Mehr als 16 Jahre nach dem ersten Brütal Legend gibt es tatsächlich wieder eine konkrete Perspektive für einen Nachfolger. Double Fine Productions erklärt im Rahmen seiner neuen Kickstarter-Kampagne, dass Brütal Legend 2 in Produktion gehen würde, wenn die Finanzierung eine nahezu unglaubliche Marke von 100 Millionen US-Dollar erreicht. Was zunächst wie ein typischer Scherz des Studios wirkt, wird von Double Fine überraschend eindeutig bestätigt: Sollte die Summe tatsächlich zusammenkommen, soll der Nachfolger entwickelt werden.
Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings äußerst gering. Die eigentliche Kickstarter-Kampagne verfolgt ein vollkommen anderes und wesentlich kleineres Ziel. Double Fine sammelt Geld für die neue Ausgabe seiner traditionellen Amnesia Fortnight, bei der Entwickler verschiedene ungewöhnliche Spielideen innerhalb kurzer Zeit in Prototypen verwandeln.
Brütal Legend 2 wurde lediglich als spektakuläres Stretch Goal hinzugefügt. Gerade deshalb sorgt die Ankündigung derzeit für Aufmerksamkeit.
Double Fine meint die 100 Millionen tatsächlich ernst
Auf Kickstarter beantwortet das Studio inzwischen ausdrücklich die Frage, ob Brütal Legend 2 wirklich entwickelt würde, sollte die Kampagne 100 Millionen US-Dollar erreichen.
Die Antwort fällt eindeutig aus: Double Fine scherze an dieser Stelle nicht. Wenn die Marke tatsächlich erreicht werde, soll Brütal Legend 2 in Produktion gehen. Gleichzeitig weist das Team selbst darauf hin, wie unrealistisch dieses Ziel ist. Nach Angaben des Studios brachte selbst die bislang erfolgreichste Kickstarter-Kampagne nur ungefähr 46 Millionen US-Dollar ein.
Die benötigte Summe wäre damit mehr als doppelt so hoch wie der bisherige Kickstarter-Rekord.
Dass Double Fine ausgerechnet 100 Millionen Dollar nennt, dürfte entsprechend auch zum typischen Humor des Studios gehören. Hinter dem Scherz steckt diesmal allerdings eine ernst gemeinte Zusage.
Ein normal angekündigtes Brütal Legend 2 ist das deshalb noch lange nicht. Ohne das Erreichen dieses außergewöhnlichen Finanzierungsziels befindet sich der Nachfolger weiterhin nicht offiziell in Entwicklung.
Eigentlich geht es bei Kickstarter um völlig andere Spiele
Die laufende Kampagne trägt den Namen „Amnesia Fortnight 2026 Indie Reboot“ und markiert die Rückkehr einer langjährigen Double-Fine-Tradition.
Amnesia Fortnight gibt es bereits seit 2007. Dabei unterbricht das Studio für kurze Zeit seine normale Arbeit und lässt Entwickler eigene ungewöhnliche Spielkonzepte präsentieren. Aus ausgewählten Ideen entstehen anschließend innerhalb weniger Wochen spielbare Prototypen.
Dieses Mal können die Unterstützer direkt mitentscheiden.
Double Fine hat 26 unterschiedliche Spielideen vorgestellt. Unterstützer wählen zunächst ihre drei Favoriten. Daraus werden vier Konzepte bestimmt, die innerhalb von zwei Wochen zu Prototypen weiterentwickelt werden. Anschließend dürfen die Unterstützer erneut abstimmen. Der Gewinner soll danach noch mehrere Wochen weiterentwickelt und schließlich als kleines eigenständiges Spiel veröffentlicht werden.
Double Fine möchte solche kleineren Projekte künftig unter dem neuen Label Double Fine Action Labs veröffentlichen. Parallel begleitet 2 Player Productions den gesamten Entwicklungsprozess für eine Dokumentation.
Die Kickstarter Kampagne ist für Double Fine diesmal besonders wichtig
Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt allerdings auch eine ernstere Entwicklung.
Double Fine ist seit Juli 2026 wieder ein unabhängiges Studio. Nach sieben Jahren unter dem Dach von Xbox trennte sich das Unternehmen von Microsoft. Besonders wichtig für die Zukunft des Studios: Double Fine erhielt nach eigenen Angaben die Rechte an seinen Spielen zurück.
Damit besitzt das Studio grundsätzlich wieder selbst die Möglichkeit, ältere Marken weiterzuführen.
Double Fine erklärt offen, dass die Einnahmen aus der aktuellen Kickstarter-Kampagne dem Studio dabei helfen sollen, weiter neue Spiele zu entwickeln, Projekte unter Vertrag zu nehmen und als unabhängiges Unternehmen bestehen zu können. Jeder über Kickstarter eingenommene Dollar gehe nun direkt an das Studio.
Crowdfunding ist für Double Fine dabei alles andere als Neuland.
