Immer neue Steuern, immer höhere Kosten und eine Bundesregierung, die offenbar schon wieder nach zusätzlichen Einnahmequellen sucht. Jetzt wird über eine KI-Steuer diskutiert, während in Europa sogar die Besteuerung von Internetdaten auf dem Tisch lag. Droht uns eine Zukunft, in der Gaming-Abos, Streamingdienste und das Internet noch teurer werden? Und wer bezahlt am Ende die Rechnung? Wieder einmal die Verbraucher?
PlayStation Plus, Netflix, Xbox Game Pass und Co. kosten bereits heute ordentlich Geld. Dazu kommen Internetanschluss, digitale Spiele, kostenpflichtige Zusatzfunktionen und immer neue Abonnements.
Während viele Verbraucher längst genau überlegen müssen, welches Abo sie sich überhaupt noch leisten können, wird in der deutschen Politik über zusätzliche Steuern auf digitale Technologien diskutiert.
Aktuell geht es um eine mögliche KI-Steuer. Doch die grundsätzliche Frage ist viel größer: Was passiert, wenn der Staat digitale Geschäftsmodelle künftig immer stärker als zusätzliche Einnahmequelle betrachtet?
Denn eines dürfte klar sein: Wenn Unternehmen höhere Kosten entstehen, werden sie zumindest versuchen, einen Teil davon an ihre Kunden weiterzugeben.
Und irgendwann stellt sich die Frage, ob unser ohnehin schon teures digitales Leben dadurch noch kostspieliger wird.
Wird unser digitales Leben zum Luxus?
Wer heute regelmäßig Videospiele spielt oder Filme und Serien streamt, benötigt längst mehr als einen einfachen Internetanschluss.
Sony verlangt Geld für PlayStation Plus, Microsoft bietet verschiedene kostenpflichtige Game-Pass-Modelle an, Netflix und andere Streaminganbieter haben ihre Abopreise in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst.
Dazu kommen teilweise kostenpflichtige KI-Funktionen, Cloud-Speicher, Musikdienste und weitere digitale Angebote.
Ein einzelnes Abonnement mag noch bezahlbar erscheinen. Zusammen können daraus allerdings schnell erhebliche monatliche Ausgaben entstehen.
Und ausgerechnet in dieser Situation beschäftigt sich die Politik mit zusätzlichen Abgaben auf digitale Technologien.
Natürlich bedeutet eine neue Unternehmenssteuer nicht automatisch höhere Verbraucherpreise. Trotzdem wäre es ziemlich naiv, diesen Zusammenhang grundsätzlich auszuschließen.
Unternehmen müssen wirtschaftlich arbeiten. Steigen ihre Kosten, bleiben ihnen verschiedene Möglichkeiten: geringere Gewinne akzeptieren, an anderer Stelle sparen oder die Preise erhöhen.
Und ausgerechnet die letzte Möglichkeit kennen Verbraucher inzwischen nur zu gut.
Internetsteuer: Was passiert, wenn plötzlich jeder Gigabyte Geld kostet?
Besonders deutlich wird das Problem bei einer Steuer auf übertragene Internetdaten.
Eine solche Abgabe klingt zunächst nach einer Belastung für große Technologiekonzerne. Schließlich würden nicht unmittelbar die privaten Internetnutzer zur Kasse gebeten, sondern Unternehmen, die Daten an ihre Kunden übertragen.
Doch dahinter steckt eine erhebliche wirtschaftliche Sprengkraft.
Denn das Internet funktioniert inzwischen zu einem großen Teil über enorme Datenmengen.
Wer einen Film in hoher Auflösung streamt, überträgt mehrere Gigabyte. Bei digitalen Spielen können Downloads inzwischen weit über 100 Gigabyte groß sein. Hinzu kommen Updates, zusätzliche Inhalte und Cloud-Gaming.
Würde ein Staat Unternehmen künftig für jedes übertragene Gigabyte besteuern, entstünden gerade bei datenintensiven Angeboten zusätzliche Kosten.
Die eigentliche Frage lautet deshalb: Würde ein Anbieter diese Kosten dauerhaft selbst tragen oder versuchen, sie über höhere Abopreise, schlechtere Konditionen oder zusätzliche Gebühren auszugleichen?
