Die Homebrew-Szene rund um die PlayStation 5 sorgt erneut für eine ungewöhnliche Entwicklung. Nachdem modifizierte PS5-Konsolen zuletzt bereits Spiele der PlayStation 2, PlayStation 3 und sogar der ursprünglichen Xbox ausführen konnten, ist nun ein weiterer Schritt gelungen. Mit PSBox Cloud Gaming haben unabhängige Entwickler eine Anwendung veröffentlicht, die Xbox Cloud Gaming direkt auf einer modifizierten PlayStation 5 ermöglicht. Damit können unter bestimmten Voraussetzungen Xbox-Spiele über Microsofts Cloud-Dienst auf Sonys Konsole gestreamt werden.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Während Sony seine PlayStation-Plattform weiterhin vergleichsweise geschlossen hält und sich gleichzeitig auf eine zunehmend digitale Zukunft vorbereitet, erweitern Hobbyentwickler die technischen Möglichkeiten der PS5 immer stärker. Allerdings handelt es sich um eine inoffizielle Anwendung, die auf einer normalen PlayStation 5 nicht installiert werden kann.
Xbox Cloud Gaming funktioniert jetzt auf einer modifizierten PS5
Hinter dem neuen Projekt steht der Entwickler RafaelNGP.
Seine Anwendung trägt den Namen PSBox Cloud Gaming und wurde speziell für die Homebrew-Umgebung der PlayStation 5 entwickelt.
Anders als bei einem Emulator werden dabei keine Xbox-Spiele direkt auf der Hardware der Sony-Konsole ausgeführt.
Stattdessen verbindet sich die Anwendung mit Microsofts Cloud-Gaming-Dienst.
Das eigentliche Spiel läuft auf entfernten Servern und wird anschließend als Videostream auf die PS5 übertragen.
Eingaben über den DualSense-Controller werden über die Internetverbindung an den Dienst weitergeleitet.
Technisch ähnelt das Prinzip anderen Cloud-Gaming-Angeboten. Der Unterschied besteht darin, dass der Xbox-Dienst hier über eine native, von der Community entwickelte PS5-Anwendung genutzt wird.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation: Eine PlayStation 5 kann auf Spiele zugreifen, die über Xbox Cloud Gaming bereitgestellt werden.
Eine offizielle Zusammenarbeit zwischen Sony und Microsoft steckt allerdings nicht dahinter.
PSBox unterstützt 1080p und zusätzliche Grafikverbesserungen
Der Entwickler hat PSBox Cloud Gaming bereits mit verschiedenen Funktionen ausgestattet.
Nach der offiziellen Projektbeschreibung lassen sich Spiele mit einer Streamingauflösung von bis zu 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde darstellen.
Zusätzlich bietet die Anwendung eine Hochskalierung auf 4K.
Dafür kommen AMD FidelityFX Super Resolution 1 beziehungsweise Anime4K zum Einsatz.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Streamingauflösung und der späteren Bildausgabe.
Die Anwendung empfängt keinen nativen 4K-Spielestream, sondern versucht, das vorhandene Bild auf der PS5 nachträglich zu verbessern.
Dadurch können Konturen und bestimmte Bilddetails auf hochauflösenden Fernsehern ansprechender wirken.
Die Bildqualität hängt weiterhin von der Internetverbindung, der Qualität des ursprünglichen Streams und möglichen Kompressionsartefakten ab.
Ein natives Xbox-Spiel mit echter 4K-Berechnung wird dadurch nicht ersetzt.
Für eine inoffizielle Anwendung ist der Funktionsumfang dennoch beachtlich.
Auch der DualSense Controller wird unterstützt
Besonders interessant ist die Einbindung des PlayStation-Controllers.
PSBox Cloud Gaming behandelt den DualSense gegenüber dem Streaming-Dienst wie einen kompatiblen Xbox-Controller.
Gleichzeitig bleiben verschiedene PlayStation-spezifische Eigenschaften erhalten.
Dazu gehören unter anderem Vibrationsfunktionen, die Leuchtleiste und zusätzliche Anpassungen für die Eingabe.
Auch eine Unterstützung für bis zu vier Controller ist vorgesehen.
Damit können unter geeigneten Voraussetzungen sogar lokale Mehrspielerfunktionen verwendet werden.
Darüber hinaus bietet die Anwendung ein eigenes Menü, in dem Nutzer technische Informationen zum Stream abrufen und verschiedene Einstellungen verändern können.
Dazu gehören beispielsweise die Bildqualität, die Streamingauflösung und weitere Darstellungsoptionen.
Auch Verbindungsabbrüche sollen besser abgefangen werden, indem die Anwendung versucht, die Streaming-Sitzung automatisch wiederherzustellen.
