Gadgets | Zubehör | TechnikWährend Sony Discs abschafft bringt RPCS3 PS3 Spiele direkt vom Laufwerk zurück

Während Sony Discs abschafft bringt RPCS3 PS3 Spiele direkt vom Laufwerk zurück

Ausgerechnet während Sony seine PlayStation-Zukunft zunehmend digital ausrichtet, macht der bekannte PS3-Emulator RPCS3 einen großen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Besitzer physischer PlayStation-3-Spiele können ihre Original-Discs jetzt direkt über ein kompatibles Blu-ray-Laufwerk am PC starten. Das vorherige vollständige Kopieren des Spiels auf die Festplatte ist damit nicht mehr zwingend notwendig.

Ganz so einfach wie eine Disc in eine echte PS3 einzulegen ist das Verfahren allerdings noch nicht. Neben einem geeigneten Blu-ray-Laufwerk benötigt RPCS3 weiterhin den passenden Entschlüsselungsschlüssel des jeweiligen Spiels.

Für die Spieleerhaltung ist die neue Funktion trotzdem bemerkenswert.

PS3 Disc einlegen und direkt über RPCS3 starten

RPCS3 hat die neue Funktion selbst vorgestellt.

Nach Angaben der Entwickler kann der Emulator die Daten einer eingelegten PS3-Disc nun während des Spielens direkt lesen und entschlüsseln.

Bislang bestand der übliche Weg darin, eine eigene PS3-Disc zunächst mit einem kompatiblen Laufwerk auszulesen und als vollständige Kopie auf dem PC zu speichern. Anschließend wurde diese Kopie über RPCS3 gestartet.

Dieser Zwischenschritt kann nun entfallen.

Ist alles eingerichtet, greift RPCS3 direkt auf die physische Disc im Blu-ray-Laufwerk zu.

Die Entwickler bezeichnen das selbst als eine Art „Plug and Play“. Ganz ohne Vorbereitung funktioniert es allerdings noch nicht.

Ein normales Blu ray Laufwerk reicht nicht immer

Die wichtigste Einschränkung betrifft das Laufwerk.

Nicht jedes gewöhnliche Blu-ray-Laufwerk für den PC kann PlayStation-3-Discs korrekt lesen. RPCS3 führt deshalb eine eigene Liste kompatibler Modelle verschiedener Hersteller.

Dazu gehören Geräte von LG, ASUS, Samsung, Lite-On, Sony und BenQ.

RPCS3 demonstrierte die neue Funktion beispielsweise mit einem externen LG BP55EB40.

Nach Aussage der Entwickler gibt es außerdem einen einfachen ersten Test: Wird eine eingelegte PS3-Disc vom Laufwerk erkannt und können ihre Dateien am PC angezeigt werden, besteht grundsätzlich die nötige Kompatibilität.

Wer das Feature ausprobieren möchte, sollte deshalb zunächst überprüfen, ob das vorhandene Laufwerk unterstützt wird.

Der Entschlüsselungsschlüssel bleibt notwendig

Einen wichtigen Haken gibt es weiterhin.

PlayStation-3-Spiele sind verschlüsselt. RPCS3 kann den dafür notwendigen Schlüssel nach Angaben der Entwickler momentan nicht einfach selbst von der Disc auslesen.

Der passende Decryption Key muss deshalb bereits vorhanden sein und RPCS3 im vorgesehenen Verzeichnis zur Verfügung gestellt werden.

Ist dieser Schlüssel hinterlegt, kann der Emulator die Disc anschließend während des Betriebs auslesen und die Daten in Echtzeit entschlüsseln.

RPCS3 selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass aktuell kein Verfahren bekannt ist, mit dem ein gewöhnliches PC-Laufwerk den benötigten Schlüssel direkt aus der PS3-Disc gewinnen kann.

Von einem komplett sorgenfreien „Disc rein und losspielen“ sind wir deshalb noch ein Stück entfernt.

Windows ist nicht mehr die einzige Plattform

Neu ist außerdem, dass die direkte Wiedergabe nicht mehr auf Windows beschränkt ist.

Die Entwickler haben den Support inzwischen auf Linux, macOS und FreeBSD ausgeweitet.

Gleichzeitig wurden die Installationszeiten von Datenpaketen verbessert, wenn diese direkt von der eingelegten Disc gelesen werden.

Damit wird das Feature für deutlich mehr RPCS3-Nutzer interessant.

