Deutsches Spiele-Studio schließt nach 35 Jahren und ein neues PS5-Spiel steht plötzlich vor einer ungewissen Zukunft
Erst vor wenigen Wochen erschien Seafarer: The Ship Sim für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Jetzt steht das verantwortliche Entwicklerstudio vor dem Aus. Astragon Entertainment hat bestätigt, dass Astragon Development im nordrhein-westfälischen Hamm bis Ende November 2026 geschlossen wird. Damit endet die Geschichte eines traditionsreichen deutschen Spieleentwicklers nach rund 35 Jahren. Besonders brisant: Das jüngste Projekt wurde mit mehr als 1,8 Millionen Euro aus Bundesmitteln gefördert. Für Käufer der Schiffssimulation bleibt nun offen, wer das Spiel künftig mit Updates versorgen soll.
Astragon schließt deutsches Entwicklerstudio in Hamm
Die Nachricht wurde am 2. November 2026 bekannt und inzwischen offiziell bestätigt.
Astragon Entertainment stellt den Betrieb seiner Tochtergesellschaft Astragon Development ein. Das Entwicklerstudio in Hamm soll bis Ende November kontrolliert heruntergefahren werden.
Astragon möchte sich künftig stärker auf sein Kerngeschäft als Spiele-Publisher konzentrieren.
Die Entscheidung trifft ein Studio, das bereits seit 1990 existiert und damit zu den ältesten Spieleentwicklern Deutschlands gehört.
Nach Informationen von GamesWirtschaft sollen rund 30 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Andere Branchenberichte sprechen von mehr als 40 Betroffenen. Eine abschließend bestätigte Mitarbeiterzahl liegt bislang nicht vor.
Astragon kündigte an, gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung nach sozialverträglichen Lösungen zu suchen.
Bestehende Verträge und Verpflichtungen sollen vollständig erfüllt werden.
Seafarer erschien erst vor wenigen Wochen für PS5 und Xbox
Besonders ungewöhnlich ist der Zeitpunkt.
Das jüngste Spiel von Astragon Development, Seafarer: The Ship Sim, wurde erst am 24. September 2026 als Vollversion veröffentlicht.
Gleichzeitig erschien die Schiffssimulation für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Zuvor befand sich die PC-Version seit Oktober 2025 im Early Access.
In Seafarer übernehmen Spieler unterschiedliche Aufgaben auf See. Dazu gehören der Transport von Waren, Rettungsmissionen und weitere Einsätze mit verschiedenen Schiffstypen.
Das Spiel setzt auf eine große maritime Umgebung, unterschiedliche Schiffe und ein möglichst authentisches Gefühl bei der Steuerung.
Mit der Veröffentlichung auf Konsolen sollte die Simulation eine deutlich größere Zielgruppe erreichen.
Doch nur wenige Wochen nach diesem wichtigen Schritt folgt nun das Ende des Entwicklerstudios.
Für Spieler, die Seafarer gerade erst gekauft haben, wirft das einige Fragen auf.
Was passiert jetzt mit Seafarer?
Astragon hat bestätigt, dass Seafarer: The Ship Sim noch bis zum Ende der Tätigkeit von Astragon Development mit Updates versorgt werden soll.
Danach ist die Zukunft allerdings unklar.
Bislang wurde nicht angekündigt, dass ein anderes Entwicklerstudio die weitere Betreuung übernimmt.
Damit bleibt offen, ob nach November zusätzliche Fehlerkorrekturen oder neue Inhalte erscheinen.
Gerade bei einer Simulation, die erst kürzlich ihre Vollversion erreicht hat, ist das keine unwichtige Frage.
Denn auch nach dem Verkaufsstart können technische Probleme auftreten, die durch spätere Updates behoben werden müssen.
In den offiziellen Steam-Versionshinweisen zum bisherigen Patch 1.1 werden beispielsweise noch offene Probleme im Mehrspielermodus beschrieben.
Dazu gehören Fehler bei Belohnungen für abgeschlossene Missionen und Schwierigkeiten bei bestimmten Transportaufträgen.
Ob diese und weitere Probleme vor der Schließung vollständig behoben werden können, ist nicht bekannt.
Wichtig ist allerdings: Seafarer wurde nicht offiziell eingestellt.
