NewsRPCS3 wird auf Nvidia Grafikkarten plötzlich deutlich schneller

RPCS3 wird auf Nvidia Grafikkarten plötzlich deutlich schneller

Der PlayStation-3-Emulator RPCS3 macht auf PCs mit Nvidia-Grafikkarten einen überraschend großen Leistungssprung. Die Entwickler haben einen Workaround für ein Problem in den GeForce-Treibern integriert, das den Emulator offenbar bereits seit längerer Zeit ausgebremst hat. In ersten Tests steigt die Bildrate je nach Hardware und Spiel um bis zu 25 Prozent.

Besonders interessant ist dabei, dass für die Verbesserung nicht zwingend eine neue Grafikkarte notwendig ist. Auch ältere GeForce-Modelle können von der Änderung profitieren. Nutzer mit AMD-GPUs gehen dagegen leer aus – allerdings aus einem guten Grund: Nach Angaben des RPCS3-Teams tritt das entsprechende Treiberproblem dort gar nicht erst auf.

Bis zu 25 Prozent mehr FPS bei RPCS3

Entdeckt wurde die alternative Lösung von RPCS3-Mitwirkendem Yahfz. Statt auf eine Fehlerkorrektur durch Nvidia zu warten, umgeht der Emulator nun selbst den problematischen Teil des Treibers.

Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigen mehrere vom RPCS3-Team veröffentlichte Tests.

In einer getesteten Szene von Red Dead Redemption erreichte ein System mit Intel Core i9-13900K und GeForce RTX 3080 ungefähr 20 Prozent mehr Bilder pro Sekunde. Mit einem Ryzen 7 9800X3D und einer deutlich stärkeren GeForce RTX 5090 lag der gemessene Leistungsgewinn sogar bei rund 25 Prozent.

Damit betrifft der Effekt offensichtlich nicht nur eine einzelne GPU-Generation.

Auch auf deutlich älterer Hardware wurden Verbesserungen festgestellt. Auf einem Notebook mit Intel Core i7-7700HQ und GeForce GTX 1060 lief Saints Row IV nach der Änderung ungefähr 20 Prozent schneller. Bei Saints Row: The Third lag der Zugewinn immerhin noch bei etwa zehn Prozent.

Nicht jedes PS3 Spiel wird automatisch 25 Prozent schneller

Die genannten Werte sollten allerdings nicht als pauschale Leistungssteigerung für RPCS3 verstanden werden.

Die Entwickler weisen selbst darauf hin, dass das tatsächliche Plus stark von der verwendeten Hardware, dem jeweiligen Spiel und sogar von der getesteten Szene abhängt. RPCS3 kann je nach Titel an ganz unterschiedlichen Stellen limitiert sein.

Gerade die Emulation der PlayStation 3 stellt hohe Anforderungen an den Prozessor, da die ungewöhnliche Cell-Architektur der ursprünglichen Konsole auf moderner Hardware nachgebildet werden muss. In anderen Situationen kann dagegen die Grafikkarte beziehungsweise die Kommunikation mit dem Grafiktreiber zum Flaschenhals werden.

Der neue Workaround hilft entsprechend vor allem dort, wo genau das Nvidia-Treiberproblem die Performance begrenzt hat.

Trotzdem geht das RPCS3-Team davon aus, dass sich die Änderung bei vielen Spielen bemerkbar machen kann.

Nvidia hat den Fehler bislang nicht selbst behoben

Ein wichtiger Unterschied: Bei der neuen Verbesserung handelt es sich nicht um einen neuen Nvidia-Treiber, der das Problem beseitigt.

Die Lösung stammt direkt aus dem RPCS3-Projekt. Der Emulator arbeitet um den Fehler beziehungsweise den dadurch verursachten Flaschenhals herum. Nvidia selbst hat bislang keine entsprechende Fehlerkorrektur veröffentlicht.

Das RPCS3-Team nutzte die Ankündigung deshalb auch für eine ungewöhnlich direkte Nachricht an Nvidia.

Nach Angaben der Entwickler fehle ihnen bislang ein konkreter Kommunikationsweg, um derartige Treiberprobleme als Softwareentwickler zuverlässig an Nvidia weiterzugeben. Frühere Versuche über die offiziellen Entwicklerforen hätten nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Das Team erklärte deshalb öffentlich, dass Nvidia sich melden könne, falls Interesse an einem direkten Austausch über entsprechende Treiberfehler bestehe.

Für Nutzer spielt dieser Hintergrund zunächst allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass RPCS3 den Engpass inzwischen auf seiner Seite umgehen kann.

RPCS3 entwickelt sich weiter erstaunlich schnell

Die Verbesserung reiht sich in mehrere größere Fortschritte ein, die der PS3-Emulator zuletzt gemacht hat.

Erst kürzlich wurde beispielsweise die Möglichkeit deutlich erweitert, originale PlayStation-3-Discs direkt über kompatible Blu-ray-Laufwerke am PC zu verwenden. Damit arbeitet das Projekt nicht nur an höherer Kompatibilität und besserer Performance, sondern zunehmend auch an Komfortfunktionen rund um physische PS3-Spiele.

RPCS3 gilt inzwischen als eines der technisch fortschrittlichsten Emulationsprojekte für moderne Konsolen. Gerade die PlayStation 3 stellte Entwickler lange vor besondere Herausforderungen, weil ihre Cell-CPU mit ihren spezialisierten SPUs deutlich anders aufgebaut ist als klassische PC-Prozessoren.

Dass heute zahlreiche PS3-Spiele auf handelsüblichen Rechnern mit höheren Auflösungen und Bildraten als auf der ursprünglichen Hardware laufen können, ist deshalb das Ergebnis jahrelanger Optimierungsarbeit.

Die aktuelle Nvidia-Verbesserung zeigt gleichzeitig, dass zusätzliche Leistung nicht zwangsläufig nur durch schnellere Hardware oder größere Änderungen am Emulator selbst entstehen muss. In diesem Fall genügt bereits das Umgehen eines Treiberproblems, um in bestimmten Szenarien zweistellige FPS-Zuwächse zu erreichen.

Für Besitzer einer GeForce-Grafikkarte dürfte es sich daher lohnen, RPCS3 auf den aktuellen Stand zu bringen und die eigenen Spiele erneut zu testen. Wie groß der Unterschied tatsächlich ausfällt, hängt jedoch weiterhin stark vom jeweiligen Titel und vom verwendeten PC ab.

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