Wochenlang protestierten PlayStation-Fans gegen Sonys Entscheidung, ab 2028 auf neue Spiele-Discs zu verzichten. Manche Spieler schalteten ihre PS5 sogar eine ganze Woche aus, andere riefen unter dem Motto „No Disc, No Buy“ zum Kaufboykott auf. Doch die neuen Geschäftszahlen von Sony zeichnen ein ernüchterndes Bild: Die Zahl aktiver PlayStation-Nutzer steigt und digitale Spiele werden immer beliebter. Hat Sony die Proteste also einfach ausgesessen? Ganz so einfach ist die Antwort nicht.
Sony meldet 127 Millionen aktive PlayStation Nutzer
Die neuesten Geschäftszahlen von Sony sorgen für Diskussionen innerhalb der PlayStation-Community.
Ausgerechnet in dem Quartal, in dem mehrere Boykottaktionen gegen das Unternehmen stattfanden, konnte Sony seine Nutzerzahlen steigern.
Im September 2026 verzeichnete das PlayStation Network insgesamt 127 Millionen monatlich aktive Nutzer.
Das sind acht Millionen mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat.
Gegenüber dem vorherigen Quartal stieg die Zahl um weitere zwei Millionen.
Für Sony sind das erfreuliche Nachrichten.
Für die Organisatoren des PlayStation-Boykotts dürften die Ergebnisse dagegen eine Enttäuschung sein.
Denn eines ihrer erklärten Ziele war es, die Aktivität auf Sonys Plattform spürbar zu reduzieren.
Davon ist zumindest in den veröffentlichten Quartalszahlen nichts zu erkennen.
Spieler sollten ihre PS5 eine Woche ausschalten
Die Protestaktionen hatten im Sommer 2026 deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen.
Besonders bekannt wurde der sogenannte PS5 Blackout, den die Initiative Does It Play unterstützte.
Vom 23. bis 30. August sollten PlayStation-Besitzer ihre Konsolen möglichst vollständig ausschalten.
Teilnehmer wurden außerdem dazu aufgerufen, sich nicht im PlayStation Network anzumelden und auf Käufe im PlayStation Store zu verzichten.
Der Gedanke dahinter war einfach: Wenn ausreichend viele Spieler gleichzeitig fernbleiben, könnte sich das in Sonys Geschäftszahlen bemerkbar machen.
Einige Fans veröffentlichten damals sogar Bilder ihrer vom Stromnetz getrennten Konsolen.
Wir hatten den Beginn der Protestaktion ausführlich begleitet.
Mehr dazu findet ihr in unserem Artikel PlayStation Boykott hat begonnen: PS5-Spieler ziehen aus Protest den Stecker.
Die jetzt veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings keinen erkennbaren Rückgang bei den monatlich aktiven Nutzern.
Dabei gibt es jedoch eine wichtige Einschränkung: Sony zählt die aktiven Nutzer für den letzten Monat des Quartals, also September.
Der eigentliche Blackout fand bereits im August statt.
Aus den September-Zahlen allein lässt sich deshalb nicht zweifelsfrei ableiten, wie viele Menschen während der Protestwoche tatsächlich nicht gespielt haben.
Es ist durchaus möglich, dass Teilnehmer ihre Konsolen anschließend wieder ganz normal nutzten.
Ein kurzfristiger Effekt könnte damit in der veröffentlichten Kennzahl unsichtbar bleiben.
No Disc No Buy trifft auf 78 Prozent digitale Verkäufe
Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei den Spieleverkäufen aus.
Im vergangenen Geschäftsquartal wurden auf PlayStation 4 und PlayStation 5 insgesamt 88,2 Millionen vollständige Spiele verkauft.
Davon entfielen 78 Prozent auf digitale Downloads.
Im entsprechenden Vorjahresquartal lag der Anteil noch bei 72 Prozent.
Digitale Spiele gewinnen somit weiter an Bedeutung.
Das ist besonders interessant, weil parallel dazu die Kampagne „No Disc, No Buy“ für Aufmerksamkeit sorgte.
