Sonys angekündigter Abschied von physischen Spiele-Discs ab 2028 sorgt weiter für Diskussionen. Nun hat sich auch der frühere PlayStation-Manager Shuhei Yoshida zu dem Thema geäußert. Die Pläne waren offenbar selbst für ihn überraschend. Für einen großen Teil der Spieler hält Yoshida den Wegfall von Discs jedoch für weniger problematisch, während er insbesondere für Sammler und den Gebrauchtmarkt deutliche Nachteile sieht.
Gegenüber GamerBraves erklärte Yoshida zunächst, dass er von Sonys Plänen nichts gewusst habe. Gleichzeitig könne er nachvollziehen, dass sich Spieler, die weiterhin physische Spiele kaufen möchten, mit dieser Entwicklung schwertun.
Shuhei Yoshida sieht digitale Zukunft gelassener
Yoshida argumentiert unter anderem damit, dass auch Käufer physischer Spiele längst auf Downloads angewiesen sind. Viele moderne Titel erhalten nach ihrer Veröffentlichung Patches, zusätzliche Inhalte und teilweise umfangreiche Updates.
Eine Disc bedeutet daher heute nicht automatisch, dass sämtliche Daten eines Spiels dauerhaft und vollständig auf dem Datenträger vorhanden sind.
Aus diesem Grund stellt Yoshida infrage, ob der Verzicht auf Discs für die Mehrheit der Spieler tatsächlich eine derart große Veränderung darstellen würde.
Für Sammler sieht die Situation allerdings anders aus. Sollte die Möglichkeit verschwinden, Spiele physisch zu besitzen und ins Regal zu stellen, wäre das aus seiner Sicht bedauerlich.
Gebrauchtmarkt könnte zum eigentlichen Problem werden
Noch weitreichender könnten die Folgen für Spieler sein, die regelmäßig gebrauchte Spiele kaufen oder ihre durchgespielten Titel weiterverkaufen.
Eine physische Disc lässt sich unabhängig vom jeweiligen Plattformbetreiber weitergeben. Bei einem vollständig digitalen Vertrieb ist das mit den heute üblichen Account- und Lizenzsystemen dagegen nicht ohne Weiteres möglich.
Auch Yoshida sieht darin einen möglichen Nachteil. Für Menschen, die Spiele kaufen und später wieder verkaufen möchten, könnte der Wegfall physischer Versionen tatsächlich zum Problem werden.
Damit würde gleichzeitig ein wichtiger Teil des klassischen Konsolenmarktes verschwinden. Gebrauchte Spiele ermöglichen es Spielern beispielsweise, ältere Titel günstiger zu erwerben oder einen Teil des ursprünglichen Kaufpreises durch einen Weiterverkauf zurückzubekommen.
Digitale Preise könnten stärker in den Mittelpunkt rücken
Im stationären und klassischen Online-Handel konkurrieren unterschiedliche Händler miteinander und können physische Spiele unabhängig voneinander reduzieren. Gleichzeitig entsteht durch gebrauchte Exemplare zusätzliche Konkurrenz.
Bei rein digitalen Spielen läuft der Verkauf auf einer Konsole dagegen hauptsächlich über den jeweiligen Plattform-Store. Entsprechend dürfte die Frage nach Preisen und Rabattaktionen bei einer vollständig digitalen PlayStation-Zukunft noch wichtiger werden.
Ob Sony seine Preisstrategie deshalb tatsächlich verändern würde, ist derzeit allerdings offen.
Für Sammler wäre das Ende der Disc ein deutlicher Einschnitt
Die Diskussion geht gleichzeitig über Komfort und Preise hinaus. Physische Spiele spielen auch beim langfristigen Erhalt von Videospielen eine Rolle.
Zwar sind moderne Disc-Versionen aufgrund von Updates und Online-Funktionen längst nicht immer vollständig unabhängig von Servern. Dennoch bleibt ein physischer Datenträger für viele Spieler eine Form von Besitz, die bei einer ausschließlich digitalen Lizenz nicht in gleicher Weise existiert.
Yoshida bezeichnet es deshalb ausdrücklich als schade, wenn physische Spiele künftig nicht mehr gesammelt werden könnten.
Ähnlich äußerte sich zuletzt Ubisoft-Chef Yves Guillemot. Er sieht sowohl Vor- als auch Nachteile eines solchen Wandels, erwartet insgesamt jedoch keine größeren Auswirkungen auf die Spielebranche.
Sonys Entscheidung sorgt weiter für Diskussionen
Für Sony dürfte hinter der zunehmenden Digitalisierung auch die Entwicklung des Marktes stehen. Der Anteil physisch verkaufter Spiele ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während digitale Verkäufe immer wichtiger geworden sind.
Trotzdem zeigt die aktuelle Diskussion, dass die Disc für einen Teil der PlayStation-Community weiterhin eine besondere Bedeutung besitzt. Vor allem Sammler, Gebrauchtkäufer und Spieler, die Wert auf physisches Eigentum legen, wären von einem vollständigen Wechsel besonders betroffen.
Shuhei Yoshida betrachtet die Entwicklung entsprechend differenziert. Für viele Spieler dürfte sich im Alltag möglicherweise weniger ändern, als die Diskussion zunächst vermuten lässt. Für bestimmte Gruppen könnte das Ende physischer PlayStation-Spiele dagegen einen erheblichen Einschnitt bedeuten.
Quelle: https://www.gamespot.com/articles/former-playstation-boss-weighs-in-on-sony-killing-off-physical-game-discs/






