Früher hatte man manchmal das Gefühl, kaum war ein Spiel durchgespielt, stand der Nachfolger schon vor der Tür. Heute sieht die Sache komplett anders aus.
Sechs Jahre Entwicklungszeit? Keine große Überraschung mehr. Sieben Jahre? Kann passieren. Und bei besonders großen AAA-Produktionen müssen wir uns möglicherweise daran gewöhnen, dass zwischen zwei Spielen eines Studios fast eine komplette Konsolengeneration liegt.
Aber warum eigentlich?
Die Technik ist schließlich besser geworden. Entwickler haben leistungsfähigere Computer, moderne Engines und teilweise Teams mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Eigentlich müsste die Entwicklung dadurch doch schneller gehen.
Genau das Gegenteil ist passiert.
Moderne Videospiele werden immer größer, komplizierter und vor allem teurer. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Spieler.
Sind Entwicklungszeiten von sechs bis acht Jahren deshalb bald völlig normal?
Früher erschienen Fortsetzungen teilweise im Zwei-Jahres-Takt
Wer schon etwas länger spielt, kennt den Unterschied.
Zwischen GTA III und GTA: Vice City lag gerade einmal rund ein Jahr. Auch Serien wie Assassin’s Creed, Need for Speed oder Call of Duty brachten zeitweise praktisch jedes Jahr einen neuen Ableger auf den Markt.
Heute können zwischen zwei großen Spielen eines Studios fünf, sechs oder sogar noch mehr Jahre liegen.
Und ich glaube, genau daran müssen wir uns zunehmend gewöhnen.
Die Ansprüche sind enorm gestiegen
Ein Grund liegt direkt vor unseren Augen.
Schaut euch einfach einmal ein modernes AAA-Spiel genauer an.
Charaktere besitzen detaillierte Gesichter, Kleidung reagiert auf Bewegungen, Landschaften erstrecken sich teilweise über riesige Gebiete und Gebäude sind mit unzähligen kleinen Details ausgestattet.

Was wir als Spieler am Ende vielleicht für fünf Sekunden sehen, kann Entwickler Tage oder sogar Wochen beschäftigt haben.
Und das summiert sich.
Größer, größer und noch größer
Ich persönlich glaube, dass hier eines der größten Probleme der heutigen Spieleindustrie liegt.
Muss wirklich jedes große Spiel riesig sein?
Eine gigantische Open World klingt auf der Verpackung natürlich beeindruckend. Hunderte Nebenmissionen ebenfalls.
Aber all diese Inhalte müssen entwickelt werden.
Jede Straße braucht Texturen. Jede Mission muss getestet werden. Charaktere brauchen Animationen und Dialoge. Gegner benötigen eine funktionierende KI.
Wenn eine Spielwelt doppelt so groß wird, bedeutet das eben nicht automatisch nur ein bisschen mehr Arbeit.
Und manchmal frage ich mich wirklich, ob wir Spieler von einer kleineren, dafür abwechslungsreicheren Welt nicht sogar mehr hätten.
Grafik kostet unglaublich viel Zeit
Gerade bei der Grafik sind die Erwartungen inzwischen extrem.
Ein neues Spiel eines großen Studios kann heute kaum noch mit „sieht ganz ordentlich aus“ davonkommen.
Spieler analysieren Trailer Bild für Bild. Gesichtsanimationen werden verglichen, Reflexionen untersucht und spätestens wenige Stunden nach Veröffentlichung stehen die ersten Grafikvergleiche im Internet.
Natürlich möchten Entwickler deshalb möglichst beeindruckende Ergebnisse liefern.
Doch genau das kostet Zeit.
Hochauflösende Texturen, realistische Beleuchtung, Motion Capturing und detaillierte Charaktermodelle entstehen nicht einfach per Knopfdruck.
Auch moderne Engines ändern daran nichts.
Mehr Mitarbeiter bedeuten nicht automatisch schnellere Spiele
Auf den ersten Blick klingt die Lösung einfach:
Wenn ein Spiel länger dauert, stellt man eben mehr Entwickler ein.
Ganz so einfach funktioniert das allerdings nicht.

