Sonys geplantes Ende physischer PlayStation-Spiele sorgt weiterhin für Diskussionen. Nun hat sich mit Hideki Kamiya einer der bekanntesten japanischen Spieleentwickler zu Wort gemeldet. Der Schöpfer von Bayonetta und Devil May Cry sowie Director von Resident Evil 2 kauft selbst inzwischen ausschließlich digitale Spiele. Trotzdem sieht er Sonys Entwicklung nicht völlig unkritisch. Für Kamiya liegt das eigentliche Problem allerdings weniger bei Disc gegen Download, sondern bei einer anderen Frage: Werden die Spiele von heute auch in Zukunft noch spielbar sein?
Sony hatte im Juli angekündigt, die Produktion physischer Spiele-Discs für alle neuen PlayStation-Veröffentlichungen ab Januar 2028 vollständig einzustellen. Neue Titel sollen danach auch beim klassischen Händler ausschließlich in digitalen Formaten angeboten werden. Bereits zuvor veröffentlichte Disc-Versionen bleiben davon unberührt.
Kamiya kauft selbst nur noch digital
Interessant ist Kamiyas Position vor allem deshalb, weil er sich keineswegs grundsätzlich gegen digitale Spiele ausspricht.
Im Gespräch mit VGC erklärte der Entwickler, dass er heutzutage überhaupt keine physischen Spiele mehr kaufe. Seine Käufe seien mittlerweile vollständig digital. Entsprechend überrascht ihn die Entwicklung des Marktes auch nicht besonders.
Sony bewegt sich seiner Ansicht nach also grundsätzlich in eine Richtung, die angesichts des veränderten Kaufverhaltens nachvollziehbar ist.
Gleichzeitig gibt Kamiya zu bedenken, dass mit dem Verschwinden physischer Veröffentlichungen etwas verloren gehen könnte. Seine größere Sorge betrifft jedoch nicht das Regal mit Spielehüllen, sondern die langfristige Verfügbarkeit der Spiele selbst.
Alte Spiele sollen auch in Jahrzehnten noch spielbar sein
Kamiya fordert deshalb vor allem Publisher und Rechteinhaber stärker in die Verantwortung.
Sie müssten dafür sorgen, dass ältere Spiele auch zukünftigen Generationen zugänglich bleiben. Dabei spiele für ihn letztlich eine untergeordnete Rolle, ob dies über einen Datenträger oder einen digitalen Vertrieb geschehe.
Das Problem existiert bereits heute.
Zahlreiche ältere Spiele lassen sich auf modernen Plattformen überhaupt nicht mehr regulär erwerben oder spielen. Manchmal fehlen moderne Versionen, in anderen Fällen sind digitale Veröffentlichungen aus den Stores verschwunden oder die ursprüngliche Hardware wird benötigt.
Kamiya sieht darin nicht nur ein Problem für einzelne Spieler, sondern auch für die gesamte Spielekultur. Games seien ein Teil der kulturellen Geschichte des Mediums und sollten entsprechend erhalten werden.
Arcade Archives ist für Kamiya ein positives Beispiel
Als positives Gegenbeispiel nennt Kamiya die Arcade-Archives-Reihe von Hamster.
Der Entwickler besitzt selbst eine außergewöhnlich große Sammlung mit mehr als 200 originalen Arcade-Platinen. Trotzdem greift er auf modernen Konsolen regelmäßig auf Arcade Archives zurück, weil sich ältere Titel dort unkompliziert starten lassen, ohne zunächst die ursprüngliche Hardware aufbauen zu müssen.
Genau darin sieht er offenbar einen möglichen Weg für die Zukunft.
Ein Spiel muss nicht zwangsläufig auf seinem ursprünglichen Datenträger erhalten bleiben, solange Unternehmen dafür sorgen, dass es auch Jahre oder Jahrzehnte später auf moderner Hardware zugänglich ist.
Das würde allerdings voraussetzen, dass Publisher ihre älteren Kataloge kontinuierlich pflegen und Spiele gegebenenfalls auf neue Plattformen übertragen.
Physische Spiele besitzen trotzdem einen besonderen Wert
Kamiyas Geschäftspartner und Clovers-Mitgründer Kento Koyama betrachtet das Ende der Disc emotionaler.
Auch er kauft inzwischen einen größeren Teil seiner Spiele digital. Titel, die ihm persönlich besonders wichtig sind, nimmt er jedoch weiterhin bewusst als physische Version mit.
Koyama besitzt einen eigenen Raum mit älteren Konsolen und Spiele-Sammlungen. Schon das Durchsehen der Verpackungen habe für ihn einen Wert, der mit einer rein digitalen Bibliothek nur schwer vergleichbar sei.
Kamiya selbst erinnert in diesem Zusammenhang an eine besondere Begegnung mit dem verstorbenen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata.
Für einen Auftritt in der damaligen Reihe „Iwata Asks“ brachte Kamiya mehrere NES-Spiele mit, an denen Iwata früher als Programmierer gearbeitet hatte, und ließ diese von ihm signieren. Die Spiele befinden sich noch heute in seiner Sammlung.
Solche persönlichen Sammlerstücke würden in einer vollständig digitalen Zukunft naturgemäß schwieriger.
Sony beendet neue Spiele auf Disc ab 2028
Für PlayStation-Spieler bekommt die Diskussion durch Sonys angekündigte Strategie eine besondere Bedeutung.
Ab Januar 2028 sollen für neu erscheinende PlayStation-Spiele keine physischen Spiele-Discs mehr produziert werden. Sony begründet die Entscheidung damit, dass digitale Medien inzwischen deutlich stärker nachgefragt würden als physische Veröffentlichungen.
Dabei bedeutet „digital beim Händler“ künftig beispielsweise, dass weiterhin Verpackungen oder andere physische Produkte verkauft werden können, das eigentliche Spiel jedoch digital bereitgestellt wird.
Genau diese Situation zeichnet sich bereits bei kommenden Titeln wie The Witcher 4 ab. CD Projekt RED hat beispielsweise erklärt, dass man eine physische Verpackung anbieten möchte, eine echte PlayStation-Disc aufgrund von Sonys Entscheidung aber nicht garantieren könne.
Langfristig verändert sich damit auch die Frage, was eine PlayStation-Sammlung eigentlich bedeutet.
Spielerhalt wird mit einer digitalen Zukunft wichtiger
Kamiyas Aussagen treffen deshalb einen Punkt, der über die aktuelle Disc-Debatte hinausgeht.
Physische Spiele sind ebenfalls nicht automatisch für immer gesichert. Datenträger können beschädigt werden, Konsolen ausfallen und manche Spiele benötigen selbst auf Disc zusätzliche Downloads oder Serververbindungen.
Eine vollständig digitale Zukunft verschiebt die Verantwortung jedoch stärker zu Plattformbetreibern und Publishern.
Wenn ein Spiel nur über einen digitalen Store verfügbar ist, hängt sein zukünftiger Zugang davon ab, wie lange Downloads angeboten werden, ob Konten und Lizenzserver weiterhin funktionieren und ob ältere Software auf zukünftiger Hardware unterstützt wird.
Genau hier setzt Kamiyas Kritik an.
Ob ein Spiel auf Disc oder als Download erscheint, ist für ihn letztlich zweitrangig. Entscheidend sei, dass Unternehmen Verantwortung dafür übernehmen, dass Spiele auch für zukünftige Generationen verfügbar bleiben.
Mit Sonys geplantem Disc-Aus ab 2028 dürfte diese Frage für PlayStation-Spieler in den kommenden Jahren noch wichtiger werden.
Quelle: VGC







