NewsThe Witcher 4 wechselt die Engine und Cyberpunk war nicht der Grund

The Witcher 4 wechselt die Engine und Cyberpunk war nicht der Grund

The Witcher 4 entsteht nicht mehr mit der hauseigenen REDengine, sondern mit der Unreal Engine 5. Viele Spieler vermuteten bislang, dass CD Projekt RED damit vor allem auf den schwierigen Start von Cyberpunk 2077 reagierte. Co-CEO Michał Nowakowski widerspricht dieser Darstellung nun und nennt einen ganz anderen Auslöser für den großen Technikwechsel.

Demnach überzeugte ausgerechnet die beeindruckende Technikdemo The Matrix Awakens das Studio vom Potenzial der Unreal Engine 5. Die Probleme von Cyberpunk 2077 hätten dagegen nicht unmittelbar an der REDengine gelegen.

Cyberpunk 2077 war nicht der entscheidende Grund

Cyberpunk 2077 erschien Ende 2020 in einem technisch problematischen Zustand. Besonders die Konsolenversionen litten unter Abstürzen, Darstellungsfehlern und teilweise erheblichen Leistungseinbrüchen. Sony entfernte das Rollenspiel zwischenzeitlich sogar aus dem PlayStation Store.

Als CD Projekt RED später ankündigte, für The Witcher 4 auf die Unreal Engine 5 umzusteigen, erschien der Zusammenhang daher naheliegend. Viele Beobachter gingen davon aus, dass das Studio seine eigene Technologie nach den Erfahrungen mit Cyberpunk 2077 hinter sich lassen wollte.

In einem neuen Interview stellte Michał Nowakowski jedoch klar, dass diese Annahme nur bedingt zutreffe. Die technischen Probleme beim Start von Cyberpunk 2077 seien nicht grundsätzlich durch die REDengine verursacht worden. Der Enginewechsel sei deshalb keine direkte Flucht vor der bisherigen Technologie gewesen.

CD Projekt RED sei in erster Linie ein Spieleentwickler und wolle nicht dauerhaft einen großen Teil seiner Ressourcen in die Entwicklung einer eigenen Engine investieren. Das Ziel des Studios bestehe darin, technisch anspruchsvolle Spiele zu erschaffen und Geschichten möglichst überzeugend zu erzählen.

The Matrix Awakens veränderte die Pläne

Den entscheidenden Impuls lieferte laut Nowakowski The Matrix Awakens. Die von Epic Games entwickelte Technikdemo zeigte bereits 2021, welche Möglichkeiten die Unreal Engine 5 bei großen und detaillierten Spielwelten bieten kann.

CD Projekt RED erhielt offenbar frühzeitig Einblicke in die Demo. Innerhalb des Studios stellte sich daraufhin die Frage, ob die Unreal Engine 5 grundsätzlich für Spiele mit dem Umfang und den technischen Anforderungen eines neuen Witcher-Abenteuers geeignet sein könnte.

Die damalige Antwort fiel nicht uneingeschränkt positiv aus. In ihrer ursprünglichen Form sei die Engine zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit für ein Projekt gewesen, das den Vorstellungen des Studios vollständig entsprach. Gleichzeitig erkannte CD Projekt RED jedoch das Potenzial der Technologie.

Aus diesen Überlegungen entstand schließlich die langfristige Zusammenarbeit mit Epic Games. Dabei verwendet das polnische Studio die Unreal Engine 5 nicht lediglich als fertiges Werkzeug. Beide Unternehmen arbeiten gemeinsam an Funktionen und Anpassungen, die speziell für große offene Spielwelten benötigt werden.

CD Projekt erhält ungewöhnlich tiefen Zugriff

Nach Angaben von Nowakowski kann CD Projekt RED besonders tief in die Technik der Unreal Engine eingreifen. Das Studio arbeite gemeinsam mit Epic an Bereichen, die für andere Entwickler normalerweise Teil einer schwer zugänglichen technischen „Blackbox“ seien.

