Facebook testet derzeit eine Änderung, die für Webseitenbetreiber, kleinere Publisher und unabhängige Medien weitreichende Folgen haben könnte. Externe Links werden bei betroffenen Seiten massiv eingeschränkt und sollen teilweise erst über das kostenpflichtige Meta-One-Abo wieder in größerem Umfang möglich sein. Was auf den ersten Blick wie eine weitere Premiumfunktion klingt, ist aus unserer Sicht etwas ganz anderes: Meta beginnt damit, eine der grundlegendsten Funktionen des Internets hinter eine Bezahlschranke zu stellen.
Ein Link.
Eigentlich könnte der Artikel an dieser Stelle schon enden.
Seit Jahrzehnten basiert das Internet darauf, dass Inhalte miteinander verknüpft werden. Webseiten verweisen auf andere Webseiten, soziale Netzwerke führen zu Nachrichten, Shops, Blogs, Videos oder Foren.
Facebook scheint nun auszuprobieren, ob sich selbst dieses grundlegende Prinzip monetarisieren lässt.
Im Rahmen des neuen Meta-One-Modells testet Meta bei ausgewählten Facebook-Seiten und professionellen Accounts eine Begrenzung externer Links. Ohne entsprechendes Abo werden Berichten zufolge lediglich zwei Beiträge oder Kommentare mit Links pro Monat ermöglicht. Beim Advanced-Tarif für 49,99 Dollar steigt das Kontingent auf acht, beim Expert-Tarif für 149,99 Dollar auf 20. Erst beim teuersten Modell für 499,99 Dollar sind externe Facebook-Links unbegrenzt möglich. Preise und Verfügbarkeit können regional abweichen.
Noch handelt es sich um einen begrenzten Test und nicht jede Facebook-Seite ist betroffen. Meta One selbst befindet sich weiterhin in einer experimentellen Ausbauphase.
Das macht die Sache allerdings nicht weniger problematisch.
Bei uns sind die Auswirkungen bereits sichtbar
Auch wir können inzwischen beobachten, wie unterschiedlich Facebook externe Links behandelt.
Über die Facebook-App lassen sich bestimmte Varianten nicht mehr wie gewohnt veröffentlichen. Besonders problematisch: Die jahrelang übliche Methode, zunächst einen normalen Bildbeitrag zu veröffentlichen und anschließend den Link zum vollständigen Artikel im Kommentar zu setzen, funktioniert bei uns derzeit nicht mehr. Der Link wird nicht klickbar beziehungsweise die entsprechende Aktion ist ausgegraut.
Am Desktop können wir aktuell noch einen Bildbeitrag mit Text und einem direkt eingefügten Link veröffentlichen.
Ähnliche Unterschiede zwischen Mobile und Desktop wurden bereits von anderen betroffenen Seiten dokumentiert. In einzelnen Fällen funktionierte der Desktop zunächst weiter, während Facebook auf dem Smartphone bereits keine zusätzlichen Links mehr erlaubte. Später wurde dort auch der Desktop eingeschränkt.
Das alles wirkt momentan weniger wie ein sauber ausgerolltes Produkt und mehr wie ein Experiment, dessen Auswirkungen die Betreiber der betroffenen Seiten selbst herausfinden dürfen.
20 Links im Monat? Für ein Nachrichtenportal völlig realitätsfern
Besonders absurd wird das Preismodell, wenn man es aus Sicht eines Nachrichtenportals betrachtet.
20 Links für rund 150 Dollar im Monat mögen für jemanden ausreichend sein, der gelegentlich auf einen Shop oder eine eigene Webseite verweist.
Eine Redaktion veröffentlicht jedoch möglicherweise fünf, zehn oder noch mehr Meldungen am Tag.
Selbst der Expert-Tarif wäre damit nach wenigen Tagen aufgebraucht.
Wer Facebook weiterhin so verwenden möchte, wie es seit vielen Jahren selbstverständlich war, landet beim Modell mit unbegrenzten Links bei rund 500 Dollar pro Monat.
- Nicht für Werbung.
- Nicht für zusätzliche Reichweite.
- Nicht für eine besondere Publishing-Software.