Auch eine Abschaltung der Server oder ein Verkaufsstopp wurde bislang nicht angekündigt.
Die Unsicherheit betrifft vor allem den langfristigen Support und die weitere Entwicklung.
Mehr als 1,8 Millionen Euro Bundesförderung
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Fall durch die staatliche Förderung.
Die Entwicklung von Seafarer: The Ship Sim wurde mit insgesamt rund 1,82 Millionen Euro aus Bundesmitteln unterstützt.
Das Projekt gehörte damit zu den größeren Empfängern der deutschen Computerspieleförderung.
Das Geld wurde bewilligt, um die Entwicklung des Spiels zu unterstützen.
Dass nun ausgerechnet das verantwortliche Studio kurz nach der Veröffentlichung geschlossen wird, dürfte dennoch für Diskussionen sorgen.
Dabei muss man allerdings unterscheiden.
Die Förderung war für die Entwicklung eines konkreten Computerspiels vorgesehen, nicht für die dauerhafte Garantie sämtlicher Arbeitsplätze.
Da Seafarer tatsächlich veröffentlicht wurde, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass Fördergelder zweckwidrig verwendet wurden.
Trotzdem bleibt eine grundsätzliche Frage bestehen.
Wie nachhaltig sind öffentliche Investitionen in die deutsche Games-Branche, wenn ein gefördertes Projekt erscheint, das Entwicklerteam aber kurz darauf aufgelöst wird?
Gerade für den Games-Standort Nordrhein-Westfalen ist das ein erheblicher Verlust.
Ein traditionsreicher Entwickler verschwindet
Astragon Development war ursprünglich unter dem Namen Independent Arts Software bekannt.
Das Unternehmen wurde 1990 von Holger Kuchling in Hamm gegründet.
Über Jahrzehnte arbeitete das Studio an zahlreichen Spielen und Auftragsproduktionen.
Zu den Geschäftspartnern gehörten unter anderem Kalypso Media, Daedalic Entertainment und Wild River Games.
Im April 2023 übernahm Astragon Entertainment das Unternehmen für einen Kaufpreis von bis zu 3,5 Millionen Euro.
Im Mai 2025 erhielt das Studio schließlich den Namen Astragon Development.
Mit der Übernahme sollte unter anderem die Entwicklung eigener Simulationsspiele gestärkt werden.
Nun endet diese Strategie bereits wenige Jahre später.
Für Astragon Entertainment bedeutet das nicht das vollständige Ende des Unternehmens.
Der Düsseldorfer Publisher bleibt weiterhin aktiv und konzentriert sich nach eigenen Angaben künftig verstärkt auf die Veröffentlichung und Vermarktung von Spielen.
Das Entwicklerstudio in Hamm wird dagegen geschlossen.
Deutsche Spielebranche verliert weitere Arbeitsplätze
Die Entscheidung reiht sich in eine längere Serie von Stellenstreichungen und Studioschließungen innerhalb der internationalen Spielebranche ein.
Auch in Deutschland stehen Entwickler und Publisher seit einiger Zeit unter wirtschaftlichem Druck.
Steigende Produktionskosten, schwierige Finanzierungsbedingungen und die Unsicherheit über den Erfolg neuer Projekte erschweren die Planung.
Im Fall von Astragon Development ist besonders auffällig, dass die Schließung so kurz nach der Veröffentlichung eines neuen Spiels erfolgt.
Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet die Entscheidung den Verlust ihres bisherigen Arbeitsplatzes.
Für die deutsche Spielebranche verschwindet zugleich ein Team mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Und für Käufer von Seafarer bleibt vorerst unklar, wie zuverlässig das Spiel langfristig unterstützt wird.
Astragon hat zugesagt, bestehende Verpflichtungen zu erfüllen und Seafarer bis zum Ende der Studioarbeit weiter zu aktualisieren.
Ob darüber hinaus ein anderer Entwickler einspringt, muss sich erst zeigen.
Ein 35 Jahre altes Studio verschwindet, während sein jüngstes Spiel gerade erst auf den Konsolen angekommen ist. Viel deutlicher lässt sich die schwierige Situation der Spielebranche derzeit kaum verdeutlichen.
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