Der Entwickler hat außerdem eine Funktion integriert, mit der sich Updates innerhalb der Anwendung verwalten lassen.
Damit geht PSBox deutlich über einen einfachen experimentellen Test hinaus.
Sogar die eigene Xbox lässt sich über die PS5 nutzen
Eine weitere Besonderheit betrifft die Verbindung zu einer vorhandenen Xbox-Konsole.
PSBox Cloud Gaming unterstützt nicht nur das eigentliche Xbox Cloud Gaming.
Über eine Remote-Play-Funktion kann auch eine eigene Xbox angesprochen werden.
Damit lassen sich Spiele und andere Inhalte einer kompatiblen Xbox-Konsole über das Netzwerk auf die modifizierte PS5 übertragen.
Auch hier wird das Spiel nicht direkt auf der PlayStation-Hardware ausgeführt.
Die Xbox übernimmt weiterhin die eigentliche Berechnung, während die PS5 lediglich Bild und Ton empfängt und Controller-Eingaben weiterleitet.
Dafür müssen die entsprechenden Dienste und Zugriffsrechte verfügbar sein.
Bei den meisten Spielen aus dem Cloud-Katalog wird außerdem eine geeignete Game-Pass-Mitgliedschaft benötigt.
Die Homebrew-Anwendung ersetzt also weder den Kauf eines Spiels noch ein erforderliches Abonnement.
Welche Titel tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt vom jeweiligen Microsoft-Konto und dem unterstützten Angebot ab.
Auf normalen PS5 Konsolen funktioniert die Anwendung nicht
Bei aller Begeisterung gibt es einen entscheidenden Haken.
PSBox Cloud Gaming benötigt eine PlayStation 5, auf der Homebrew-Anwendungen ausgeführt werden können.
Dafür ist eine entsprechend modifizierte Systemumgebung erforderlich.
Eine gewöhnliche PS5 mit aktueller offizieller Software bietet keinen regulären Installationsweg für diese Anwendung.
Auch im PlayStation Store ist PSBox nicht verfügbar.
Damit bleibt die neue Funktion zunächst einer vergleichsweise kleinen Gruppe technisch interessierter Nutzer vorbehalten.
Hinzu kommen mögliche Sicherheits- und Stabilitätsrisiken, die bei nicht offiziell unterstützter Software berücksichtigt werden müssen.
Wer tiefgreifende Änderungen an seiner Konsole vornimmt, kann außerdem auf Schwierigkeiten mit Systemupdates und den offiziellen Online-Diensten stoßen.
Auch für Microsofts Cloud-Angebot besteht keine Garantie, dass die inoffizielle Anwendung dauerhaft unterstützt wird.
Änderungen an technischen Schnittstellen oder Anmeldeverfahren könnten dazu führen, dass bestimmte Funktionen später nicht mehr verfügbar sind.
PS5 Jailbreaks machen derzeit enorme Fortschritte
Die Veröffentlichung von PSBox ist kein Einzelfall.
Innerhalb weniger Wochen haben verschiedene Entwickler zahlreiche neue Anwendungen für modifizierte PS5-Konsolen vorgestellt.
Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung von Emulatoren für ältere Systeme.
So gelang es kürzlich, den bekannten PlayStation-3-Emulator RPCS3 in einer experimentellen Version direkt unter der PS5-Systemumgebung auszuführen.
Zuvor war dafür auf entsprechenden Konsolen eine zusätzliche Linux-Umgebung notwendig gewesen.
In ersten Tests ließen sich bereits ältere Spiele starten.
Über diese Entwicklung hatten wir in unserem Artikel PS5 kann jetzt PS3 Spiele direkt starten und ein Klassiker läuft bereits berichtet.
Noch ungewöhnlicher war die Einführung einer nativen Emulationslösung für die ursprüngliche Xbox.
Mit XPSemu können Spiele wie Halo 2 oder Fable auf einer modifizierten PS5 ausgeführt werden.
Dabei erfolgt die Berechnung tatsächlich auf der Sony-Hardware.
Das unterscheidet diese Projekte grundsätzlich von PSBox Cloud Gaming, bei dem die Spiele von externen Servern oder einer Xbox-Konsole gestreamt werden.
Sogar originale PS2 Discs können inzwischen verwendet werden
Ein weiterer Fortschritt betrifft die Nutzung physischer PlayStation-Spiele.
Erst am Wochenende zeigte der Entwickler Sword, wie sich originale PlayStation-2-DVDs über das Laufwerk einer modifizierten PS5 einlesen lassen.
Möglich wird das durch eine Weiterentwicklung des Emulators PS5SX2.
Die Daten werden zunächst von der Disc kopiert und anschließend über den Emulator ausgeführt.
Damit ist erstmals eine interessante Verbindung zwischen einer vorhandenen PS2-Sammlung und der aktuellen PlayStation-Hardware entstanden.
