Ein möglicher Boykott von GTA 6 ist aus Sicht ehemaliger Rockstar-Mitarbeiter der falsche Weg, um sie in ihrem laufenden Rechtsstreit zu unterstützen. Mehrere der im vergangenen Jahr entlassenen Entwickler haben sich nun direkt an die Community gewandt und ausdrücklich darum gebeten, Grand Theft Auto 6 nicht zu boykottieren. Stattdessen soll eine Spendenaktion dabei helfen, die Kosten des bevorstehenden Verfahrens zu finanzieren.
Hintergrund ist ein weiterhin andauernder Konflikt zwischen Rockstar Games und ehemaligen Mitarbeitern. Insgesamt wurden 34 Beschäftigte entlassen, davon 31 in Großbritannien und drei in Kanada. Die Independent Workers’ Union of Great Britain (IWGB) unterstützt die Betroffenen.
Ehemalige Entwickler wollen keinen GTA 6 Boykott
In einem neuen Video erklären die ehemaligen Rockstar-Mitarbeiter ihre Position. Einige Spieler hatten offenbar vorgeschlagen, GTA 6 aus Protest nicht zu kaufen.
Diesen Schritt wünschen sich die Betroffenen ausdrücklich nicht.
Jack Hoxby, Mitglied der IWGB Game Workers Branch und einer der entlassenen Mitarbeiter, verweist darauf, dass die Entwickler selbst jahrelang an dem Spiel gearbeitet hätten. Statt eines Boykotts bittet die Gruppe Unterstützer darum, spezielle T-Shirts zu kaufen. Die Einnahmen sollen zur Finanzierung der juristischen Auseinandersetzung beitragen.
Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Fans sollen GTA 6 im November spielen können und gleichzeitig die ehemaligen Mitarbeiter unterstützen.
Rockstar weist Vorwürfe rund um die Entlassungen zurück
Im Zentrum des Konflikts steht die Frage, weshalb die Mitarbeiter entlassen wurden.
Rockstar vertritt die Position, dass die Kündigungen aufgrund der Weitergabe vertraulicher Informationen erfolgt seien und nicht wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten. Nach Angaben des Unternehmens wurden in einem Discord-Bereich Informationen über kommende und teilweise noch unangekündigte Projekte ausgetauscht.
Dabei soll es unter anderem um Features von GTA 6, den Entwicklungsfortschritt, interne Zeitpläne und Sicherheitsprozesse gegangen sein.
Rockstar verfolgt bei der Weitergabe vertraulicher Informationen seit Jahren eine strenge Linie und verweist auf frühere Entlassungen in vergleichbaren Fällen.
Die Gewerkschaft und die betroffenen Mitarbeiter stellen den Vorgang dagegen in einen Zusammenhang mit ihren Bemühungen um gewerkschaftliche Organisation. Genau diese unterschiedlichen Darstellungen sind ein wesentlicher Bestandteil des laufenden Konflikts.
GTA 6 erscheint im November 2026
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall auch wegen des bevorstehenden Releases von Grand Theft Auto 6. Das Spiel soll am 19. November 2026 erscheinen.
Ursprünglich war ein früherer Veröffentlichungstermin vorgesehen. Die spätere Verschiebung auf November hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. Nach Bekanntgabe des neuen Termins sank der Börsenwert von Rockstar-Mutterkonzern Take-Two zeitweise deutlich.
GTA 6 gehört zu den wirtschaftlich wichtigsten kommenden Veröffentlichungen der gesamten Spielebranche. Entsprechend sensibel reagiert das Unternehmen auf Informationen über Entwicklungsstand und Veröffentlichungsplanung, die vor einer offiziellen Ankündigung an die Öffentlichkeit gelangen könnten.
Gewerkschaft fordert Anerkennung bei Rockstar
Parallel zum Rechtsstreit läuft eine weitere Auseinandersetzung um die gewerkschaftliche Organisation innerhalb von Rockstar.
Entwickler beantragten im Juni die freiwillige Anerkennung der IWGB Game Workers Union. Eine formelle Anerkennung würde eine Grundlage für Tarifverhandlungen zu Themen wie Bezahlung, flexiblen Arbeitsbedingungen und Überstunden schaffen.
Die IWGB gibt an, einen bedeutenden Teil der Rockstar-Belegschaft an mehreren britischen Standorten zu vertreten. Dazu gehören Edinburgh, Dundee, Lincoln, Leeds und London.
Rockstar bestätigte den Antrag und erklärte, grundsätzlich zu einem offenen und konstruktiven Dialog bereit zu sein. Eine freiwillige Anerkennung ist damit allerdings noch nicht erfolgt.
Sollte Rockstar diese ablehnen, könnte die Gewerkschaft in Großbritannien eine gesetzliche Anerkennung über das zuständige Central Arbitration Committee anstreben.
Entscheidende Anhörung steht im September bevor
Der Zeitpunkt des aktuellen Aufrufs ist nicht zufällig gewählt. Die abschließende Anhörung im Verfahren der entlassenen Mitarbeiter soll im September in Glasgow beginnen.
Bis dahin versucht die IWGB, sowohl finanzielle Unterstützung für das Verfahren zu sammeln als auch die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Konflikt zu richten.
Für die Community bleibt die Position der ehemaligen Entwickler dabei bemerkenswert klar: Sie wollen nicht, dass Fans auf GTA 6 verzichten. Schließlich haben einige von ihnen selbst jahrelang an dem Spiel mitgearbeitet. Stattdessen soll die Unterstützung gezielt dem Rechtsstreit zugutekommen.
Wie das Verfahren ausgeht und welche Auswirkungen der Konflikt auf die gewerkschaftliche Organisation bei Rockstar haben wird, dürfte sich frühestens nach der Anhörung im September deutlicher zeigen.
Quelle: IGN






