VEGAS Pro gehörte einmal zu den bekanntesten Programmen für Videoschnitt am PC. Viele Nutzer dürften die Software noch als Sony Vegas kennen. Inzwischen gehört VEGAS zu Boris FX und soll mit der 2026er-Version wieder stärker angreifen. Wir haben uns VEGAS Pro Ultimate 2026 angesehen – aus der Perspektive eines Creators, der seine Videos normalerweise schnell und unkompliziert mit InShot auf dem Smartphone produziert.
Aus Sony Vegas wird Boris FX VEGAS Pro
VEGAS hat in den vergangenen Jahren einige Besitzerwechsel erlebt. 2026 übernahm Boris FX schließlich VEGAS Pro, Sound Forge und Acid Pro und kündigte gleichzeitig an, die Programme weiterzuentwickeln und stärker mit den eigenen Effekt-, Audio- und KI-Technologien zu verbinden.
Das merkt man VEGAS Pro 2026 durchaus an. Die Software versucht nicht, ihre Vergangenheit komplett abzuschütteln. Wer früher bereits mit Vegas gearbeitet hat, wird viele grundlegende Konzepte sofort wiedererkennen. Gleichzeitig wurde der Funktionsumfang deutlich erweitert.
Wir haben für unseren Test VEGAS Pro Ultimate 2026 verwendet – also das größte Paket mit zusätzlichen Boris-FX-Werkzeugen.
Der erste Eindruck: mächtig, aber nicht gerade minimalistisch
Der Umstieg von einer Smartphone-App wie InShot könnte kaum größer sein.
InShot konzentriert sich darauf, Videos möglichst schnell zusammenzuschneiden. VEGAS dagegen präsentiert eine klassische professionelle Schnittumgebung: Projektmedien, Vorschaufenster, Timeline, Mixer, Effekte, Übergänge und zahlreiche Einstellmöglichkeiten teilen sich den Bildschirm.
Das wirkt beim ersten Start entsprechend mächtig – und zunächst auch etwas erschlagend.
Gerade auf hochauflösenden Monitoren fällt außerdem auf, dass die Benutzeroberfläche vergleichsweise klein dargestellt werden kann. Zwar bietet VEGAS eine High-DPI-Unterstützung, einen simplen internen Regler nach dem Muster „Benutzeroberfläche auf 150 Prozent vergrößern“ gibt es jedoch nicht.
Das ist kein großes technisches Problem, gehört für Einsteiger aber zu den Dingen, bei denen man sich zunächst etwas einarbeiten muss.
Beim eigentlichen Schnitt zeigt VEGAS seine alte Stärke
Ist das Material erst einmal importiert, versteht man schnell, weshalb VEGAS über viele Jahre eine so treue Fangemeinde aufgebaut hat.
Clips lassen sich unkompliziert auf der Timeline bewegen, schneiden und kombinieren. Mehrere Video- und Audiospuren übereinander sind selbstverständlich möglich und eröffnen deutlich mehr Möglichkeiten als bei einem typischen Smartphone-Workflow.
Gerade für längere YouTube-Videos, Hardware-Tests, Gaming-Videos oder Produktionen mit verschiedenen Kamera-, Gameplay- und Audiospuren ist der Unterschied enorm.
Wer dagegen lediglich einen 20-sekündigen Short zusammenschneiden möchte, wird mit InShot oder vergleichbaren Smartphone-Apps vermutlich weiterhin schneller am Ziel sein.
VEGAS spielt seine Vorteile dann aus, wenn ein Projekt komplexer wird.
Boris FX macht Ultimate besonders interessant
Die eigentliche Besonderheit der Ultimate-Version sind die zusätzlichen Boris-FX-Werkzeuge.
Zum Paket gehören unter anderem Continuum, Mocha Pro, CrumplePop beziehungsweise SoundApp und Optics. Damit erweitert sich VEGAS von einem Videoschnittprogramm zu einer ziemlich umfangreichen Produktionsumgebung.
Continuum bringt beispielsweise eine große Auswahl an Effekten, Titeln und Presets mit. Optics ergänzt zahlreiche Film-, Licht-, Linsen- und Farblooks.
Noch spannender dürfte für viele Creator Mocha Pro sein. Damit lassen sich Objekte verfolgen, Masken erstellen, Elemente stabilisieren oder Grafiken an bewegte Bildinhalte koppeln.
