Bungie räumt ungewöhnlich offen ein, dass Marathon weniger Spieler erreicht hat als erhofft. Gleichzeitig erklärt das zu Sony gehörende Studio Destiny erneut zum Fundament seiner Zukunft. Teile der entfernten Destiny-2-Inhalte sollen zurückkehren, während Marathon über die bisherigen Grenzen eines Extraction-Shooters hinaus erweitert wird.
Bungie spricht offen über verlorenes Vertrauen
Die Aussagen stammen von Studioleiter Poria Torkan und Marathon-General-Manager Josh Deane. In einem ausführlichen Beitrag beschreibt die neue Führung, wie Bungie in den vergangenen Jahren den eigenen Fokus verloren habe.
Das Studio habe nicht nur Vertrauen innerhalb der Community eingebüßt, sondern auch zahlreiche Mitarbeiter verloren und zeitweise aus den Augen verloren, welche Prioritäten für die Spieler tatsächlich wichtig sind. Mit einer veränderten Führung und klareren Zuständigkeiten soll Bungie nun wieder stabiler aufgestellt werden.
Dabei bittet das Unternehmen nicht einfach um neues Vertrauen. Dieses müsse durch die Qualität der Spiele, bessere Entscheidungen und eine verlässlichere Kommunikation zurückgewonnen werden. Entscheidend sei nicht, was Bungie jetzt verspreche, sondern was das Studio in den kommenden Monaten tatsächlich liefere.
Marathon erreichte weniger Spieler als Bungie erhofft hatte
Besonders auffällig fällt die Einordnung von Marathon aus. Bungie bezeichnet den Shooter weiterhin als wichtigen Teil seiner Zukunft, gibt aber gleichzeitig zu, dass das Spiel nicht so viele Spieler erreicht habe wie ursprünglich erhofft.
Konkrete Verkaufszahlen oder interne Zielvorgaben nennt das Studio nicht. Die Aussage bestätigt jedoch, dass der Start hinter den Erwartungen zurückblieb. Bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung zeichnete sich ab, dass Marathon immer mehr aktive Spieler und seinen Platz in den Bestsellerlisten verlor.
Bungie betont zugleich, dass Marathon positive Kritiken erhalten habe und ein Teil der Community eng mit dem ungewöhnlichen Science-Fiction-Shooter verbunden sei. Das bisherige Konzept reiche aber offenbar nicht aus, um eine größere und langfristig stabile Spielerschaft aufzubauen.
Marathon sei außerdem nie als Ersatz für Destiny vorgesehen gewesen. Diese Klarstellung ist bemerkenswert, da Bungie vor der Veröffentlichung erhebliche Ressourcen in das neue Projekt investierte und Destiny 2 zeitweise sichtbar in den Hintergrund rückte.
Marathon soll sich vom engen Extraction Konzept lösen
Anstatt den Shooter aufzugeben, will Bungie das grundlegende Konzept erweitern. Marathon soll sich künftig weniger stark von den bisherigen Grenzen des Extraction-Genres bestimmen lassen und zu einer umfangreicheren Survival-Erfahrung ausgebaut werden.
Dabei sollen unterschiedliche Spielertypen stärker berücksichtigt werden. Bungie nennt ausdrücklich kooperative PvE-Erfahrungen, kompetitives PvP und die bereits bekannte Mischung aus PvP und PvE.
Spieler sollen dadurch mehr Freiheit erhalten, wie sie die Welt von Marathon erleben. Bislang basiert ein großer Teil des Spiels auf riskanten Einsätzen, bei denen gesammelte Ausrüstung bei einer Niederlage verloren gehen kann. Dieses Grundprinzip erzeugt Spannung, spricht aber nicht automatisch ein breites Publikum an.
In unserem ausführlichen Test von Marathon auf der PS5 zeigte sich bereits, dass Bungies bekannt starkes Gunplay auf ein vergleichsweise spezielles und hart umkämpftes Genre trifft.
