Sony beschäftigt sich offenbar mit einer ungewöhnlichen neuen Anwendung von Künstlicher Intelligenz beim Gaming. Ein kürzlich veröffentlichtes Patent beschreibt ein System, bei dem eine KI den individuellen Spielstil eines Nutzers erlernen und anschließend selbstständig Aufgaben innerhalb eines Spiels übernehmen könnte. Damit nicht genug: Theoretisch könnten sogar Spielstile anderer Nutzer, Freunde oder professioneller Spieler übernommen und monetarisiert werden.
Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Zukunftskonzept klingt, wird in den Patentunterlagen vergleichsweise ausführlich beschrieben. Ob Sony die Technologie tatsächlich irgendwann in PlayStation integrieren wird, ist allerdings völlig offen.
KI soll lernen wie ein Spieler tatsächlich spielt
Im Mittelpunkt des Patents steht ein KI-gesteuerter Agent, der anhand vorhandener Gameplay-Daten trainiert werden kann.
Das Machine-Learning-Modell soll dabei nicht einfach möglichst gut spielen. Vielmehr geht es darum, das Verhalten eines bestimmten Nutzers nachzuahmen.
Dafür könnte analysiert werden, wie sich ein Spieler innerhalb eines Spiels bewegt, welche Entscheidungen er trifft und wie er bestimmte Situationen löst. Anschließend wäre der KI-Agent theoretisch in der Lage, diesen Spielstil zu imitieren.
Das System könnte dann Aufgaben im Namen des Nutzers übernehmen und selbst Fortschritte innerhalb eines Spiels erzielen.
Eine mögliche Anwendung liegt auf der Hand: Wiederkehrende oder zeitaufwendige Aufgaben könnten von der KI erledigt werden, während sich der Spieler selbst auf interessantere Inhalte konzentriert.
Selbst im Multiplayer könnte die KI übernehmen
Besonders ungewöhnlich wird das Konzept bei Multiplayer-Spielen.
In den Patentunterlagen wird beschrieben, dass ein solcher KI-Charakter auch innerhalb einer Multiplayer-Sitzung aktiv sein könnte. Dabei soll die Präsenz des eigentlichen Nutzers gewissermaßen erhalten bleiben, obwohl die KI dessen Verhalten übernimmt.
Theoretisch könnte ein Spieler damit innerhalb einer Online-Partie durch einen Agenten vertreten werden, der versucht, genauso zu spielen wie er selbst.
Wie ein solches System mit den Regeln eines konkreten Multiplayer-Spiels oder möglichen Wettbewerbsvorteilen umgehen würde, bleibt allerdings offen.
Gerade bei kompetitiven Spielen wären zahlreiche Fragen zu Fairness, Kennzeichnung und möglichen Einschränkungen zu klären.
Spielstil von Freunden und Profis könnte übernommen werden
Sony denkt in dem Patent noch einen Schritt weiter.
Der KI-Agent müsste nicht ausschließlich auf den eigenen Gameplay-Daten trainiert werden. Auch das Verhalten anderer Spieler könnte als Grundlage dienen.
Damit wäre beispielsweise denkbar, den Spielstil eines Freundes zu übernehmen. Noch interessanter ist jedoch eine weitere im Patent beschriebene Möglichkeit: Gaming-Profile bekannter oder professioneller Spieler könnten monetarisiert werden.
Ein Nutzer könnte damit theoretisch Zugang zu einem KI-Agenten erhalten, der auf den Gameplay-Daten eines besonders erfolgreichen Spielers basiert und dessen Verhalten nachahmt.
Aus Spielstilen könnte dadurch eine völlig neue Form digitaler Inhalte entstehen.
Statt beispielsweise nur kosmetische Gegenstände oder zusätzliche Spielfiguren zu erwerben, könnte eines Tages das Verhalten eines bestimmten Spielers selbst zum Produkt werden.
Sony experimentiert zunehmend mit KI Konzepten
Das neue Patent steht nicht allein.
Bereits zuvor wurde ein weiteres Sony-Konzept bekannt, das einen sogenannten Ghost Player beschreibt. Eine KI könnte Spielern dabei helfen, schwierige Stellen zu überwinden oder bestimmte Aufgaben vollständig für sie erledigen.
Das nun veröffentlichte Patent verfolgt einen ähnlichen Grundgedanken, erweitert ihn allerdings um die Möglichkeit, individuelle Spielstile zu kopieren und weiterzugeben.
Damit zeichnet sich zumindest in Sonys Forschungsarbeit ein interessantes Muster ab: KI könnte zukünftig nicht nur Tipps geben, sondern aktiv innerhalb eines Spiels handeln.
Für die Barrierefreiheit oder besonders monotone Aufgaben könnten daraus durchaus interessante Möglichkeiten entstehen. Gleichzeitig wirft die Idee Fragen auf, sobald KI-Agenten in Multiplayer-Spielen eingesetzt oder Spielstile anderer Menschen kommerzialisiert werden.
Ein Patent ist noch keine neue PlayStation Funktion
Bei aller Zukunftsmusik ist eine wichtige Einordnung notwendig.
Sony meldet regelmäßig Patente für Technologien und Konzepte an, von denen viele niemals Bestandteil eines kommerziellen Produkts werden. Auch dieses Patent ist keine Ankündigung einer kommenden PS5- oder PS6-Funktion.
Die ursprüngliche Anmeldung erfolgte bereits 2022. Öffentlich bekannt wurde das Patent erst durch seine spätere Veröffentlichung.
Ob Sony die beschriebene Technik weiterentwickelt, in veränderter Form verwendet oder überhaupt jemals Spielern zur Verfügung stellt, ist derzeit nicht bekannt.
Interessant bleibt die Idee dennoch. Eine KI, die nicht einfach nur ein Spiel beherrscht, sondern gezielt lernt, wie eine bestimmte Person spielt, könnte die Grenze zwischen menschlichem Spieler und computergesteuertem Charakter deutlich verändern.
Und spätestens bei der Vorstellung, den Spielstil eines professionellen Gamers wie einen digitalen Gegenstand erwerben zu können, zeigt sich, wie weit Sony bei möglichen KI-Anwendungen bereits vorausdenkt.








Datenschutz bleibt offen. Meine Spielweise speichern oder verkaufen zu können, sollte nur mit meiner Zustimmung passieren.
Für Leute mit Einschränkungen könnte das hilfreich sein. Wichtig ist, dass die Technik zuverlässig und sicher ist.
Spielstile von Profis kaufen klingt ungewöhnlich. Das müsste deutlich gekennzeichnet und fair geregelt sein.
Gut für langweilige Aufgaben. Wenn die KI wiederkehrende Dinge erledigt, habe ich mehr Zeit für die Spielteile, die mir Spaß machen.