Allerdings handelt es sich nicht um eine offizielle Abwärtskompatibilität.
Auch können nicht sämtliche PS2-Datenträger auf diesem Weg verwendet werden. Insbesondere CD-basierte Spiele stoßen auf Einschränkungen des PS5-Laufwerks.
Unser Artikel PS5 startet jetzt originale PS2 Discs und zeigt was technisch möglich ist erklärt die Unterschiede genauer.
Zusammen zeigen die verschiedenen Projekte, welche zusätzlichen Möglichkeiten unabhängige Entwickler aus der vorhandenen Hardware herausholen.
Sind Sonys Entscheidungen ein Grund für den Homebrew Boom?
Wccftech verbindet die aktuellen Fortschritte mit mehreren umstrittenen Entscheidungen von Sony.
Besonders die angekündigte Einstellung neuer physischer PlayStation-Veröffentlichungen ab 2028 und die eingeschränkte offizielle Unterstützung älterer Spielegenerationen werden in diesem Zusammenhang genannt.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar.
Wenn Spieler ihre alten Spiele nicht mehr direkt verwenden können, wächst möglicherweise das Interesse an alternativen technischen Lösungen.
Auch der Wunsch nach mehr Kontrolle über die eigene Hardware kann für die Homebrew-Szene eine Rolle spielen.
Allerdings lässt sich daraus kein direkter ursächlicher Zusammenhang beweisen.
Jailbreaks, Emulatoren und alternative Anwendungen existieren bereits seit vielen Jahren.
Ihre Entwicklung wird unter anderem durch neue Sicherheitslücken, zusätzliche technische Kenntnisse und die Zusammenarbeit unabhängiger Entwickler beeinflusst.
Auch die jüngsten Fortschritte bei der PS5 hängen damit zusammen, dass Homebrew-Zugriff inzwischen auf mehr Firmware-Versionen möglich geworden ist.
Die Aussage, Sony habe die neuen Anwendungen durch eigene Entscheidungen verursacht, wäre daher zu weitgehend.
Vielmehr treffen derzeit mehrere Entwicklungen aufeinander.
Warum Xbox Cloud Gaming offiziell nicht auf der PS5 verfügbar ist
Microsoft hatte seine Xbox-Strategie in den vergangenen Jahren zunehmend auf unterschiedliche Geräte ausgerichtet.
Unter dem bekannten Motto „This is an Xbox“ wurde hervorgehoben, dass Xbox-Spiele nicht ausschließlich auf einer klassischen Konsole erlebt werden müssen.
Cloud Gaming spielt dabei eine wichtige Rolle.
Unterstützte Spiele können auf verschiedenen Geräten gestreamt werden, ohne dass leistungsstarke Gaming-Hardware erforderlich ist.
Eine reguläre Xbox-Cloud-Gaming-Anwendung für die PlayStation 5 bietet Microsoft bislang allerdings nicht an.
Auch Sony hat keine entsprechende offizielle Integration angekündigt.
PSBox Cloud Gaming umgeht diese Lücke nicht durch eine neue Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen, sondern nutzt die technischen Möglichkeiten einer modifizierten Konsole.
Damit entsteht ein ungewöhnlicher Blick auf die Zukunft geschlossener Plattformen.
Die Hardware kann grundsätzlich als Wiedergabegerät für unterschiedliche Streaming-Dienste dienen.
Welche Anwendungen offiziell verfügbar sind, hängt jedoch weiterhin von den Entscheidungen der Plattformbetreiber ab.
Die PS5 kann technisch mehr als Sony offiziell erlaubt
Die neue Anwendung demonstriert vor allem, wie vielseitig die PlayStation 5 technisch eingesetzt werden kann.
Neben regulären PS5- und PS4-Spielen lassen sich auf modifizierten Konsolen inzwischen zahlreiche experimentelle Anwendungen verwenden.
Dazu gehören Emulatoren, alternative Software und jetzt sogar ein nativer Client für Xbox Cloud Gaming.
Das macht die PS5 allerdings nicht zu einer vollwertigen Xbox.
Die Spiele laufen beim Cloud Gaming weiterhin außerhalb der Konsole, und die Unterstützung ist weder von Sony noch von Microsoft offiziell freigegeben.
Für die große Mehrheit der PlayStation-Spieler bleibt PSBox deshalb vorerst ohne praktische Bedeutung.
Trotzdem liefert das Projekt ein interessantes Beispiel dafür, wie unabhängige Entwickler die Grenzen eines geschlossenen Konsolensystems ausloten.
Und mit Blick auf die jüngsten Fortschritte dürfte die Homebrew-Szene auch in den kommenden Monaten weitere ungewöhnliche Anwendungen hervorbringen.
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