Damit soll ein wesentlicher Vorteil der eigenen REDengine erhalten bleiben. CD Projekt kann die Technologie weiterhin an die besonderen Anforderungen seiner Rollenspiele anpassen, muss jedoch nicht mehr sämtliche Grundlagen allein entwickeln und warten.

Gerade bei einem Projekt wie The Witcher 4 dürfte diese Zusammenarbeit eine wichtige Rolle spielen. Das Rollenspiel soll eine große offene Welt mit zahlreichen Figuren, komplexen Systemen und einer hohen grafischen Qualität verbinden. Gleichzeitig möchte das Studio künftig mehrere große Produktionen parallel entwickeln.

Eine eigene Engine für jedes dieser Projekte kontinuierlich weiterzuentwickeln, bindet zahlreiche Spezialisten. Mit der Unreal Engine 5 kann CD Projekt stärker auf eine bereits vorhandene technische Grundlage setzen und seine Ressourcen gezielter in die eigentlichen Spiele investieren.

Die Lehren aus Cyberpunk bleiben trotzdem wichtig

Die neue Aussage bedeutet allerdings nicht, dass der Start von Cyberpunk 2077 keinen Einfluss auf die Entwicklung von The Witcher 4 hat. Der problematische Release führte innerhalb des Studios zu mehreren Veränderungen. Diese betreffen jedoch eher die Abläufe bei der Entwicklung und Qualitätssicherung als die grundsätzliche Wahl der Engine.

CD Projekt RED testet das neue Rollenspiel bereits während der laufenden Produktion auf den vorgesehenen Plattformen. The Witcher 4 läuft intern bereits auf der PS5 und wird nicht erst kurz vor der Veröffentlichung an die Konsolenhardware angepasst.

Bei Cyberpunk 2077 konzentrierte sich die Entwicklung lange auf die PC-Version. Die Anpassung an die Konsolen erfolgte dadurch unter deutlich schwierigeren Bedingungen. Diesen Fehler möchte das Unternehmen bei The Witcher 4 vermeiden.

Enginewechsel und veränderte Entwicklungsabläufe müssen daher getrennt betrachtet werden. Die Unreal Engine 5 wurde laut Nowakowski nicht gewählt, weil die REDengine für das Cyberpunk-Debakel verantwortlich gewesen sei. Die Erfahrungen mit dem damaligen Konsolenstart beeinflussen aber sehr wohl, wie CD Projekt sein neues Großprojekt entwickelt und testet.

Unreal Engine 5 soll mehr Spiele ermöglichen

Der Wechsel verfolgt außerdem ein langfristiges Ziel. CD Projekt RED möchte künftig mehrere Produktionen gleichzeitig vorantreiben. Neben The Witcher 4 befinden sich unter anderem ein neues Cyberpunk-Spiel, das Remake des ersten The Witcher und eine bislang weitgehend unbekannte neue Marke in Vorbereitung.

Eine gemeinsam genutzte technische Basis könnte die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teams erleichtern. Entwickler müssten nicht für jedes Projekt neue interne Werkzeuge erschaffen oder bestehende Technik aufwendig anpassen.

Ob diese Strategie tatsächlich zu stabileren Veröffentlichungen führt, wird sich erst mit den fertigen Spielen zeigen. Die Unreal Engine 5 garantiert weder automatisch eine bessere Performance noch einen fehlerfreien Start. Sie verschafft CD Projekt jedoch eine breitere technische Grundlage und erlaubt dem Studio, gemeinsam mit Epic an den benötigten Funktionen zu arbeiten.

Für PlayStation-Spieler bleibt vor allem entscheidend, wie gut The Witcher 4 auf der tatsächlichen Konsolenhardware funktioniert. Dass die PS5-Version bereits während der Entwicklung berücksichtigt wird, dürfte mindestens ebenso wichtig sein wie der Name der verwendeten Engine.

Quelle: YouTube

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