Für klassische YouTube-Videos braucht man solche Werkzeuge natürlich nicht ständig. Wer aber häufiger aufwendigere Produktionen erstellt, bekommt mit Ultimate deutlich mehr kreative Möglichkeiten als mit der Grundversion.
Audio ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil
Auch beim Ton hat sich einiges getan.
VEGAS Pro Ultimate kombiniert den klassischen Videoschnitt mit zusätzlichen Werkzeugen zur Audiobearbeitung und -bereinigung. Besonders interessant sind dabei die CrumplePop-Technologien, die beispielsweise Hintergrundgeräusche, Wind oder Hall reduzieren sollen.
Für Produkttests, Interviews oder Aufnahmen außerhalb eines Studios kann das ausgesprochen praktisch sein.
Hier zeigt sich auch der Vorteil einer Desktop-Lösung: Video und mehrere Audiospuren lassen sich wesentlich präziser bearbeiten als in einer einfachen mobilen App.
KI spielt 2026 eine deutlich größere Rolle
Boris FX bewirbt VEGAS Pro 2026 stark mit neuen KI-Funktionen.
Dazu gehören unter anderem ein verbessertes KI-basiertes Z-Depth-System sowie Text-to-Speech und Speech-to-Text. Außerdem können automatisch Untertitel erstellt und Videos teilweise über Text bearbeitet werden.
Ein Teil dieser Funktionen ist allerdings an ein laufendes VEGAS-Abonnement gebunden.
Bei unserer bereitgestellten Ultimate-Review-Lizenz zeigte sich hier allerdings noch ein Problem: Die textbasierte Bearbeitung meldete trotz aktiver einjähriger Lizenz weiterhin, dass ein VEGAS-Pro-Abonnement erforderlich sei.
Da die restliche Software und die Ultimate-Erweiterungen ordnungsgemäß aktiviert waren, haben wir diesen Punkt beim Hersteller angefragt. Deshalb fließt diese Funktion aktuell noch nicht abschließend in unsere Bewertung ein.
Installation könnte unkomplizierter sein
Etwas Luft nach oben gibt es außerdem beim Einstieg.
VEGAS Pro und die Boris-FX-Erweiterungen werden über das Boris-FX-System installiert und aktiviert. Die Lizenz selbst ist an den Boris-FX-Account gekoppelt.
VEGAS allein ist schnell installiert. Wer allerdings Ultimate vollständig nutzen möchte, sollte darauf achten, auch die zusätzlichen Pakete zu installieren.
Bei unserem ersten Start fehlten zunächst Continuum-Komponenten, wodurch eine DLL-Fehlermeldung erschien. Nach Installation der entsprechenden Ultimate-Erweiterungen verschwand das Problem.
Für erfahrene PC-Nutzer ist das kein Drama. Ein komplett neuer Nutzer dürfte sich allerdings einen etwas klareren Einrichtungsprozess wünschen.
Stabilität: Boris FX arbeitet weiter daran
Interessant ist auch, dass Boris FX VEGAS bereits mehrfach aktualisiert hat.
Mit aktuellen Updates wurden unter anderem verschiedene Probleme rund um Timeline, Effekte, Plug-ins und Stabilität behoben. Das zeigt einerseits, dass noch Optimierungsbedarf vorhanden war, andererseits wird die Software sichtbar weiter gepflegt.
Auch aus der Community gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Einige Nutzer berichten von besserer GPU-Auslastung und einer flüssigeren Timeline gegenüber früheren Versionen, während andere weiterhin von Abstürzen bei bestimmten Projekten oder Hardware-Konfigurationen berichten.
Ein langfristiger Stabilitätstest mit zahlreichen größeren Projekten steht bei uns deshalb noch aus.
Smartphone oder VEGAS – was ist für Creator besser?
Nach den ersten Stunden wird ziemlich deutlich: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Für schnelle Reels, TikToks und Shorts bleibt eine App wie InShot extrem praktisch. Smartphone raus, Clips auswählen, schneiden, Text drauf und veröffentlichen – schneller geht es kaum.
VEGAS Pro verfolgt einen anderen Ansatz.
Sobald mehrere Kameras, unterschiedliche Audiospuren, Gameplay, aufwendigere Texte, Farbkorrekturen, Effekte oder präzise Übergänge benötigt werden, stößt ein Smartphone-Workflow deutlich schneller an Grenzen.