Für Oktober ist zunächst der sogenannte Nightfall Refresh geplant. Im Dezember soll anschließend das größere Symbiosis-Update folgen. Während des restlichen ersten Jahres will Bungie unter anderem die Kämpfe, die Spielwelt und die kompetitive Spannung weiterentwickeln.
Destiny wird wieder zum Fundament von Bungie
Während Marathon umfangreich umgebaut wird, rückt Destiny erneut ins Zentrum. Bungie bezeichnet die Marke ausdrücklich als Fundament seiner Zukunft und stellt klar, dass ihre Geschichte nicht beendet ist.
Zuvor hatte das Studio Monuments of Triumph als letztes Inhaltsupdate für Destiny 2 angekündigt. Die Reaktion der Community fiel offenbar so deutlich aus, dass Bungie seine Zukunftspläne noch einmal überprüfte.
Nun heißt es, dass weitere Geschichten erzählt und neue Welten aufgebaut werden sollen. Welche Form diese Projekte annehmen, bleibt allerdings offen. Bungie bestätigt weder Destiny 3 noch ein anderes konkretes Spiel.
Die Formulierung über neue Geschichten und Spiele dürfte dennoch neue Spekulationen auslösen. Eine unmittelbare Ankündigung eines Nachfolgers lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Entfernte Kampagnen und Raids sollen zurückkehren
Der erste konkrete Schritt betrifft den sogenannten Destiny Content Vault. Bungie will mit der Arbeit beginnen, entfernte Kampagnen, Schauplätze und Raids wieder in Destiny 2 verfügbar zu machen.
Das Studio räumt ein, dass die damalige Entfernung umfangreicher Inhalte das Vertrauen und den Spielspaß vieler Nutzer nachhaltig beschädigt habe. Diese Entscheidung könne nicht rückgängig gemacht werden, ihre Folgen ließen sich aber anerkennen und zumindest teilweise korrigieren.
Die Rückkehr der Inhalte wird allerdings Zeit benötigen. Seit Beyond Light wurden zahlreiche technische Grundlagen von Destiny 2 verändert. Bungie muss deshalb unter anderem Beleuchtung, Begegnungen, Gegner und weitere Systeme überarbeiten, bevor ältere Kampagnen und Raids wieder mit der aktuellen Version funktionieren.
Ein konkreter Zeitplan wurde noch nicht genannt. Weitere Informationen sollen in den kommenden Monaten folgen. Die wiederhergestellten Inhalte sollen anschließend allen Destiny-2-Spielern zugänglich gemacht werden.
Der Druck auf Bungie und Sony bleibt hoch
Für Sony ist die neue Ausrichtung ebenfalls von Bedeutung. Marathon sollte Bungies zweites großes Standbein neben Destiny werden und die Live-Service-Strategie des PlayStation-Konzerns stärken.
Der schwächere Start erhöht jedoch den Druck. Sony hatte bereits zuvor hohe Verluste bei Bungie nach der Veröffentlichung von Marathon bestätigt. Gleichzeitig muss das Studio nun zwei aufwendige Aufgaben bewältigen: Marathon grundlegend erweitern und verloren gegangene Destiny-Inhalte technisch modernisieren.
Bungie kündigt dafür vereinfachte Prioritäten, kürzere Entscheidungswege und einen stärkeren Fokus auf Spielerzufriedenheit an. Außerdem möchte das Studio transparenter erklären, woran die Teams arbeiten und weshalb sich Pläne verändern.
Ob daraus tatsächlich ein erfolgreicher Neustart entsteht, wird sich erst an den kommenden Updates zeigen. Die Richtung ist aber deutlich: Marathon bleibt bestehen und soll breiter werden, während Destiny wieder die zentrale Position erhält, die viele Fans zuletzt vermisst hatten.
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Gut, dass Bungie offen ist. Hoffe, Marathon wird besser und Destiny bekommt die wichtigen Inhalte zurück. Klingt vernünftig, mal abwarten.