Denkbar wären beispielsweise höhere Streamingpreise, teurere Cloud-Angebote oder Einschränkungen bei besonders datenintensiven Diensten.
Das sind keine angekündigten Maßnahmen der Unternehmen, sondern mögliche wirtschaftliche Reaktionen auf eine entsprechende Steuer.
Aber genau deshalb sollte man über solche Ideen sprechen, bevor sie Realität werden.
Frankreich wollte tatsächlich Internetdaten besteuern
Wie konkret solche Pläne werden können, zeigte Ende Oktober ein Vorstoß in Frankreich.
Dort nahm die Nationalversammlung zunächst einen Änderungsantrag an, nach dem bestimmte Anbieter digitaler Inhalte für übertragene Internetdaten bezahlen sollten.
Vorgesehen waren 5,5 Cent pro Gigabyte.
Was zunächst nach Kleingeld klingt, ergibt bei größeren Datenmengen schnell ganz andere Beträge.
| Übertragene Daten | Rechnerische Steuer |
|---|---|
| 25 GB | 1,38 € |
| 50 GB | 2,75 € |
| 100 GB | 5,50 € |
| 150 GB | 8,25 € |
| 200 GB | 11,00 € |
| 500 GB | 27,50 € |
Diese Beträge wären keine unmittelbaren Gebühren für Spieler gewesen. Sie verdeutlichen lediglich, wie hoch die Abgabe bei entsprechenden Datenmengen rechnerisch ausgefallen wäre.
Ein großes Videospiel mit 150 Gigabyte hätte damit eine Belastung von 8,25 Euro auf Anbieterseite verursacht, sofern der gesamte Datenverkehr unter die geplante Regelung gefallen wäre.
Und dabei sprechen wir nur von einer einzigen Übertragung.
Wird dasselbe Spiel von Tausenden oder sogar Millionen Nutzern heruntergeladen, entstehen entsprechend große Datenmengen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten deshalb erheblich sein.
Ausgerechnet die Digitalisierung, die uns eigentlich vieles einfacher und günstiger machen sollte, könnte damit zu einer zusätzlichen Einnahmequelle für den Staat werden.
Über die ursprünglichen Pläne hatten wir bereits berichtet:
Am 4. November 2026 wurde der Einnahmenteil des französischen Haushaltsentwurfs allerdings insgesamt abgelehnt. Damit fiel auch die geplante Gigabyte-Steuer vorerst aus dem Verfahren.
Sie könnte im weiteren parlamentarischen Verlauf erneut eingebracht werden.
In Deutschland gibt es derzeit keinen konkreten Gesetzesentwurf für eine vergleichbare Steuer.
Doch allein die Tatsache, dass eine solche Abgabe bereits parlamentarische Unterstützung erhalten hat, sollte Internetnutzer aufhorchen lassen.
Was heute in Frankreich diskutiert wird, könnte schließlich auch andere europäische Länder auf neue Ideen bringen. Ob Deutschland tatsächlich nachziehen würde, ist vollkommen offen.
Was wäre, wenn eine Internetsteuer nach Deutschland kommt?
Nehmen wir einmal an, Deutschland würde irgendwann ein vergleichbares Modell diskutieren.
Für viele Internetnutzer würde sich zunächst überhaupt nichts ändern. Denn eine solche Steuer könnte direkt bei den Inhalteanbietern ansetzen.
Die Unternehmen müssten dann entscheiden, wie sie mit den zusätzlichen Belastungen umgehen.
Streaminganbieter könnten ihre Kalkulation verändern. Cloud-Dienste könnten höhere Nutzungsgebühren verlangen. Und Plattformbetreiber müssten prüfen, wie sich datenintensive Angebote weiterhin wirtschaftlich betreiben lassen.
Gerade beim Gaming wäre das besonders interessant.
Moderne Spiele bestehen nicht selten aus Downloads mit mehreren Dutzend bis über 100 Gigabyte. Hinzu kommen Day-One-Patches, saisonale Updates und umfangreiche Zusatzinhalte.
