Marvel’s Wolverine sollte einer der großen PS5-Höhepunkte des Jahres werden. Wenige Tage nach der Veröffentlichung verbreiten sich jedoch Clips, in denen Motorradpassagen praktisch ohne Eingabe weiterlaufen, Quick-Time-Events scheinbar von selbst abgeschlossen werden und eine leuchtende Geruchsspur den Weg so deutlich vorgibt, dass sie bereits als „Furzspur“ verspottet wird.
Dazu kommt die Diskussion über den Umfang. Für die Hauptgeschichte werden je nach Spielweise ungefähr 10 bis 15 Stunden genannt. Komplettisten benötigen länger. Bei einem Preis von 79,99 Euro reicht die Spanne trotzdem aus, um die Meme-Spirale weiter anzutreiben.
Das Netz entdeckt Szenen die sich selbst spielen
Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit ein Clip des Streamers Michael Does Life. Darin legt er während einer Motorradpassage sichtbar den Controller weg. Logan fährt trotzdem weiter, stößt gegen Hindernisse und wird von seinen Verfolgern nicht gestoppt. Die Szene erweckt dadurch den Eindruck, als spiele sich der Abschnitt praktisch selbst.
Ein weiteres Video zeigt ein Quick-Time-Event, das offenbar auch ohne rechtzeitige Eingabe erfolgreich endet. Andere Aufnahmen belegen allerdings, dass Logan in vergleichbaren Abschnitten durchaus sterben kann. Einzelne Clips beweisen daher nicht, dass das gesamte Spiel ohne Eingaben funktioniert.
Sie treffen trotzdem einen empfindlichen Punkt. Wolverine wurde bereits in mehreren Tests für seine lineare Struktur, wenig langfristige Abwechslung und ein Kampfsystem kritisiert, das seine wichtigsten Ideen relativ früh zeigt. Wenn dann ausgerechnet spektakulär inszenierte Passagen ohne sichtbare Eingabe weiterlaufen, passen diese Bilder perfekt in die bereits vorhandene Erzählung vom teuren AAA-Spiel, das lieber eine Show präsentiert, als den Spieler wirklich herauszufordern.
Die kurze Spielzeit ist nicht das eigentliche Problem
Eine Kampagne von 10 bis 15 Stunden ist zunächst kein Qualitätsmangel. Nicht jedes Actionspiel benötigt eine offene Welt, 80 Stunden Nebenaufgaben und eine Karte voller Symbole. Ein konzentriertes Abenteuer kann deutlich unterhaltsamer sein als ein künstlich verlängertes Spiel.
Bei Marvel’s Wolverine entsteht die Kritik vor allem durch das Verhältnis aus Preis, Umfang und spielerischer Vielfalt. Die Standard Edition kostet im PlayStation Store 79,99 Euro. Gleichzeitig berichten mehrere Tester davon, dass sich Kämpfe und Abläufe bereits innerhalb der überschaubaren Kampagne wiederholen. Der Vorwurf lautet deshalb weniger, dass Wolverine grundsätzlich zu kurz sei. Viele Spieler fragen vielmehr, ob das Spiel in dieser Zeit genügend neue Ideen liefert.
Genau dieser Unterschied geht in sozialen Netzwerken schnell verloren. Aus einer durchaus berechtigten Diskussion über Abwechslung und Preis wird dort innerhalb weniger Stunden die vereinfachte Botschaft: „80 Euro für zehn Stunden und das Spiel spielt sich auch noch selbst.“ Das ist zugespitzt und nicht vollständig fair, funktioniert als Meme aber wesentlich besser als jede sachliche Einordnung.
Die Geruchsspur wurde bereits zum Running Gag
Schon vor den aktuellen Clips hatte Wolverine ein sichtbares PR-Problem. Logans Sinne werden im Spiel unter anderem durch eine leuchtende Spur dargestellt, die den nächsten Weg oder interessante Punkte markiert. Zusammen mit häufigen Hinweisen und Bildschirmanzeigen empfanden einige Spieler diese Hilfe als übertrieben.
