Sonys geplanter Abschied von neuen PlayStation-Spielen auf Disc bekommt erneut prominente Kritik. Shawn Layden, ehemaliger Chairman der Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios und langjähriger PlayStation-Manager, bezeichnet eine Zukunft ohne physische PlayStation-Spiele als „depressing, but solvable“. Für ihn ist das Ende der Disc keineswegs alternativlos. Sony könnte die Produktion seiner Spiele nach seiner Einschätzung auch an lizenzierte externe Hersteller vergeben.
Besonders deutlich wird Layden bei der Nachfrage. Der Markt habe längst gezeigt, dass Spieler weiterhin bereit sind, physische Spiele und besonders hochwertige Sammlereditionen zu kaufen.
Für Sony sei die entscheidende Frage deshalb nicht nur, wie viel Geld sich durch den Wechsel auf digitale Veröffentlichungen sparen lässt, sondern welchen Schaden eine solche Entscheidung langfristig für die Marke PlayStation verursachen könnte.
Sony könnte die Disc Produktion theoretisch lizenzieren
Einer der wichtigsten Punkte in Laydens Argumentation betrifft die Herstellung der PlayStation-Discs.
Sony besitzt ein proprietäres Verfahren für die Produktion seiner Datenträger und lässt diese derzeit über die eigene Tochter Sony DADC herstellen.
Dadurch kann nicht einfach irgendein Presswerk PlayStation-Spiele produzieren.
Layden sieht hier allerdings eine mögliche Lösung.
Sony könnte sein Verfahren lizenzieren und ausgewählten externen Herstellern erlauben, weiterhin PlayStation-Discs zu produzieren. Dadurch könnten Publisher beispielsweise physische Versionen, Collector’s Editions oder kleinere Sonderauflagen anbieten, obwohl Sony selbst die reguläre Produktion zurückfährt.
Layden betont gleichzeitig, dass er keinen direkten Einblick in die technischen und vertraglichen Details besitzt. Es handelt sich deshalb um seinen Lösungsvorschlag und nicht um einen bereits bekannten Plan von Sony.
Microsoft nutzt bereits ein anderes Modell
Ganz unrealistisch ist die Idee allerdings nicht.
Microsoft erlaubt schon heute die Herstellung von Xbox-Datenträgern über zertifizierte externe Partner. Publisher können sogenannte Authorized Replicators auswählen, die von Microsoft für die Produktion freigegeben wurden.
Sony verfolgt dagegen bislang einen stärker kontrollierten Ansatz über Sony DADC.
Genau diesen Unterschied hält Layden für entscheidend.
Sollte Sony seine Produktion tatsächlich vollständig aufgeben, ohne gleichzeitig sein Herstellungsverfahren zu lizenzieren, gäbe es für Publisher praktisch keine Möglichkeit mehr, eigenständig neue PlayStation-Discs herstellen zu lassen.
Eine externe Lizenzierung könnte zumindest eine Nische für Spieler erhalten, die weiterhin physische Veröffentlichungen kaufen möchten.
Der Markt kauft physische Spiele weiterhin
Layden widerspricht außerdem der Vorstellung, physische Medien seien automatisch bedeutungslos geworden.
Gerade Sammlerprodukte zeigen seiner Ansicht nach, dass weiterhin eine zahlungsbereite Zielgruppe existiert.
Limitierte Editionen mit Steelbooks, Figuren oder besonderen Verpackungen werden teilweise sogar deutlich teurer verkauft als normale Spiele und finden trotzdem Käufer.
Für Layden gehört das Sammeln außerdem grundsätzlich zur Gaming-Kultur.
Spieler sammeln seit Jahrzehnten Gegenstände innerhalb von Spielen – und viele übertragen genau diesen Gedanken auch auf ihre reale Sammlung. Spielehüllen, Collector’s Editions und komplette Reihen im Regal seien deshalb für einen Teil der Community mehr als nur eine alternative Vertriebsform.
Genau diesen besonders engagierten Spielern nehme Sony mit dem kompletten Disc-Aus eine Möglichkeit weg, die lange zum PlayStation-Erlebnis gehörte.