Ein Spieler kann so innerhalb weniger Wochen erhebliche Datenmengen herunterladen, ohne dafür abgesehen vom Internetanschluss und dem Kaufpreis des Spiels direkt etwas extra zu bezahlen.
Würde der Datenverkehr selbst zur Steuergrundlage, könnte sich dieses Modell verändern.
Vielleicht würden Unternehmen die zusätzlichen Kosten auffangen. Vielleicht würden sie ihre technische Infrastruktur optimieren oder die Downloadgrößen reduzieren.
Vielleicht würden sie aber auch schlicht die Preise erhöhen.
Und genau deshalb ist eine Internetsteuer kein Thema, das nur große Technologiekonzerne betrifft. Am Ende könnte sie jeden erreichen, der regelmäßig digitale Angebote nutzt.
PS Plus ist schon teuer genug
Ein Blick auf PlayStation Plus zeigt, dass zusätzliche Kosten für viele Spieler kaum willkommen wären.
Sony hat zum 20. Mai 2026 die Preise für ein- und dreimonatige Abonnements bei Neukunden erhöht.
Die aktuellen regulären Preise in Deutschland liegen bei:
| PlayStation Plus | 1 Monat | 3 Monate | 12 Monate |
|---|---|---|---|
| Essential | 9,99 € | 27,99 € | 71,99 € |
| Extra | 15,99 € | 43,99 € | 125,99 € |
| Premium | 18,99 € | 54,99 € | 151,99 € |
Die Jahresabos blieben bei der Preisanpassung im Mai unverändert. Bestandskunden können teilweise noch ältere Konditionen für kürzere Laufzeiten besitzen.
Wer PlayStation Plus Premium zwölf Monate lang zum regulären Monatspreis bezahlt, kommt inzwischen auf 227,88 Euro.
Und das ist nur ein einziges Abonnement.
Dazu können ein weiterer Gamingdienst, ein Streamingabo, Musik und der eigene Internetanschluss kommen.
Selbst ohne zusätzliche Steuern sind die laufenden Kosten für digitale Unterhaltung längst ein ernst zu nehmender Faktor geworden.
Wir haben bereits mehrfach über die Kritik an Sonys Preisgestaltung berichtet:
Eine zusätzliche Steuer auf Internetdaten könnte Anbieter wie Sony und Microsoft treffen, sofern ihre Dienste unter die jeweilige Regelung fallen würden.
Ob das tatsächlich zu höheren Preisen führen würde, lässt sich ohne einen konkreten Gesetzesentwurf nicht vorhersagen.
Doch gerade weil Abonnements bereits teurer geworden sind, sollten politische Entscheidungen mit möglichen Auswirkungen auf digitale Dienstleistungen besonders kritisch betrachtet werden.
Denn irgendwann ist auch bei Spielern die finanzielle Schmerzgrenze erreicht.
Erst alles digitalisieren und dann dafür kassieren?
Die Gaming-Branche arbeitet seit Jahren daran, digitale Vertriebswege auszubauen.
Spiele werden immer häufiger heruntergeladen, neue Konsolenmodelle erscheinen teilweise ohne Laufwerk und Abonnements spielen eine zunehmend wichtige Rolle.
Der klassische Spielekauf auf Disc verliert dadurch an Bedeutung.
Für die Unternehmen bedeutet das mehr Kontrolle über ihre digitalen Ökosysteme. Kunden werden gleichzeitig stärker von Internetanschlüssen, Onlinediensten und Plattformen abhängig.
PlayStation ohne Disc ab 2028? Der Dead-Island-2-Fehler zeigt Sonys größtes Problem
Und genau hier liegt ein weiteres Problem möglicher Internetsteuern.
Wenn digitale Inhalte immer wichtiger werden, könnte eine zusätzliche Besteuerung des Datenverkehrs weitreichendere wirtschaftliche Folgen haben als noch vor zehn Jahren.
Cloud-Gaming ist dabei ein besonders gutes Beispiel.
Hier wird ein Spiel nicht vollständig auf der eigenen Konsole berechnet. Stattdessen laufen Bild- und Tondaten kontinuierlich über das Internet.
Eine Steuer auf übertragene Daten könnte solche Geschäftsmodelle zusätzlich belasten.
