Hidetaka Miyazaki ist für schwierige Bosskämpfe, düstere Welten und ungewöhnliches Storytelling bekannt. Innerhalb der FromSoftware-Community hält sich allerdings seit Jahren noch eine ganz andere Theorie: Der Elden-Ring- und Dark-Souls-Schöpfer habe angeblich eine besondere Vorliebe für Füße. Nun hat Miyazaki selbst auf den Running Gag reagiert – und scheint nicht einmal genau zu wissen, warum dieses Gerücht überhaupt entstanden ist.
In einem aktuellen Interview mit dem Guardian wurde Miyazaki eigentlich auf wiederkehrende Darstellungen von Händen in seinen Spielen angesprochen. Seine Antwort führte jedoch überraschend zu einem Thema, das Fans seit Jahren immer wieder aufgreifen.
Miyazaki kennt das Gerücht selbst
Der FromSoftware-Präsident erklärte, dass er sich bestimmter wiederkehrender Motive während seiner Arbeit nicht immer bewusst sei. Einige davon könnten vielmehr unterbewusst in seine Spiele einfließen.
Anschließend sprach er selbst das bekannte Internet-Gerücht an, wonach er eine besondere Vorliebe für Füße besitzen soll.
Miyazaki erklärte, er habe diese Behauptung online gesehen, wisse aber selbst nicht genau, woher sie eigentlich komme.
Damit dürfte zumindest klar sein: Eine bewusste Designentscheidung aufgrund einer persönlichen Vorliebe steckt nach seiner Darstellung nicht hinter den zahlreichen barfüßigen Charakteren seiner Spiele.
Das Thema ist ohnehin eher als langjähriger Community-Witz zu verstehen und nicht als ernsthaft belegte Behauptung.
FromSoftware zeigt auffällig viele barfüßige Figuren
Ganz aus dem Nichts entstand der Running Gag allerdings nicht.
Über die Jahre haben Fans immer wieder festgestellt, dass besonders weibliche Figuren in Miyazakis Spielen vergleichsweise häufig barfuß dargestellt werden.
Der Guardian zählt mindestens sechs entsprechende Charaktere innerhalb seiner Werke. Dazu gehören Figuren aus verschiedenen FromSoftware-Spielen, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden, aber dieses optische Detail gemeinsam haben.
Gerade bei einer Community, die ohnehin jeden Gegenstand, jede Animation und jede scheinbar bedeutungslose Umgebungsstruktur auf mögliche versteckte Botschaften untersucht, blieb dieses Muster natürlich nicht lange unbemerkt.
Aus der Beobachtung entwickelte sich schließlich eines der zahlreichen Memes rund um Miyazaki und seine Spiele.
Dahinter könnte vielmehr ein wiederkehrendes Thema stecken
Miyazakis eigene Erklärung ist wesentlich abstrakter.
Nach seiner Einschätzung versucht er mit solchen Bildern möglicherweise Aspekte der menschlichen Natur oder der menschlichen Existenz darzustellen, die sich nur schwer mit Worten beschreiben lassen.
Das passt grundsätzlich zu seiner Art des Storytellings.
Dark Souls, Bloodborne und Elden Ring erklären ihre Welten selten direkt. Stattdessen erzählen Architektur, Charakterdesigns, Gegenstände und scheinbar kleine visuelle Details einen großen Teil der Geschichte.

Auch wiederkehrende Körpermotive könnten deshalb weniger als konkrete Symbolik geplant sein und vielmehr aus Miyazakis grundsätzlicher Vorstellung von Verletzlichkeit, Nähe und Menschlichkeit entstehen.
Eigentlich ging es im Interview um Hände
Interessanterweise begann die Diskussion überhaupt nicht mit Füßen.
Der Guardian fragte Miyazaki nach der auffälligen Verwendung von Händen in seinen Spielen und insbesondere in seinem kommenden Projekt The Duskbloods.
Das Spiel beginnt mit einer Szene, in der eine Hand langsam nach einer anderen greift. Auch Elden Ring enthält mehrere auffällige Handmotive – darunter die bekannten riesigen Fingercreeper, die sich wie groteske Hände durch die Spielwelt bewegen.
Miyazaki erklärte, dass er solche wiederkehrenden Bilder nicht unbedingt bewusst plane.
Möglicherweise würden bestimmte Vorstellungen unterbewusst immer wieder in seine Arbeit einfließen.
Genau während dieser Überlegung kam er schließlich selbst auf die bekannte Fuß-Theorie zu sprechen.
Menschliche Verbindungen spielen für Miyazaki eine große Rolle
Der Zusammenhang wird verständlicher, wenn man weitere Aussagen aus dem Interview betrachtet.
Miyazaki sprach ausführlich über menschliche Verbindungen und das Vertrauen zwischen Menschen. Besonders interessant findet er offenbar Beziehungen, die nur für kurze Zeit bestehen und trotzdem eine starke Bedeutung besitzen können.
Dieses Motiv zieht sich bereits seit Demon’s Souls durch viele seiner Spiele.
Spieler können Fremde beschwören, gemeinsam einen schwierigen Gegner besiegen und sich anschließend wieder trennen. Oft kennen sich beide Personen nicht und kommunizieren nur über wenige Gesten.
Auch Figuren wie die Maiden-Charaktere aus Elden Ring greifen nach Miyazakis Ansicht diese Form von Vertrauen und vergänglicher Nähe auf.
Die wiederkehrenden Darstellungen von Händen oder anderen menschlichen Körpermerkmalen könnten deshalb eher zu diesem übergeordneten Thema gehören als zu der wesentlich simpleren Erklärung, die Fans daraus über die Jahre gemacht haben.
Miyazaki setzt weiterhin auf düstere Welten
Im gleichen Interview sprach der Entwickler außerdem über ein weiteres Motiv, das seine Spiele seit Jahren prägt: Verfall und Wiedergeburt.
Miyazaki bezeichnet sich selbst als eher pessimistisch. Wenn er zwischen einer helleren und einer dunkleren Zukunft wählen müsse, neige er meistens zur dunkleren Variante.
Gleichzeitig sieht er gerade in zerstörten Welten die Möglichkeit, kleine Momente der Hoffnung besonders deutlich hervorzuheben.
Diese Kombination findet sich praktisch überall in seinen bekanntesten Spielen.
Dark Souls zeigt sterbende Königreiche, Bloodborne eine Stadt im vollständigen Wahnsinn und Elden Ring eine Welt, deren alte Ordnung längst zerbrochen ist.
Trotzdem existiert fast immer zumindest die Möglichkeit, etwas Neues entstehen zu lassen.
Die Community dürfte das Meme trotzdem nicht aufgeben
Ob Miyazakis Erklärung das langjährige Fuß-Meme tatsächlich beendet, darf bezweifelt werden.
Gerade FromSoftware-Fans sind dafür bekannt, kleinste Details über Jahre hinweg weiterzuverfolgen und daraus immer neue Theorien und Running Gags entstehen zu lassen.

Der Entwickler kennt die Theorie, kann ihren Ursprung offenbar selbst nicht richtig nachvollziehen und sieht hinter seinen wiederkehrenden Designs eher schwer greifbare Aspekte der menschlichen Existenz.
Dass ausgerechnet diese philosophische Erklärung die Community davon abhält, beim nächsten barfüßigen FromSoftware-Charakter sofort wieder auf Miyazaki zu zeigen, erscheint allerdings eher unwahrscheinlich.
Quelle:https://www.theguardian.com/games/2026/sep/03/ruin-and-decay-bring-a-chance-of-rebirth-hidetaka-miyazaki-on-uniting-players-in-a-damaged-world
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