Bruce Straley gehört zu den Entwicklern, die selbst jahrelang an einigen der größten PlayStation-Produktionen gearbeitet haben. Umso bemerkenswerter fällt seine aktuelle Kritik an modernen AAA-Spielen aus. Der ehemalige Naughty-Dog-Game-Director erklärt, dass ihn viele der heute üblichen Spielerfahrungen im Blockbuster-Bereich nicht mehr begeistern. Als aktuelles Beispiel nennt er ausgerechnet God of War Laufey.
Dabei kritisiert Straley allerdings nicht die technische Qualität des kommenden PS5-Spiels. Im Gegenteil: Die Arbeit von Santa Monica Studio beeindrucke ihn sichtbar. Sein Problem liegt vielmehr darin, was Spieler innerhalb solcher aufwendig produzierten Titel tatsächlich tun.
Bruce Straley sieht ein Problem bei modernen AAA Spielen
Die Aussagen stammen aus einem Gespräch mit dem Edge Magazine, das inzwischen auch über den Knowledge Newsletter aufgegriffen wurde. Straley spricht darin grundsätzlich über die Entwicklung großer Spieleproduktionen und die kreativen Möglichkeiten innerhalb des AAA-Segments.
Seiner Ansicht nach sind vor allem die spielerischen Handlungen und Erfahrungen, die große Produktionen anbieten, zunehmend vorhersehbar geworden.
„Ich würde sagen, langweilig“, beschreibt Straley die Situation sinngemäß. Gleichzeitig habe er das Gefühl, dass in großen AAA-Projekten kaum noch Raum vorhanden sei, wirklich neue und innovative Ideen einzubauen.
Die Aussage bekommt zusätzlich Gewicht, weil Straley selbst über viele Jahre genau in diesem Bereich gearbeitet hat. Er war unter anderem Game Director von The Last of Us und Uncharted 4: A Thief’s End und verbrachte insgesamt rund 18 Jahre bei Naughty Dog.
Damit kritisiert hier kein Außenstehender die Entwicklung moderner Blockbuster, sondern jemand, der selbst an einigen der Spiele beteiligt war, die den cineastischen AAA-Stil der vergangenen Jahre geprägt haben.
God of War Laufey beeindruckt ihn optisch trotzdem
Besonders deutlich wird Straleys Sichtweise bei God of War Laufey.
Das kommende Spiel von Santa Monica Studio beeindrucke ihn technisch enorm. Er beschreibt die Qualität praktisch jedes einzelnen Bildes als außergewöhnlich und betont ausdrücklich, wie viel Arbeit und Können hinter einer Produktion dieser Größenordnung stecken.
Gerade weil er selbst vergleichbare Projekte entwickelt habe, könne er den Aufwand entsprechend einschätzen.
Beim eigentlichen Gameplay falle seine Reaktion jedoch deutlich zurückhaltender aus.
Wenn er sich anschaue, „was man in dem Spiel tatsächlich macht“, sei er nicht begeistert. Straley stellt gleichzeitig klar, dass sich diese Kritik nicht gezielt gegen das Team von God of War richtet. Für ihn steht Laufey vielmehr stellvertretend für ein grundsätzliches Problem vieler moderner AAA-Produktionen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Straley sagt nicht, dass God of War Laufey ein schlechtes Spiel sei. Der Titel ist schließlich noch nicht veröffentlicht. Seine Kritik bezieht sich auf die bisher gezeigten Spielmechaniken und auf eine Entwicklung innerhalb großer Produktionen, bei der technische Perfektion seiner Ansicht nach nicht automatisch mit neuen spielerischen Ideen einhergeht.
Ausgerechnet Laufey sorgt bereits länger für Diskussionen
God of War Laufey ist ohnehin eines der derzeit ungewöhnlicheren Projekte innerhalb von Sonys First-Party-Portfolio.
Statt Kratos steht diesmal dessen Frau Faye im Mittelpunkt. Santa Monica Studio will dabei nicht einfach das bisherige Gameplay mit einer anderen Hauptfigur fortsetzen. Laufey soll beweglicher kämpfen und einen eigenen Spielstil erhalten, der Elemente der klassischen God-of-War-Spiele mit den moderneren Teilen verbindet.
Erst vor wenigen Tagen berichteten wir darüber, dass Kratos-Sprecher Christopher Judge große Erwartungen an God of War Laufey weckt. Judge bezeichnete das Spiel dabei als ausgesprochen gelungen und lobte insbesondere Deborah Ann Woll in der Hauptrolle.
Damit treffen derzeit zwei sehr unterschiedliche Einschätzungen aufeinander. Während Judge von dem Projekt begeistert ist, betrachtet Straley die bisher gezeigten Gameplay-Ideen deutlich skeptischer. Beide Aussagen stammen allerdings von Personen mit Verbindungen zur Spielebranche und stellen keine unabhängigen Tests des fertigen Spiels dar.
God of War Laufey erscheint erst am 16. Februar 2027 für PlayStation 5. Wie das tatsächliche Gameplay über ein komplettes Spiel hinweg funktioniert, lässt sich deshalb derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Straley setzt inzwischen bewusst auf kleinere Spiele
Seine Kritik an großen Produktionen passt auch zu Straleys eigener beruflicher Entwicklung.
Nach seinem Abschied von Naughty Dog gründete er Wildflower Interactive. Das Studio arbeitet aktuell an Coven of the Chicken Foot und verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als klassische AAA-Produktionen.
Wildflower beschreibt seine Spiele selbst als eher kleinere, kreativ geprägte und stilistisch eigenständige Projekte. Coven of the Chicken Foot setzt beispielsweise auf eine ungewöhnliche Hauptfigur, ein langsameres Spieltempo und eine deutlich andere Struktur als die Blockbuster, an denen Straley früher beteiligt war.
Dass er inzwischen stärker nach solchen Konzepten sucht, scheint daher kein Zufall zu sein. Straley verriet außerdem, dass er selbst noch eine Idee für ein großes AAA-Spiel habe, allerdings davon ausgehe, dieses vermutlich nie umzusetzen.
Die Diskussion um die zunehmenden Entwicklungszeiten großer Spiele spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Moderne AAA-Produktionen beschäftigen teilweise mehrere hundert Entwickler und entstehen über viele Jahre hinweg. Entsprechend hoch ist der wirtschaftliche Druck, große Zielgruppen zu erreichen.
Auch bei Naughty Dog zeigen sich die langen Produktionszyklen inzwischen deutlich. Wir hatten bereits darüber berichtet, dass Fans sechs Jahre nach The Last of Us Part 2 weiterhin auf ein komplett neues Naughty-Dog-Spiel warten.
Straleys Aussagen treffen damit eine Diskussion, die die Spielebranche schon länger begleitet: Wie viel kreatives Risiko können Produktionen eingehen, wenn Budgets und Entwicklungszeiten immer weiter steigen?
Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht. Gerade God of War Laufey wird erst zeigen müssen, ob Santa Monica Studio mit dem Wechsel zu Faye und den angekündigten Änderungen tatsächlich neue spielerische Akzente setzen kann.
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