Die Zukunft von Halo wird neu organisiert und für das bisher verantwortliche Entwicklerteam bedeutet das einen drastischen Einschnitt. Microsoft reduziert Halo Studios auf eine kleine Supporteinheit, während ein neu zusammengestelltes Team bei Activision den nächsten großen Teil der Shooter-Reihe entwickeln soll. Die frühere Studioleiterin und Mitgründerin Bonnie Ross bezeichnet den Vorgang als faktische Schließung des Studios.
Microsoft lässt nur ein kleines Team zurück
Xbox hat im Zuge seiner laufenden Umstrukturierung den Abbau von 268 weiteren Stellen bestätigt. Betroffen sind Halo Studios, andere interne Entwicklerteams sowie zentrale Bereiche des Managements von Xbox Game Studios.
Wie viele Arbeitsplätze davon direkt bei Halo Studios wegfallen, teilte Microsoft nicht mit. Fest steht jedoch, dass künftig lediglich ein kleines Team erhalten bleiben soll. Dieses wird sich um die Halo-Community und bereits veröffentlichte Spiele kümmern.
Die Entwicklung des nächsten großen Halo-Spiels wechselt dagegen zu Activision. Dort soll ein neues Team entstehen, das ausschließlich für Halo verantwortlich ist und organisatorisch getrennt von den Call-of-Duty-Studios arbeitet.
Damit verliert Halo Studios seine bisherige Kernaufgabe. Microsoft spricht offiziell nicht von einer vollständigen Schließung, doch ohne die Verantwortung für neue Hauptteile bleibt von dem bisherigen Entwicklerstudio offenbar nur noch eine überschaubare Supportstruktur übrig.
Bonnie Ross spricht von einer faktischen Schließung
Bonnie Ross reagierte auf LinkedIn deutlich auf die Entscheidung. Es sei schwierig gewesen, mit der Nachricht aufzuwachen, dass Halo Studios im Grunde geschlossen werde und nur eine geringe Anzahl an Stellen erhalten bleibe.
Ross spricht von Hunderten Mitarbeitern aus den Bereichen Entwicklung, Design, Produktion, Grafik, Erzählung, Audio, Datenanalyse, Community und Esports, die von den Einschnitten betroffen seien. Eine offizielle Bestätigung dieser konkreten Größenordnung für Halo Studios liegt allerdings nicht vor. Microsoft nennt lediglich die Gesamtzahl von 268 gestrichenen Stellen in mehreren Xbox-Bereichen.
Die ehemalige Studioleiterin richtete ihre Gedanken an die betroffenen Mitarbeiter und empfahl deren Erfahrung ausdrücklich anderen Unternehmen. Nach ihrer Darstellung verliere die Branche ein besonders engagiertes und eng mit der Community verbundenes Team.
Ross hatte das damalige 343 Industries ab 2007 aufgebaut, nachdem Bungie seine Unabhängigkeit von Microsoft zurückerlangt hatte. Das neue Studio sollte die Verantwortung für Halo übernehmen und die Reihe langfristig fortführen. 2022 zog sich Ross aus familiären Gründen von der Leitung zurück und verließ Microsoft.
Auch ein Halo Schöpfer zeigt sich betroffen
Marcus Lehto, der als Art Director bei Bungie entscheidend am ursprünglichen Halo und am Design des Master Chief beteiligt war, reagierte ebenfalls auf die Entwicklung. Er zeigte sich schockiert, nach eigener Aussage jedoch nicht vollkommen überrascht.
Lehto wünschte den betroffenen Entwicklern alles Gute. Seine Formulierung macht gleichzeitig deutlich, dass die langjährigen Schwierigkeiten des Studios innerhalb der Branche offenbar nicht unbemerkt geblieben waren.
Lehto hatte zuletzt bereits einige Entscheidungen bei Halo Campaign Evolved kritisch betrachtet. Dabei ging es unter anderem um Veränderungen am visuellen Stil und den fehlenden klassischen Mehrspielermodus. Das Remake bewertete er dennoch nicht grundsätzlich negativ.