Gerade auf dem PC ist die PS3-Emulation in den vergangenen Jahren ohnehin erheblich vorangekommen. Rund drei Viertel der von RPCS3 erfassten PlayStation-3-Spiele gelten inzwischen als spielbar, was bedeutet, dass sie nach den Kriterien des Projekts mit ausreichender Performance und ohne spielentscheidende Fehler abgeschlossen werden können.

Physische Spiele zeigen damit einen ihrer größten Vorteile

RPCS3 verbindet die Ankündigung bewusst mit dem Thema Spieleerhaltung.

Wer eine physische Version eines Spiels besitzt, ist grundsätzlich weniger davon abhängig, dass ein digitaler Store das Produkt auch Jahrzehnte später noch anbietet.

Die Entwickler verweisen darauf, dass Spieler dadurch Titel nutzen können, die inzwischen fast 20 Jahre alt sind, ohne für die eigentlichen Spieldaten auf einen Downloadserver angewiesen zu sein.

Natürlich löst eine Disc nicht automatisch sämtliche Probleme der Spieleerhaltung. Updates, zusätzliche Inhalte und teilweise benötigte Online-Funktionen können weiterhin von Servern abhängig sein.

Bei Spielen, deren vollständige spielbare Version auf dem Datenträger liegt, besitzt die physische Kopie dennoch einen entscheidenden Vorteil.

Die notwendigen Daten existieren weiterhin beim Spieler.

Der Zeitpunkt könnte für Sony kaum passender sein

Dass RPCS3 genau jetzt offensiv auf diesen Vorteil physischer Medien hinweist, dürfte in der PlayStation-Community zusätzliche Diskussionen auslösen.

Sony Interactive Entertainment hat angekündigt, ab Januar 2028 keine Discs mehr für neu erscheinende PlayStation-Spiele produzieren zu lassen.

Bereits veröffentlichte Titel können weiterhin nachproduziert werden. Neue Spiele sollen nach dem derzeitigen Plan jedoch ausschließlich digital erscheinen.

Die Entscheidung sorgt seit Wochen für massive Kritik.

Während der jüngsten State of Play wurde der offizielle Livechat erneut von „No Disc No Buy“-Kommentaren überschattet.

Eine wichtige Zahl zur Produktion musste Sony DADC inzwischen zwar korrigieren. Statt eines Rückgangs auf zehn Prozent soll das gesamte Produktionsvolumen 2028 lediglich um etwa zehn Prozent sinken. An Sonys grundsätzlichem Plan für neue PlayStation-Spiele hat sich dadurch jedoch nichts geändert.

Ausgerechnet die PS3 Disc bekommt damit ein zweites Leben

Besonders interessant ist der Vergleich mit der PlayStation 3.

Viele physische PS3-Spiele sind gebraucht noch problemlos erhältlich. Die ursprüngliche Hardware wird dagegen immer älter und irgendwann zwangsläufig schwieriger zu erhalten.

Genau hier können Emulatoren wie RPCS3 langfristig eine wichtige Rolle spielen.

Statt darauf angewiesen zu sein, dass eine funktionierende PS3-Konsole noch in zehn oder zwanzig Jahren verfügbar ist, kann die bestehende Disc über moderne Hardware genutzt werden.

Die neue direkte Laufwerksunterstützung macht diesen Weg deutlich komfortabler, auch wenn der weiterhin notwendige Entschlüsselungsschlüssel eine technische Hürde bleibt.

RPCS3 setzt damit ein interessantes Zeichen

Für die Mehrheit der Spieler dürfte das neue Feature zunächst eher ein Spezialthema bleiben. Nicht jeder besitzt einen PC mit passendem Blu-ray-Laufwerk und beschäftigt sich mit Emulatoren.

Für Sammler und Freunde physischer Spiele ist die Entwicklung aber durchaus bedeutend.

Eine PlayStation-3-Disc, die vor fast zwei Jahrzehnten gekauft wurde, kann heute in ein PC-Laufwerk gelegt und über moderne Hardware erneut abgespielt werden.

Während die Spielebranche zunehmend auf digitale Lizenzen und servergebundene Distribution setzt, zeigt RPCS3 damit ziemlich anschaulich, warum physische Datenträger für die langfristige Erhaltung von Spielen weiterhin interessant sind.

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Sony das Ende neuer PlayStation-Discs bereits terminiert hat, bekommt die alte PS3-Disc damit noch einmal ein ziemlich modernes Comeback.

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