Im Netz bekam das System schnell wenig schmeichelhafte Spitznamen. Insomniac reagierte inzwischen mit einem Hotfix und reduzierte die Intensität sowie Deckkraft der Geruchsspur und der Audioanzeigen. Zusätzlich prüft das Studio, ob diese Hilfen mit einem späteren Update vollständig abschaltbar gemacht werden können.
Insomniac reagiert während Sony auffällig blass bleibt
Insomniacs Community Director James Stevenson erklärte, dass das Team zuhöre und an Reaktionen auf das Feedback arbeite. Der erste Hotfix folgte kurz darauf. Dem Studio kann daher kaum vorgeworfen werden, die Kritik einfach zu ignorieren.
Bei Sony sieht die Lage anders aus. Wolverine ist kein kleines Nebenprojekt, sondern eine der wichtigsten eigenen PS5-Veröffentlichungen des Jahres. Trotzdem gelingt es PlayStation kaum, die öffentliche Erzählung mitzubestimmen. Sony könnte stärker auf Logans Darstellung, die brutalen Kämpfe und die sehr positiven Spielerbewertungen im PlayStation Store eingehen. Stattdessen übernimmt Insomniac einen Großteil der direkten Kommunikation, während PlayStation hauptsächlich mit klassischen Trailern und vorbereiteten Marketingbeiträgen arbeitet.
Das wirkt in sozialen Netzwerken aus der Zeit gefallen. Ein zehn Sekunden langer Clip, in dem jemand den Controller weglegt, kann die Wahrnehmung stärker prägen als eine komplette Kampagne. Wer darauf nur mit gewöhnlicher Werbung antwortet, verliert schnell die Kontrolle über das Thema.
Completing VS Failing QTE in the Sabertooth Arm Wrestling sequence in Marvel Wolverine pic.twitter.com/6kEi6VWnmW
— NikTek (@NikTek) September 15, 2026
Wolverine ist kein Totalausfall aber die Debatte wird trashiger
Die Situation bleibt widersprüchlich. Viele Käufer loben genau jene konzentrierte, lineare Struktur, die andere kritisieren. Logan funktioniert als Hauptfigur, die Inszenierung besitzt starke Momente und die Kämpfe liefern die erwartete Härte.
Gleichzeitig lassen sich die Schwächen nicht einfach als künstlicher Hass abtun. Ein Metacritic-Wert im oberen 70er-Bereich, wiederkehrende Kritik an mangelnder Abwechslung und mehrere unvorteilhafte Gameplay-Clips ergeben ein Bild, das Sony ernst nehmen muss. Die Algorithmen verstärken negative Inhalte, sie erfinden diese Inhalte aber nicht vollständig.
He CAN die. You do not need to control the bike. https://t.co/76EI4lDAy8 pic.twitter.com/6mPKHnxNne
— Clint Beastwood (@woodbeastclint) September 15, 2026
Langsam wird die Diskussion trotzdem richtig trashig. Aus einzelnen Designproblemen wird ein angeblich komplett selbstspielendes Spiel und aus einer fokussierten Kampagne pauschal eine Abzocke. Insomniac beginnt bereits damit, konkrete Probleme zu verändern. Sony müsste nun zeigen, warum Wolverine trotz der Memes eines seiner großen Spiele des Jahres sein soll. Andernfalls bleibt nicht Logans Geschichte hängen, sondern ein Motorrad, das auch ohne Controller weiterfährt.
Wolverine has ANOTHER motorcycle section and you don’t have to press ANYTHING. The game plays itself! YIKES! pic.twitter.com/plEemC0bzF
— Michael Does Life (@MichaelDoesLife) September 16, 2026
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Geruchsspur = Furzspur. Hotfix = Meme-Auffrischung. Kaufempfehlung? Nicht für mein Geld.
Super, 80 Euro und das Game fährt allein. Controller wird nur noch Deko. Danke, Sony.