Erst wird uns die digitale Zukunft als großer Fortschritt verkauft. Und dann kommt irgendwann vielleicht die Politik auf die Idee, dass sich auch der Datenverkehr noch besteuern lässt.
Natürlich wäre das keine automatische Folge der Digitalisierung. Trotzdem zeigt die Entwicklung, warum wirtschaftliche Belastungen digitaler Angebote zunehmend auch Verbraucher interessieren sollten.
Deutschland diskutiert bereits über die nächste Steuer: KI
Während über mögliche Internetabgaben bislang vor allem im Ausland diskutiert wurde, steht in Deutschland bereits eine andere Steueridee im Raum.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hatte Ende Oktober vorgeschlagen, Umsätze mit Künstlicher Intelligenz stärker zu besteuern.
Die Einnahmen könnten beispielsweise genutzt werden, um Umschulungen und Weiterbildungen zu finanzieren.
Auch Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) sprach sich dafür aus, die durch KI entstehende Wertschöpfung steuerlich stärker zu berücksichtigen.
Der Gedanke dahinter: Wenn Unternehmen durch KI wirtschaftlich profitieren und sich dadurch Arbeitsplätze verändern, soll ein Teil dieser Erträge der Gesellschaft zugutekommen.
Das lässt sich grundsätzlich diskutieren.
Allerdings stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Warum denken Teile der Bundesregierung schon wieder über eine neue Steuer nach, während Deutschland bei wichtigen digitalen Zukunftstechnologien international noch aufholen muss?
Schließlich sollen Digitalisierung, neue Technologien und innovative Unternehmen eigentlich gefördert werden.
Wie passt es zusammen, auf der einen Seite neue Arbeitsplätze und technologische Innovation zu fordern, auf der anderen Seite aber bereits über zusätzliche steuerliche Belastungen nachzudenken?
Konkrete Gesetzespläne gibt es derzeit nicht. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stehen einer schnellen KI-Steuer kritisch gegenüber.
Nvidia-Chef führt Deutschlands Regulierungsdenken vor
Wie merkwürdig die deutsche Diskussion teilweise wirkt, zeigte auch die Debatte rund um Nvidia-Chef Jensen Huang und Bundeskanzler Friedrich Merz im Oktober.
Während in Deutschland immer wieder darüber gesprochen wird, wie Künstliche Intelligenz reguliert werden soll, fordert Huang vor allem eines: mehr Tempo bei der Entwicklung und praktischen Anwendung.
Der Nvidia-Chef hat die europäische Regulierungskultur kritisiert und deutlich gemacht, dass Innovationen zunächst Raum brauchen, um sich überhaupt erfolgreich entwickeln zu können.
Sein grundlegender Einwand lässt sich auf eine einfache Frage herunterbrechen: Was genau wollen wir eigentlich regulieren, wenn wir beim Aufbau eigener führender KI-Technologien noch erheblichen Nachholbedarf haben?
Deutschland hat selbstverständlich eigene KI-Unternehmen, Forschungseinrichtungen und industrielle Anwendungen. Bei vielen weltweit führenden KI-Plattformen dominieren allerdings weiterhin amerikanische und chinesische Anbieter.
Man könnte es auch so ausdrücken: Wir haben bei der KI-Entwicklung noch erheblichen Nachholbedarf, wissen aber offenbar schon ganz genau, wie wir sie regulieren und besteuern wollen.
Vielleicht wäre es sinnvoller, zunächst die eigene digitale Wirtschaft zu stärken.
Wirtschaftsexperten warnen vor neuen Belastungen
Am 5. November 2026 warnte auch Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, vor einer Sondersteuer auf KI-Umsätze.
Eine solche Abgabe könnte die Anwendung neuer Technologien bremsen und Deutschlands wirtschaftlichen Rückstand gegenüber anderen Ländern vergrößern.
Außerdem stellt sich die Frage, wie KI-Umsätze überhaupt eindeutig definiert werden sollen.
Schließlich wird Künstliche Intelligenz bereits in zahlreichen Produkten und Dienstleistungen eingesetzt.
Unternehmensgewinne werden schon heute besteuert. Zusätzliche Sonderabgaben könnten daher nicht nur neue Kosten, sondern auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen.