Bereits 2012 sorgte das Studio mit dem damals als Double Fine Adventure angekündigten Projekt für einen der bekanntesten frühen Erfolge von Kickstarter im Spielebereich. Aus dem Projekt entstand später Broken Age. Statt der ursprünglich verlangten 400.000 Dollar kamen damals mehr als 3,3 Millionen Dollar von über 87.000 Unterstützern zusammen.
Auch Psychonauts 2 wurde später teilweise mithilfe von Crowdfunding finanziert.
Fans fragen seit Jahren nach Brütal Legend 2
Dass ausgerechnet Brütal Legend für das extrem hohe Stretch Goal gewählt wurde, kommt nicht von ungefähr.
Das Original erschien am 13. Oktober 2009 für PlayStation 3 und Xbox 360 und wurde später auch für PC, macOS und Linux veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht Roadie Eddie Riggs, gespielt und gesprochen von Jack Black, der in einer von Heavy Metal inspirierten Fantasywelt landet.
Spielerisch verband Double Fine Action, offene Gebiete, Fahrzeugpassagen und strategische Elemente miteinander. Gerade diese ungewöhnliche Mischung sorgte allerdings auch für Diskussionen. Während viele Spieler vor allem die Welt, den Humor und die Musik mochten, überraschten die später stärker werdenden Strategieelemente einen Teil des Publikums.
Double Fine selbst bezeichnet Brütal Legend inzwischen als eines der erfolgreichsten Spiele der eigenen Geschichte. Das Studio erklärte zum 15. Geburtstag des Titels, dass Fragen nach einem Nachfolger zu den häufigsten Nachrichten gehören, die das Team von Fans erhält.
Studio-Chef Tim Schafer sprach dabei sogar darüber, wie ein zweiter Teil aussehen könnte.
Interessanterweise würde er die strategischen Elemente offenbar nicht einfach entfernen. Schafer erklärte 2024, einige Fans würden sich eine Weiterentwicklung der Echtzeitstrategie wünschen, während andere im Grunde ein God of War mit Eddie Riggs bevorzugen würden. Persönlich finde er die Weiterentwicklung der strategischen Seite interessanter.
Konkrete Entwicklungsarbeiten an einem Nachfolger gab es damals allerdings nicht.
Noch Ende 2024 stellte Double Fine ausdrücklich klar, dass Brütal Legend 2 nicht in Produktion sei.
Die Chancen bleiben trotzdem verschwindend gering
Die aktuelle Kickstarter-Aktion verändert daran zunächst wenig.
100 Millionen US-Dollar über eine einzelne Crowdfunding-Kampagne einzunehmen wäre ein bislang unerreichter Erfolg. Double Fine bezeichnet die Summe selbst ausdrücklich als extremes Stretch Goal und macht keinen Versuch, die geringe Wahrscheinlichkeit zu verschleiern.
Dennoch ist die Situation interessanter als frühere Aussagen über einen möglichen Nachfolger.
Double Fine ist wieder unabhängig, besitzt seine Spiele nach der Trennung von Xbox erneut selbst und sagt erstmals öffentlich sehr konkret, unter welcher Voraussetzung Brütal Legend 2 tatsächlich in Produktion gehen würde.
Selbst wenn die 100 Millionen Dollar erwartungsgemäß nicht erreicht werden, zeigt die Aktion zumindest, dass die Marke innerhalb des Studios keineswegs vergessen ist.
Schon 2024 erklärte Double Fine, dass Mitarbeiter weiterhin darüber nachdenken würden, in das ungewöhnliche Heavy-Metal-Universum zurückzukehren. Durch die wiedergewonnene Unabhängigkeit besitzt das Studio dafür heute zumindest mehr Entscheidungsfreiheit als noch vor wenigen Monaten.
Ob daraus irgendwann wirklich Brütal Legend 2 entsteht, hängt damit wahrscheinlich weniger von diesem beinahe unerreichbaren Kickstarter-Ziel ab als davon, ob Double Fine langfristig einen geeigneten Finanzierungspartner für ein größeres Projekt findet.
Für den Moment bleibt Brütal Legend 2 also ein außergewöhnliches Versprechen mit einer außergewöhnlich hohen Eintrittskarte.
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Dass Unterstützer mitentscheiden können, ist positiv. Ich hoffe, sie finden trotzdem eine normale Finanzierung für einen Nachfolger.
Gute Offenheit vom Studio. Die Chance auf Brütal Legend 2 ist klein, aber die Marke ist noch präsent.
Die Amnesia Fortnight-Idee finde ich gut. Kleinere Projekte wirken realistischer als so ein riesiges Stretch Goal.
Ich mochte das erste Spiel. Ein Nachfolger wäre toll, aber dieses Kickstarter-Ziel ist zu hoch.
Interessant, aber 100 Millionen Dollar klingt sehr unrealistisch. Schön, dass Double Fine wieder unabhängig ist.