Diese Menschen müssen koordiniert werden.
Programmierer, Designer, Autoren, Schauspieler, Animatoren, Musiker, Übersetzer und externe Studios arbeiten teilweise gleichzeitig an einem einzigen Projekt.
Je größer ein Team wird, desto aufwendiger wird auch die Organisation.
Mehr Mitarbeiter können helfen – aber ein Team mit 1.000 Personen entwickelt ein Spiel nicht automatisch zehnmal schneller als ein Team mit 100.
Spieler erwarten immer weniger Fehler
Hier müssen wir uns als Spieler vielleicht auch ein wenig selbst an die Nase fassen.
Ein großer Titel erscheint und hat technische Probleme?
Innerhalb weniger Stunden sind Reddit, YouTube und Social Media voll mit Videos.
Und grundsätzlich finde ich diese Kritik auch richtig. Wer 70 oder 80 Euro für ein Spiel bezahlt, darf erwarten, dass es vernünftig funktioniert.
Für Entwickler bedeutet das allerdings einen enormen Testaufwand.
Je größer ein Spiel wird, desto mehr Dinge können schiefgehen.
Eine riesige Open World mit unterschiedlichen Missionen, NPCs, Fahrzeugen, Tageszeiten und Spielsystemen bietet unzählige Möglichkeiten für Fehler.
Und jeder davon muss möglichst vor der Veröffentlichung gefunden werden.
Die Entwicklungskosten explodieren
Zeit ist Geld.
Und sechs Jahre Entwicklung mit Hunderten Mitarbeitern kosten entsprechend viel.
Große Videospiele erreichen inzwischen Budgets, die früher kaum vorstellbar gewesen wären. Dazu kommen Marketing, Synchronisation, externe Entwickler und weltweite Veröffentlichungskosten.
Das führt wiederum zu einem weiteren Problem.
Je teurer ein Projekt wird, desto weniger Risiko möchten Publisher eingehen.
Deshalb sehen wir so viele Fortsetzungen, Remakes und bekannte Marken.
Ein völlig neues Spiel für mehrere Hundert Millionen zu entwickeln, ist eben ein enormes Risiko.
Scheitert das Projekt, kann das für ein Studio massive Folgen haben.
Eine komplette Generation für ein einziges Spiel?
Genau hier wird es meiner Meinung nach besonders interessant.
Eine Konsolengeneration dauert ungefähr sieben Jahre.
Wenn ein Studio inzwischen sechs oder sieben Jahre für ein Spiel benötigt, bedeutet das theoretisch:
Ein großes Spiel pro Konsolengeneration.
Das wäre vor 20 Jahren kaum vorstellbar gewesen.
Ein Entwickler könnte beispielsweise ein PS5-Spiel veröffentlichen und mit seinem nächsten großen Projekt erst wieder auf der PlayStation 6 auftauchen.
Für Fans bestimmter Marken bedeutet das gleichzeitig immer längere Wartezeiten.
Wer auf eine Fortsetzung seines Lieblingsspiels wartet, muss möglicherweise viele Jahre Geduld mitbringen.
Muss wirklich jedes Spiel 100 Stunden lang sein?
Für mich lautet die Antwort ganz klar: Nein.
Ich spiele gerne große Spiele. Aber nicht jedes Abenteuer braucht eine Karte mit 200 Symbolen und 150 Nebenaufgaben.
Manchmal sind mir 15 oder 20 richtig gute Stunden lieber als 80 Stunden, von denen sich die Hälfte ständig wiederholt.
Vielleicht muss die Branche langfristig genau an diesem Punkt umdenken.
Kleinere Spiele könnten schneller entwickelt werden, weniger kosten und Entwicklern gleichzeitig mehr Möglichkeiten geben, neue Ideen auszuprobieren.
Nicht jedes Spiel muss der nächste gigantische Blockbuster sein.
Können KI und neue Technologien die Entwicklung wieder beschleunigen?
In Zukunft könnten neue Werkzeuge zumindest einen Teil der Arbeit vereinfachen.
KI-gestützte Systeme können beispielsweise bei Animationen, Tests oder anderen zeitaufwendigen Produktionsschritten unterstützen. Auch moderne Engines bieten Entwicklern immer leistungsfähigere Werkzeuge.
Ich glaube allerdings nicht, dass wir deshalb plötzlich wieder alle zwei Jahre riesige AAA-Spiele bekommen werden.
Denn sobald neue Technik Arbeit spart, steigen meistens auch die Ansprüche.
Was heute beeindruckend aussieht, gilt fünf Jahre später möglicherweise bereits als Standard.
Das kennen wir inzwischen seit mehreren Konsolengenerationen.
Sind sechs bis acht Jahre bald normal?
Bei den größten Produktionen könnte genau das passieren.
Natürlich wird nicht jedes Spiel acht Jahre Entwicklungszeit benötigen. Kleinere Studios und Projekte können weiterhin deutlich schneller arbeiten.
Bei riesigen AAA-Spielen dürfte eine Entwicklungszeit von fünf, sechs oder sogar sieben Jahren aber immer weniger ungewöhnlich werden.
Und genau das könnte die Branche langfristig verändern.
Publisher müssen sich überlegen, wie sie die Zeit zwischen ihren großen Veröffentlichungen überbrücken. Studios könnten wieder häufiger kleinere Projekte entwickeln. Vielleicht erleben wir dadurch sogar eine Rückkehr kompakterer Spiele.
Ich persönlich hätte nichts dagegen.
Mein Fazit
Moderne Spiele sind technisch beeindruckender als jemals zuvor. Gleichzeitig bezahlen wir diesen Fortschritt mit immer längeren Entwicklungszeiten.
Größere Welten, bessere Grafik, aufwendige Animationen und steigende Erwartungen sorgen dafür, dass AAA-Produktionen inzwischen viele Jahre verschlingen können.
Die Frage ist deshalb vielleicht gar nicht mehr, ob sechs Jahre Entwicklungszeit zu lang sind.
Die wichtigere Frage lautet:
Brauchen wir wirklich immer größere Spiele?
Ich würde lieber häufiger ein hervorragendes Abenteuer mit 20 Stunden Spielzeit bekommen, als sieben Jahre auf ein Spiel zu warten, das anschließend unbedingt 150 Stunden beschäftigen möchte.
Aber das ist natürlich Geschmackssache.
Wie seht ihr das? Wartet ihr lieber länger auf riesige AAA-Produktionen oder würdet ihr euch wieder mehr kleinere Spiele wünschen, die dafür häufiger erscheinen? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.







KI kann helfen, aber Erwartungen bleiben hoch. Der Artikel stellt die Fragen gut.
Mehr Leute helfen nicht immer. Organisation ist wichtig, das wurde gut erklärt.
Sechs bis acht Jahre sind echt lang. Lieber öfter neue, kleinere Spiele.
Stimmt, Grafik und Details brauchen viel Arbeit. Ich mag aber auch kürzere, gute Spiele.
Guter Text. Die Gründe für lange Entwicklungszeiten werden klar erklärt.
Interessanter Artikel. Ich finde, kleinere Spiele öfter wären besser.