Und selbst wenn eine solche Steuer zunächst nur Unternehmen treffen würde, stellt sich wieder dieselbe Frage wie bei der Internetsteuer:
Wer garantiert eigentlich, dass zusätzliche Belastungen nicht zumindest teilweise bei den Kunden landen?
Immer neue Regeln: Wie frei bleibt unser Internet?
Neben den finanziellen Belastungen wächst eine weitere Diskussion: Wie stark soll der Staat künftig in die Nutzung des Internets eingreifen?
Am 14. Oktober 2026 beschloss die Bundesregierung Eckpunkte für einen stärkeren Kinder- und Jugendmedienschutz.
Geplant sind unter anderem Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke sowie technische Möglichkeiten zur Altersverifikation.
Kinder unter 13 Jahren sollen soziale Netzwerke grundsätzlich nicht mehr nutzen dürfen, sofern es sich nicht um entsprechend geeignete Angebote handelt.
Natürlich ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen wichtig.
Trotzdem muss man die Frage stellen dürfen, wie weit solche Eingriffe gehen sollen.
Alterskontrollen, Zugangsbeschränkungen und technische Sperrmaßnahmen werfen schließlich auch Fragen nach Datenschutz, Anonymität und der Freiheit im Internet auf.
Einen allgemeinen staatlichen Medienfilter für das gesamte Internet hat die Bundesregierung nicht beschlossen.
Aber die zunehmende Diskussion über technische Zugangsbeschränkungen und bestehende Netzsperren sollte kritisch verfolgt werden.
Erst diskutieren wir über zusätzliche Steuern auf digitale Angebote, dann über weitere Filter und Zugangsbeschränkungen. Und irgendwann bezahlen wir möglicherweise immer mehr für ein Internet, in dem wir gleichzeitig immer weniger selbst entscheiden dürfen.
Vielleicht sollte die Politik auch einmal darüber nachdenken, dass das Internet nicht ausschließlich aus Problemen besteht, die man regulieren, kontrollieren und besteuern muss.
Kommentar: Vielleicht sollte die Politik erst einmal die Wirtschaft verstehen
Deutschland braucht Investitionen, neue Technologien, wirtschaftliches Wachstum und Unternehmen, die international konkurrenzfähig bleiben.
Was wir dagegen sicherlich nicht brauchen, ist eine Politik, die bei jeder neuen wirtschaftlichen Entwicklung zuerst darüber nachdenkt, welche zusätzlichen Einnahmen sich daraus erzielen lassen.
Wenn Berufspolitiker ohne jegliche berufliche oder wirtschaftliche Erfahrung anfangen, neue Steuern zu planen, muss man sich über solche Ideen kaum noch wundern.
Ein gutes Beispiel für diese grundsätzliche Kritik ist Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Sein beruflicher Werdegang spielte sich überwiegend innerhalb der Politik ab. Nach seinem Studium arbeitete er unter anderem in Abgeordnetenbüros, übernahm verschiedene Funktionen innerhalb der SPD und wurde Bundestagsabgeordneter.
Eine klassische berufliche Laufbahn in der freien Wirtschaft oder der Aufbau eines eigenen Unternehmens ist seinem offiziellen Lebenslauf nicht zu entnehmen.
Klingbeil und seine Partei stehen einer stärkeren Besteuerung großer digitaler Gewinne grundsätzlich offen gegenüber. Ein konkreter deutscher Gesetzesentwurf für eine KI- oder Internetsteuer liegt allerdings nicht vor.
Vielleicht wäre es keine schlechte Voraussetzung, selbst einmal in einem Unternehmen wirtschaftliche Verantwortung getragen zu haben, bevor man darüber nachdenkt, welche neuen Belastungen der Wirtschaft noch zugemutet werden können.
Denn Steuern zu fordern ist vergleichsweise einfach.
Arbeitsplätze schaffen, Mitarbeiter bezahlen, Investitionen finanzieren und im internationalen Wettbewerb bestehen müssen am Ende andere.
Natürlich müssen große Technologiekonzerne ihren fairen Beitrag leisten. Niemand fordert, dass milliardenschwere Unternehmen von ihren steuerlichen Verpflichtungen befreit werden.