Wir konnten uns die Neuauflage ebenfalls ausführlich ansehen. In unserem Test von Halo Campaign Evolved für die PS5 überzeugten vor allem die modernisierte Kampagne, die Atmosphäre und die technische Umsetzung.
Von 343 Industries zum kleinen Supportteam
343 Industries veröffentlichte nach der Übernahme der Reihe unter anderem Halo 4, Halo 5 Guardians und Halo Infinite. Hinzu kamen Halo Combat Evolved Anniversary, die Master Chief Collection sowie verschiedene Kooperationen mit externen Studios.
Die Geschichte des Teams verlief allerdings nicht ohne Probleme. Die Master Chief Collection erschien 2014 in einem technisch schwierigen Zustand und benötigte lange, bis zentrale Funktionen zuverlässig arbeiteten. Halo Infinite wurde nach einer umstrittenen Präsentation verschoben und startete später ohne mehrere erwartete Inhalte. Auch die langfristige Unterstützung des ursprünglich auf viele Jahre ausgelegten Spiels erfüllte nicht alle Erwartungen.
Im Oktober 2024 erfolgte die Umbenennung in Halo Studios. Gleichzeitig kündigte das Team den Wechsel von der eigenen Slipspace Engine zur Unreal Engine 5 an. Die neue Bezeichnung sollte einen Neustart markieren und die technische Grundlage für mehrere kommende Projekte schaffen.
Noch Anfang Juli 2026 hieß es, Halo Studios sei trotz der damaligen Xbox-Entlassungen nicht unmittelbar gefährdet. Nur wenige Monate später stellt sich die Situation grundlegend anders dar.
Kiki Wolfkill prägte die erweiterte Halo Welt
Neben Bonnie Ross spielte auch Kiki Wolfkill eine wichtige Rolle beim Aufbau von 343 Industries. Sie kam 2008 zum Studio, arbeitete als Executive Producer an Halo 4 und der Master Chief Collection und verantwortete später die Erweiterung der Marke in andere Medien.
Wolfkill war unter anderem an der Halo-Serie von Paramount beteiligt und wechselte anschließend in eine übergreifende Position für Film- und Fernsehprojekte bei Xbox. Im April 2026 verließ sie Microsoft nach insgesamt 28 Jahren.
Ross und Wolfkill waren damit wichtige Figuren während einer langen und häufig kontrovers diskutierten Phase der Reihe. Für die jetzige Entscheidung tragen sie jedoch keine operative Verantwortung mehr. Beide hatten ihre damaligen Positionen Jahre vor der aktuellen Umstrukturierung verlassen.
In Teilen der Community werden frühere Führungsentscheidungen dennoch erneut diskutiert. Die Reduzierung von Halo Studios ist letztlich aber eine aktuelle Konzernentscheidung von Microsoft. Sie betrifft zahlreiche Entwickler, die weder über die damalige Ausrichtung des Studios noch über die heutige Xbox-Strategie bestimmen konnten.
Activision soll Halo einen Neustart ermöglichen
Activision-Präsident Rob Kostich erklärte, das Ziel bestehe darin, das beste Halo-Spiel aller Zeiten zu entwickeln und dabei den Eigenschaften treu zu bleiben, wegen denen Spieler die Reihe ursprünglich lieben gelernt hätten.
Welche Entwickler das neue Team bilden und wann das nächste Halo vorgestellt wird, ist noch nicht bekannt. Offen bleibt außerdem, ob bereits bei Halo Studios begonnene Projekte übernommen, verändert oder vollständig eingestellt werden.
Auch für PlayStation-Spieler ist die Entwicklung relevant. Halo Campaign Evolved brachte die traditionsreiche Xbox-Marke erstmals offiziell auf die PS5. Ob weitere Halo-Spiele ebenfalls für PlayStation erscheinen, wurde bislang nicht bestätigt. Microsofts zunehmende Multiplattformstrategie macht einen solchen Schritt zumindest grundsätzlich denkbar.
Für Halo beginnt damit eine neue Ära unter Activision. Für Halo Studios endet dagegen offenbar genau jene Aufgabe, für die das Team vor fast zwei Jahrzehnten gegründet wurde.
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