Unter diesem Motto wollen Spieler auf den Kauf von Spielen verzichten, die ausschließlich digital erscheinen.
Sie möchten Sony und anderen Publishern damit zeigen, dass physische Veröffentlichungen weiterhin gefragt sind.
Der aktuelle Markttrend spricht allerdings eine andere Sprache.
Die überwiegende Mehrheit der erfassten vollständigen Spielverkäufe erfolgt inzwischen digital.
Für Sony dürfte das eine wichtige Bestätigung seiner bisherigen Strategie sein.
Allerdings bedeutet der hohe Digitalanteil nicht automatisch, dass 78 Prozent aller Spieler das Ende physischer Spiele unterstützen.
Viele Kunden kaufen sowohl digital als auch auf Disc.
Andere entscheiden sich bei Sonderangeboten für einen Download, möchten bei großen Neuerscheinungen aber weiterhin eine physische Version besitzen.
Die Verkaufsstatistik allein beantwortet diese Frage nicht.
Auch physische Spiele bringen Sony weiterhin Geld
Interessanterweise zeigen die neuen Geschäftszahlen noch etwas anderes.
Denn obwohl digitale Verkäufe dominieren, sind die ausgewiesenen Umsätze mit physischen Spielen ebenfalls gestiegen.
Sony meldete für das Quartal rund 43,1 Milliarden Yen in der Kategorie physische Software.
Im Vorjahreszeitraum waren es 35,4 Milliarden Yen.
Das entspricht einem Plus von rund 7,7 Milliarden Yen.
Digitale Vollversionen erzielten dagegen einen Umsatz von 330,8 Milliarden Yen.
Im Vorjahr waren es noch 268,3 Milliarden Yen.
Damit wächst das Geschäft mit digitalen Downloads deutlich schneller.
Wichtig ist allerdings, dass Sony die Einnahmen aus digitalen und physischen Spielen unterschiedlich bilanziert.
Die beiden Umsatzkategorien lassen sich deshalb nicht einfach als vollständiger Vergleich sämtlicher Verbraucherausgaben verwenden.
Trotzdem zeigen die Zahlen, dass physische Spiele keineswegs über Nacht bedeutungslos geworden sind.
Sie sorgen weiterhin für Einnahmen, während der digitale Vertrieb zunehmend den Ton angibt.
Warum protestieren PlayStation Fans überhaupt?
Auslöser der aktuellen Boykottbewegung ist vor allem Sonys Entscheidung, die Herstellung neuer physischer PlayStation-Spiele ab Januar 2028 einzustellen.
Bereits veröffentlichte Discs sollen weiterhin funktionieren.
Neue Spiele würden nach dem angekündigten Plan jedoch ausschließlich digital erscheinen.
Für viele Spieler bedeutet das den Verlust einer wichtigen Wahlmöglichkeit.
Physische Spiele können häufig weiterverkauft, verliehen oder gebraucht gekauft werden.
Bei digitalen PlayStation-Käufen ist ein vergleichbarer Weiterverkauf einzelner Spiele nicht vorgesehen.
Hinzu kommt die größere Abhängigkeit vom PlayStation Store und von digitalen Lizenzen.
Erst gestern hatten wir in unserem Kommentar PlayStation ohne Disc ab 2028: Der Dead Island 2 Fehler zeigt Sonys größtes Problem genau dieses Thema aufgegriffen.
Der verspätete Start von Dead Island 2 bei PlayStation Plus in Deutschland zeigte, dass selbst die Bereitstellung eines angekündigten Spiels gelegentlich Probleme verursachen kann.
Das bedeutet nicht, dass digitale Spiele grundsätzlich unsicher sind.
Es verdeutlicht aber, warum viele Fans die vollständige Abhängigkeit von einem digitalen Vertriebssystem kritisch sehen.
Hat Sony den PlayStation Boykott einfach ignoriert?
Die wichtigste Frage bleibt, ob die Proteste überhaupt etwas bewirkt haben.