- Sondern dafür, Links veröffentlichen zu können.
- Das muss man sich tatsächlich einmal vor Augen führen.
Facebook sägt damit am eigenen Ast
Meta darf natürlich Geld verdienen. Facebook ist kein gemeinnütziger Verein und niemand erwartet, dass sämtliche professionellen Funktionen kostenlos angeboten werden.
Aber es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen einer zusätzlichen Premiumfunktion und dem nachträglichen Einschränken einer grundlegenden Funktion, auf der ein erheblicher Teil des bisherigen Ökosystems aufgebaut wurde.
- Über viele Jahre wollte Facebook Unternehmen, Medien, Blogger und Creator auf seiner Plattform haben.
- Baut eure Community auf.
- Gewinnt Follower.
- Postet eure Inhalte.
- Bringt eure Leser mit.
Und nachdem unzählige Seiten genau das getan haben, könnte die Botschaft plötzlich lauten:
Ihr wollt eure eigene Community noch auf eure eigene Webseite schicken? Dann bezahlt dafür.
Für Meta mag das kurzfristig attraktiv erscheinen.
Langfristig könnte genau diese Strategie Facebook jedoch noch unattraktiver machen.
Denn wenn Publisher kaum noch sinnvoll auf ihre Inhalte verweisen können, werden sie sich zwangsläufig stärker nach anderen Trafficquellen umsehen. Wenn kleinere Unternehmen für jeden externen Weg zum eigenen Shop zahlen sollen, werden auch sie Alternativen suchen.
Und für Nutzer bedeutet es am Ende einen Feed, der noch stärker innerhalb des Meta-Universums eingeschlossen wird.
Besonders kleine Publisher werden getroffen
Große Medienunternehmen können im Zweifel einige hundert Dollar zusätzlich im Monat bezahlen.
Kleine und unabhängige Webseiten können das nicht einfach.
Gerade diese Seiten haben aber über Jahre Communities aufgebaut und Facebook mit täglichen Beiträgen, Diskussionen und aktuellen Informationen gefüllt.
Wer den offenen Austausch von Links zum Premiumprodukt macht, schafft deshalb keine faire Professionalisierung.
Er errichtet eine weitere finanzielle Zugangsschranke.
Bemerkenswert ist außerdem, wie unklar die Situation für Nachrichtenpublisher derzeit ist. Beim ursprünglichen Link-Test Ende 2025 erklärte Meta noch, dass Publisher nicht Teil des Experiments seien. Damals wurden zudem Kommentare als mögliche Ausnahme genannt. Beim aktuellen Meta-One-Rollout ist die Situation offensichtlich eine andere beziehungsweise zumindest erheblich unklarer. (TechCrunch)
Meta sollte diesen Test überdenken
Es bleibt zu hoffen, dass Meta auf die Reaktionen der betroffenen Seiten hört und diese Einschränkung nicht zum neuen Standard macht.
Kostenpflichtige Zusatzfunktionen? Völlig legitim.
Mehr Statistiken, bessere Tools, zusätzliche Moderationsfunktionen oder besondere Reichweitenoptionen? Kann man anbieten.
Aber das normale Verlinken externer Webseiten künstlich zu beschränken und anschließend gegen hohe monatliche Gebühren wieder freizuschalten, überschreitet aus unserer Sicht eine Grenze.
Das Internet lebt von Links.
Und auch Facebook ist nur deshalb so groß geworden, weil Menschen dort Inhalte aus dem gesamten Internet miteinander teilen konnten.
Vielleicht sollte Meta sich daran erinnern, bevor aus einem sozialen Netzwerk endgültig ein geschlossenes Bezahl-System wird.








Ich teile oft Artikel auf Facebook. So eine Regel würde das deutlich erschweren. Meta sollte das nochmal überdenken.
Verstehe, warum viele sich Sorgen machen. 20 Links im Monat reichen für Nachrichtenseiten nicht. Das ist für kleine Publisher sehr ungünstig.
Das klingt nicht gut. Wenn Links eingeschränkt werden, leiden kleine Seiten am meisten. Hoffe, Meta ändert das.