Doch zwischen einer gerechten Besteuerung tatsächlicher Gewinne und immer neuen Sonderabgaben auf digitale Geschäftsmodelle besteht ein erheblicher Unterschied.
Warum muss man unsere digitale Wirtschaft schon wieder mit neuen Belastungen bedrohen, bevor sie sich überhaupt richtig entwickeln konnte?
Deutschland beklagt regelmäßig fehlende Investitionen, zu hohe Kosten und eine ausufernde Bürokratie.
Gleichzeitig entstehen immer neue politische Ideen, die Unternehmen weitere Verpflichtungen auferlegen könnten.
Und wer neue Steuern fordert, sollte erklären können, wie diese praktisch umgesetzt werden sollen.
Wer entscheidet beispielsweise, welcher Unternehmensumsatz tatsächlich durch KI entstanden ist?
Brauchen wir dafür irgendwann die nächste Behörde, zusätzliche Verwaltungsstellen und Hunderte Beamte, die darüber entscheiden, welcher Euro nun durch Künstliche Intelligenz erwirtschaftet wurde und welcher nicht?
Bislang gibt es keine konkreten Pläne für einen solchen Verwaltungsapparat.
Aber allein die Frage zeigt, wie kompliziert zusätzliche Sondersteuern werden könnten.
Es kann doch nicht die Lösung sein, eine ohnehin komplizierte Wirtschaft ständig mit neuen Abgaben, Kontrollen und zusätzlicher Bürokratie zu überziehen.
Vielleicht sollte sich die Bundesregierung stärker darauf konzentrieren, bestehende wirtschaftliche Probleme zu lösen, Investitionen zu erleichtern und Unternehmen vernünftige Perspektiven zu bieten.
Denn eine erfolgreiche digitale Wirtschaft entsteht nicht dadurch, dass Politiker mögliche Steuereinnahmen bereits verplanen, bevor die entsprechenden Unternehmen überhaupt erfolgreich geworden sind.
Fazit: Die nächste Rechnung landet womöglich wieder beim Verbraucher
Eine deutsche Internetsteuer nach französischem Vorbild ist derzeit nicht geplant. Auch die KI-Steuer wurde bislang nicht als konkretes Gesetz beschlossen.
Trotzdem zeigen die politischen Diskussionen, dass zusätzliche Abgaben auf digitale Geschäftsmodelle längst kein völlig abwegiges Thema mehr sind.
Und genau deshalb sollten Verbraucher aufmerksam bleiben.
Das digitale Leben ist bereits teuer genug.
Gaming-Abonnements, Streamingdienste, Internetanschlüsse und zahlreiche weitere Angebote verursachen regelmäßig Kosten.
Wenn Unternehmen irgendwann zusätzliche Steuern auf Datenübertragungen oder digitale Dienstleistungen bezahlen müssen, könnten diese Kosten zumindest teilweise bei ihren Kunden landen.
Ob das tatsächlich passiert, hängt von den konkreten Gesetzen und den Entscheidungen der Unternehmen ab.
Doch die Vorstellung, dass zusätzliche Unternehmenssteuern grundsätzlich niemals beim Verbraucher ankommen, wäre ziemlich naiv.
Deutschland braucht eine funktionierende Wirtschaft, mehr Innovationen und politische Entscheidungen, die langfristig sinnvoll sind.
Was wir nicht brauchen, sind ständig neue Steuerideen, deren wirtschaftliche Folgen erst hinterher diskutiert werden.
Denn wer immer neue Einnahmequellen für den Staat sucht, sollte nicht vergessen, dass dieses Geld zunächst einmal irgendwo erwirtschaftet werden muss.
Und wenn die Kosten am Ende weitergereicht werden, zahlt wieder derjenige, der ohnehin schon für Internet, Streaming, Gaming und digitale Dienstleistungen tief in die Tasche greifen muss.
Was denkt ihr? Drohen uns durch neue Internet- und Digitalsteuern noch höhere Preise für PS Plus, Netflix und Co.? Oder sollte sich die Bundesregierung endlich darauf konzentrieren, unsere digitale Wirtschaft zu stärken, statt über die nächsten Abgaben nachzudenken? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.
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