Bislang hat Sony weder eine Änderung seiner Disc-Strategie angekündigt noch die Entscheidung öffentlich zurückgenommen.
Auch eine ausführliche Stellungnahme zu den Boykottaktionen liegt nicht vor.
Die neuen Quartalszahlen liefern dem Unternehmen zudem keinen offensichtlichen wirtschaftlichen Grund, seinen Kurs zu überdenken.
Das heißt allerdings nicht, dass sämtliche Proteste wirkungslos waren.
Eine kleine oder kurzfristige Aktion lässt sich in den umfangreichen Geschäftszahlen eines internationalen Konzerns nur schwer nachweisen.
Außerdem verfolgen Boykotte nicht ausschließlich wirtschaftliche Ziele.
Sie können auch öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen und Diskussionen über Verbraucherrechte anstoßen.
Genau das ist beim geplanten Ende physischer PlayStation-Spiele durchaus gelungen.
Bereits während Sonys State of Play im September sorgten zahlreiche Zuschauer mit dem Slogan „No Disc, No Buy“ für Diskussionen.
Wir berichteten darüber in unserer Meldung Disc Protest überschattet Sonys State of Play erneut.
Die Botschaft der Protestbewegung ist bei vielen Spielern angekommen.
Ob sie auch Sonys Führung erreicht und zum Umdenken bewegt, steht auf einem anderen Blatt.
Gute Geschäftszahlen bedeuten nicht automatisch zufriedene Spieler
Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem eines: PlayStation bleibt wirtschaftlich erfolgreich.
127 Millionen monatlich aktive Nutzer und ein weiter wachsender Digitalanteil sind starke Ergebnisse.
Damit dürfte es für Kritiker schwierig werden, allein mit einem einwöchigen Konsolen-Blackout größeren Druck auf Sony auszuüben.
Trotzdem sollte man wirtschaftlichen Erfolg nicht mit uneingeschränkter Zustimmung gleichsetzen.
Ein Spieler kann Sonys Disc-Entscheidung kritisieren und seine PlayStation trotzdem weiterhin benutzen.
Ebenso kann jemand digitale Sonderangebote kaufen und gleichzeitig den Erhalt physischer Spiele unterstützen.
Auch die Tatsache, dass eine Protestaktion keine sichtbaren Auswirkungen auf Quartalszahlen besitzt, macht ihre Forderungen nicht automatisch bedeutungslos.
Für Sony besteht deshalb weiterhin die Herausforderung, den wirtschaftlichen Vorteilen des digitalen Vertriebs die Interessen seiner Kunden gegenüberzustellen.
Denn eine Spielekonsole lebt nicht nur von Umsatzstatistiken.
Sie lebt auch vom Vertrauen ihrer Nutzer.
Der eigentliche Test kommt möglicherweise erst 2028
Die heutigen Zahlen zeigen keinen erkennbaren wirtschaftlichen Schaden durch die bisherigen Protestaktionen.
Ob Sony deshalb seine Entscheidung zum Ende neuer Spiele-Discs überdenkt, erscheint aktuell zumindest fraglich.
Der eigentliche Test könnte allerdings erst 2028 beginnen.
Dann sollen die ersten neuen PlayStation-Veröffentlichungen nach Sonys angekündigtem rein digitalen Vertriebsmodell erscheinen.
Spätestens dann wird sich zeigen, wie viele Spieler tatsächlich bereit sind, auf neue Spiele zu verzichten, wenn keine Disc-Version mehr angeboten wird.
Bis dahin bleibt „No Disc, No Buy“ vor allem ein sichtbarer Ausdruck der Unzufriedenheit innerhalb eines Teils der Community.
Sonys Geschäftszahlen sprechen momentan nicht für einen erfolgreichen wirtschaftlichen Boykott.
Aber sie beweisen auch nicht, dass den Spielern das Thema egal ist.
Sony gewinnt derzeit bei den Zahlen. Ob das Unternehmen langfristig auch das Vertrauen aller PlayStation-Fans behält, ist eine andere Frage.
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