Sonys geplanter Abschied von neuen PlayStation-Spielen auf Disc sorgt erneut für deutliche Kritik. Der frühere PlayStation-Manager Shawn Layden warnt davor, die Entscheidung lediglich als Wechsel des Vertriebsmodells zu betrachten. Aus seiner Sicht verändert eine vollständig digitale Zukunft grundsätzlich, was Spieler nach einem Kauf tatsächlich besitzen.
Layden leitete früher die PlayStation Worldwide Studios und war viele Jahre in unterschiedlichen Führungspositionen bei Sony tätig. Im Podcast The Expansion Pass erklärte er nun, dass er Sonys Entscheidung nicht unterstütze. Besonders kritisch sieht er den Unterschied zwischen dem Besitz eines physischen Produkts und dem bloßen Zugang zu einem digitalen Inhalt.
Wer ein Spiel nicht verkaufen kann besitzt es laut Layden nicht
Im Mittelpunkt seiner Kritik steht die Frage, welche Rechte mit einem digitalen Kauf verbunden sind. Eine Disc kann weiterverkauft, verliehen, verschenkt oder unabhängig vom ursprünglichen Käufer aufbewahrt werden. Bei einem digitalen Spiel ist die Nutzung dagegen an ein Konto, eine Lizenz und die Infrastruktur des Plattformbetreibers gebunden.
Layden formuliert seine Bedenken entsprechend deutlich:
„Wenn du eine Sache nicht verkaufen kannst, bedeutet das, dass sie dir nicht gehört. Und wenn sie dir nicht gehört, was kaufst du dann eigentlich?“
Statt eines klassischen Produkts erwerben Spieler bei digitalen Veröffentlichungen im Regelfall eine Nutzungslizenz. Der Begriff „Kauf“ bleibt zwar bestehen, die damit verbundenen Rechte unterscheiden sich jedoch erheblich vom Erwerb eines physischen Datenträgers.
Layden bezeichnet diesen Teil der Entwicklung als problematischer, als Sonys Ankündigung zunächst erscheinen lasse. Sobald Spieler nicht mehr zwischen Disc und Download wählen können, verlagere sich die Diskussion automatisch von Eigentum zu einem zeitlich nicht eindeutig garantierten Zugang.
Sony beendet neue PlayStation Discs im Januar 2028
Sony Interactive Entertainment kündigte am 1. Juli 2026 offiziell an, ab Januar 2028 keine physischen Spiele-Discs mehr für neue PlayStation-Veröffentlichungen produzieren zu lassen. Neue Spiele sollen danach digital über den PlayStation Store und entsprechende Angebote des Einzelhandels vertrieben werden.
Bereits veröffentlichte Spiele sind davon nicht betroffen. Disc-Versionen von Titeln, die vor dem Stichtag erscheinen, können weiterhin genutzt und bei Bedarf nachproduziert werden. Auch bestehende PS4- und PS5-Sammlungen verlieren durch die Entscheidung nicht automatisch ihre Funktion.
Die Änderung betrifft ausschließlich Spiele, die ab Januar 2028 neu für PlayStation-Plattformen veröffentlicht werden. Sony begründet den Schritt mit veränderten Kaufgewohnheiten und dem deutlich gestiegenen Anteil digitaler Verkäufe.
Welche Folgen die Umstellung langfristig für Spieler haben könnte, haben wir bereits in unserem Hintergrundartikel Das Ende der PlayStation Disc und was wirklich auf Spieler zukommen könnte eingeordnet.
Physische Käufer sind für PlayStation besonders wichtig
Selbst wenn Käufer von Disc-Versionen inzwischen nur noch eine Minderheit darstellen, hält Layden diese Gruppe für besonders bedeutend. Er beschreibt sie als besonders treue Spieler, die teilweise mehrere Ausgaben eines Spiels kaufen, Sammlereditionen bestellen und ihre Bibliothek sichtbar aufbauen.
Sollten physische Verkäufe nur noch ungefähr 20 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen, seien diese 20 Prozent nach seiner Einschätzung dennoch nicht beliebig austauschbar. Gerade Sammler und langjährige Fans würden besonders viel Geld und Zeit in eine Plattform investieren.
Sony riskiere deshalb nicht nur Kritik an einer einzelnen Geschäftsentscheidung, sondern möglicherweise einen längerfristigen Schaden für die Marke. Layden räumt ein, keinen Einblick in die finanziellen Berechnungen hinter dem Disc-Ausstieg zu besitzen. Trotzdem stellt er infrage, ob mögliche Einsparungen den Verlust an Vertrauen vollständig ausgleichen können.
Bereits im September hatte der frühere PlayStation-Chef vor den Folgen der Entscheidung gewarnt. In unserem damaligen Artikel über Shawn Laydens Kritik am Ende der Disc ging es vor allem um den kulturellen und wirtschaftlichen Wert physischer Spiele. Seine neue Aussage rückt nun die Eigentumsfrage noch stärker in den Mittelpunkt.
Nicht alle Spieler können problemlos auf Downloads wechseln
Neben Sammlern könnten auch Spieler in Regionen mit langsamen, instabilen oder teuren Internetverbindungen von der Umstellung betroffen sein. Layden erinnert daran, dass die weltweite Netzabdeckung früher ein wesentlicher Grund dafür war, Disc-Laufwerke nicht vorschnell aufzugeben.
Als Beispiel nennt er unter anderem Militärstützpunkte und andere abgelegene Standorte. Dort könne es weiterhin wichtig sein, ein Spiel auf einem Datenträger zu kaufen und direkt in einer Konsole zu verwenden.
Allerdings lösen Discs das Problem inzwischen nicht mehr in jedem Fall vollständig. Viele moderne Spiele benötigen umfangreiche Updates, zusätzliche Downloads oder eine Verbindung zu Onlinediensten. Trotzdem bietet ein physischer Datenträger je nach Veröffentlichung weiterhin mehr Unabhängigkeit als eine ausschließlich an ein Benutzerkonto gebundene Lizenz.
Sony selbst spricht bei digitalen Spielen nur von Lizenzen
Die Kritik fällt für Sony in eine ohnehin schwierige Diskussion. In einem laufenden Verfahren in Kalifornien argumentiert das Unternehmen, Käufer digitaler PlayStation-Spiele würden kein Eigentum am eigentlichen Produkt erwerben. Stattdessen erhalten sie eine Lizenz zur Nutzung der Inhalte.
Gleichzeitig verwendet PlayStation auf verschiedenen eigenen Internetseiten Formulierungen, die von „Besitz“ digitaler Spiele sprechen. Über diesen auffälligen Widerspruch haben wir in unserem Artikel Sony spricht von Lizenzen doch die eigenen Seiten sagen Besitz berichtet.
Genau an diesem Punkt setzt Laydens Kritik an. Komfort und schneller Zugriff sprechen für digitale Bibliotheken. Ohne physische Alternative hängt die Nutzung gekaufter Spiele jedoch noch stärker von Konten, Lizenzservern und den langfristigen Entscheidungen des Plattformbetreibers ab.
Sony hält bislang an der Umstellung im Januar 2028 fest. Ob das Unternehmen zusätzliche Lösungen für Sammler, den Gebrauchtmarkt oder die langfristige Sicherung digitaler Bibliotheken plant, ist nicht bekannt.
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