrichten im YouTube-Chat zu sehen. Während der Show setzte sich der Protest fort.
Selbst große Spiele konnten den Chat kaum beruhigen
Dabei hatte Sony durchaus einige größere Ankündigungen vorbereitet.
Final Fantasy VII Revelation erhielt mit dem 8. April 2027 endlich einen festen Veröffentlichungstermin und einen umfangreichen Gameplay-Deep-Dive. Marvel’s Wolverine bekam kurz vor seinem Release einen neuen Trailer.
Dazu kamen METRO 2039, zwei limitierte GTA-6-DualSense-Controller, Ghost of Yōtei mit Jin Sakai sowie zahlreiche weitere Titel aus der anschließenden State of Play Japan. Sony selbst spricht von mehr als 30 Spielen über beide Präsentationen hinweg.
Im Livechat lief parallel trotzdem immer wieder dieselbe Diskussion.
Neben „No Disc No Buy“ gehörte „We Want Destiny 3“ zu den häufigsten Forderungen. Forbes, Kotaku und weitere Redaktionen beschrieben den Chat während der Show entsprechend als von beiden Themen stark geprägt.
Protest richtet sich gegen Sonys digitale Zukunft
Hinter den Kommentaren steckt mehr als nur die Frage, ob eine Spielehülle im Regal steht.
Kritiker des Disc-Aus verweisen unter anderem auf den Gebrauchtmarkt, das Verleihen von Spielen, Preiswettbewerb zwischen Händlern und die langfristige Erhaltung von Videospielen.
Ein digitales Spiel ist außerdem an ein Konto und die Infrastruktur des jeweiligen Plattformbetreibers gebunden.
Sony begründet seinen Schritt dagegen mit veränderten Kaufgewohnheiten. Nach Angaben des Unternehmens bevorzugt inzwischen ein großer Teil der Community digitale Medien, weshalb die Ressourcen künftig entsprechend ausgerichtet werden sollen.
Genau diese unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie PlayStation-Spiele zukünftig gekauft und gesammelt werden sollen, prallen seit Juli immer wieder aufeinander.
Sony hat seinen Plan bislang nicht zurückgenommen
Entscheidend ist allerdings, zwischen lautem Protest und einer tatsächlichen Kursänderung zu unterscheiden.
Bislang gibt es keinerlei offizielle Ankündigung, dass Sony seine Pläne für Januar 2028 überdenken oder zurücknehmen wird.
Auch während der State of Play wurde das Thema nicht angesprochen.
Die Präsentation konzentrierte sich ausschließlich auf Spiele, DLCs und Hardware-Zubehör. Eine Reaktion auf die zahlreichen Chat-Kommentare erfolgte nicht.
Dass Sony während eines solchen Spiele-Showcases keine Unternehmenspolitik diskutiert, ist zunächst wenig überraschend.
Für die protestierenden Spieler dürfte genau dieses Schweigen allerdings zusätzlich dazu beitragen, ihre Botschaft bei praktisch jeder größeren PlayStation-Veranstaltung erneut zu platzieren.
Die State of Play war nicht der erste betroffene Stream
Die aktuelle Präsentation ist außerdem kein Einzelfall.
Bereits frühere PlayStation-Livestreams wurden nach der Disc-Ankündigung mit ähnlichen Nachrichten konfrontiert. Besonders sichtbar war das beispielsweise beim State of Play zu Phantom Blade Zero im August.
Auch dort wurden der Livechat und anschließend die Kommentare unter dem Video mit „No Disc No Buy“ gefüllt.
Damit entwickelt sich der Slogan zunehmend zu einer dauerhaften Protestform innerhalb eines Teils der PlayStation-Community.
Ob diese Form des Online-Protests tatsächlich Einfluss auf Sonys langfristige Entscheidungen haben kann, ist eine andere Frage.
Zumindest zeigt die aktuelle State of Play aber, dass zwei Monate nach der ursprünglichen Ankündigung noch keine Ruhe in die Diskussion gekommen ist.
Die Debatte dürfte PlayStation weiter begleiten
Für Sony könnte das Thema deshalb noch unangenehm lange präsent bleiben.
Bis zum geplanten Ende neuer Spiele-Discs im Januar 2028 sind noch mehr als anderthalb Jahre Zeit. Dazwischen liegen zahlreiche State-of-Play-Ausgaben, große Spieleveröffentlichungen und wahrscheinlich weitere Informationen zur nächsten PlayStation-Generation.
Jede dieser Gelegenheiten bietet Spielern erneut eine öffentliche Bühne für ihre Kritik.
Dabei sollte allerdings nicht der Eindruck entstehen, sämtliche PlayStation-Spieler würden den digitalen Kurs ablehnen. Livechats bilden einen besonders aktiven und leicht mobilisierbaren Teil einer Community ab und sind keine repräsentative Umfrage.
Die Lautstärke des Protests ist trotzdem schwer zu übersehen.
Sony zeigte am 3. September mehr als 30 kommende Spiele und Neuigkeiten. Ein erheblicher Teil der Diskussion rund um die Präsentation drehte sich anschließend trotzdem wieder um eine Entscheidung, die das Unternehmen bereits zwei Monate zuvor getroffen hatte.
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