Genau hier beginnt VEGAS interessant zu werden.
Gerade für längere YouTube-Videos und aufwendigere Produkttests könnten wir uns deshalb gut vorstellen, künftig einen Teil unserer Produktion am PC umzusetzen und Smartphone und VEGAS parallel einzusetzen.
Fazit: VEGAS ist wieder spannend – aber nicht mehr allein auf dem Markt
VEGAS Pro Ultimate 2026 hinterlässt einen interessanten ersten Eindruck.
Der frühere Sony-Klassiker ist keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: Durch die Übernahme durch Boris FX bekommt VEGAS derzeit offensichtlich wieder mehr Aufmerksamkeit und zusätzliche Technologien.
Die größten Stärken liegen weiterhin in der unkomplizierten Timeline, dem schnellen klassischen Schnitt und inzwischen vor allem im umfangreichen Zusatzpaket aus Continuum, Mocha Pro, Optics und den Audiowerkzeugen.
Einsteiger müssen allerdings etwas Zeit investieren. Die Oberfläche wirkt zunächst deutlich komplexer als moderne mobile Editoren, die Installation der Zusatzkomponenten könnte transparenter sein und einige Funktionen sind an Abonnements gekoppelt.
Auch unser noch ungeklärtes Problem mit den textbasierten Abo-Funktionen zeigt, dass beim Lizenzsystem noch nicht alles vollkommen selbsterklärend ist.
Trotzdem hat VEGAS Pro 2026 etwas geschafft, womit wir vor dem Test nicht unbedingt gerechnet hätten: Wir wollen weiter damit arbeiten.
Für einen schnellen Short bleibt das Smartphone wahrscheinlich weiterhin die bequemere Lösung. Für längere Videos und aufwendigere Produktionen zeigt VEGAS dagegen bereits nach kurzer Zeit, weshalb die Software früher bei so vielen YouTubern und Creatorn beliebt war.
Und mit Boris FX im Rücken könnte gerade jetzt eine der interessantesten Phasen in der langen Geschichte von VEGAS beginnen.
VEGAS Pro Ultimate 2026 wurde uns von Boris FX für einen Zeitraum von zwölf Monaten zum Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf Inhalt oder Bewertung dieses Artikels erfolgte nicht.
Bewertung
Bedienung: 7,5/10
Nach kurzer Eingewöhnung logisch und schnell, für Einsteiger aber zunächst deutlich komplexer als mobile Editoren.
Funktionsumfang: 9/10
Mit Continuum, Mocha Pro, Optics und den zusätzlichen Audio-Werkzeugen bietet VEGAS Pro Ultimate sehr viele Möglichkeiten.
Schnitt & Workflow: 8,5/10
Die Timeline gehört weiterhin zu den großen Stärken von VEGAS. Gerade bei längeren und komplexeren Projekten ist der Workflow flexibel und angenehm.
Audio: 8,5/10
Umfangreiche Möglichkeiten zur Audiobearbeitung, ergänzt durch zusätzliche Boris-FX- und CrumplePop-Werkzeuge.
Effekte & Erweiterungen: 9/10
Die Ultimate-Version bietet eine sehr große Auswahl an Effekten, Tracking-Werkzeugen, Looks und Erweiterungen.
Installation & Lizenzierung: 6,5/10
VEGAS selbst ist schnell installiert, die zusätzlichen Pakete und das Lizenz-/Abo-System könnten jedoch übersichtlicher und einfacher gelöst sein.
Preis-Leistung: 8/10
Der Funktionsumfang ist groß, vor allem in der Ultimate-Version. Damit sich das Paket wirklich lohnt, sollte man die zusätzlichen Werkzeuge aber auch regelmäßig nutzen.
Gesamtwertung: 8,5/10
PSINFO-Fazit
VEGAS Pro Ultimate 2026 ist ein umfangreiches und leistungsfähiges Videoschnitt-Paket mit starkem klassischen Workflow und sehr guten Boris-FX-Erweiterungen. Abzüge gibt es vor allem für den teilweise komplizierten Einstieg, die Installation der Zusatzkomponenten und das nicht immer selbsterklärende Lizenz- und Abo-System.