Layden warnt vor Schaden für die Marke
Besonders interessant wird das Interview, als Layden über die wirtschaftliche Logik hinter solchen Entscheidungen spricht.
Natürlich könne ein Unternehmen berechnen, wie viel Geld durch die Einstellung eines Produkts eingespart wird.
Für Layden reicht diese Rechnung allerdings nicht.
Neben Einnahmen und Ausgaben müsse auch berücksichtigt werden, was eine Entscheidung mit der Wahrnehmung einer Marke macht.
Ein finanziell sinnvoller Schritt könne langfristig trotzdem teuer werden, wenn besonders loyale Kunden das Gefühl bekommen, dass ihre Interessen keine Rolle mehr spielen.
Genau diese Gefahr sieht er bei Sonys Disc-Entscheidung.
Die Diskussion darüber ist längst nicht mehr nur theoretisch. Während der jüngsten State of Play wurde der offizielle Livestream erneut von zahlreichen „No Disc No Buy“-Kommentaren begleitet.
Auch andere Entwickler und ehemalige Branchenverantwortliche haben Sonys Entscheidung inzwischen kritisch kommentiert.
Auch die Eigentumsfrage beschäftigt Layden
Für Layden geht es allerdings nicht nur um Verpackungen und Sammlerregale.
Eine vollständig digitale Zukunft verändert auch die Frage, was Spieler tatsächlich besitzen.
Ein digital gekauftes Spiel lässt sich normalerweise nicht weiterverkaufen. Eine physische Disc kann dagegen verliehen, verschenkt oder auf dem Gebrauchtmarkt verkauft werden.
Layden stellt deshalb grundsätzlich infrage, wie Eigentum definiert werden soll, wenn ein Produkt ausschließlich als digitale Lizenz existiert.
Diese Diskussion spielt seit Sonys Ankündigung eine immer größere Rolle.
Auch Hideki Kamiya hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass für ihn weniger Disc gegen Download entscheidend sei, sondern die langfristige Erhaltung von Spielen.
Sony hält bislang an Januar 2028 fest
Sony Interactive Entertainment kündigte am 1. Juli an, ab Januar 2028 keine Discs mehr für neu erscheinende PlayStation-Spiele produzieren zu wollen.
Bereits zuvor veröffentlichte Spiele sind davon nicht betroffen und können weiterhin nachproduziert werden.
Zuletzt musste Sony DADC allerdings eine wichtige Zahl rund um das Werk im österreichischen Thalgau korrigieren.
Entgegen früherer Berichte soll das gesamte Produktionsvolumen 2028 nicht auf zehn Prozent fallen, sondern lediglich um rund zehn Prozent zurückgehen.
Diese Korrektur ändert jedoch nichts am geplanten Ende neuer PlayStation-Disc-Veröffentlichungen.
Für die Jahre nach 2028 gibt es zudem bislang keine konkreten Angaben zum verbleibenden Produktionsvolumen.
Eine Alternative wäre also zumindest denkbar
Shawn Laydens Aussagen sind deshalb besonders interessant, weil er nicht einfach nur Kritik äußert.
Er nennt mit der Lizenzierung der Disc-Produktion einen konkreten möglichen Ausweg.
Sony könnte seine eigene Massenproduktion zurückfahren und gleichzeitig externen Partnern erlauben, weiterhin kleinere physische Auflagen für Publisher und Sammler herzustellen.
Ob Sony ein solches Modell überhaupt in Betracht zieht, ist unbekannt.
Brian Crecente fragte PlayStation nach einer möglichen Lizenzierung der Produktion, erhielt darauf jedoch keine Antwort. Auch keiner der für seinen Bericht angesprochenen Hersteller gab an, derzeit entsprechende Gespräche mit Sony zu führen.
Aktuell bleibt Sonys Plan deshalb unverändert.
Neue PlayStation-Spiele sollen ab Januar 2028 nicht mehr auf Disc erscheinen.
Layden hält diese Zukunft zwar für bedrückend – aber noch längst nicht für unausweichlich.
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