Die PlayStation 5 macht bei der Emulation älterer Konsolen einen weiteren Schritt. Ein Modder hat den bekannten PlayStation-3-Emulator RPCS3 so angepasst, dass dieser direkt auf einer modifizierten PS5 läuft. Eine zusätzliche Linux-Installation ist dafür nicht mehr erforderlich. Erste Tests auf einer PS5 Pro zeigen bereits spielbare Ergebnisse, darunter Need for Speed Carbon.
Die Entwicklung ist besonders interessant, weil Sony bis heute keine reguläre Möglichkeit anbietet, PS3-Spiele direkt auf der PS5 auszuführen. Während ausgewählte Titel über PlayStation Plus Premium gestreamt werden können, bleibt eine umfassende lokale Abwärtskompatibilität weiterhin aus.
RPCS3 läuft erstmals als native Anwendung auf der PS5
Hinter dem Projekt steht der Entwickler LavaVex, der auf GitHub eine experimentelle Umsetzung namens RPCS3-PS5 veröffentlicht hat.
Anders als bei früheren Versuchen wird der Emulator nicht innerhalb eines zusätzlich installierten Linux-Systems ausgeführt. Stattdessen läuft er als sogenannte Homebrew-Anwendung direkt unter der PS5-Systemumgebung.
Dafür greift das Projekt auf verschiedene Schnittstellen der Konsole zurück. Die Grafikausgabe erfolgt über Vulkan und einen angepassten RADV-Treiber. Für den Ton wird die PS5-Schnittstelle SceAudioOut verwendet, während die Eingaben des DualSense-Controllers über ScePad verarbeitet werden.
Die Benutzeroberfläche basiert auf dem Big Picture Mode von RPCS3. Damit entsteht eine technische Grundlage, um PS3-Spiele innerhalb einer nativen Anwendung auf der PlayStation 5 auszuführen.
Eine wichtige Einschränkung bleibt allerdings bestehen: Der Emulator funktioniert nur auf einer entsprechend modifizierten Konsole mit Jailbreak.
Need for Speed Carbon läuft bereits auf der PS5 Pro
Getestet wurde die bisherige Version laut Projektbeschreibung auf einer PlayStation 5 Pro mit Firmware 13.60.
Besonders erfreulich fällt dabei das Ergebnis von Need for Speed Carbon aus. Das Rennspiel wird vom Entwickler bereits als vollständig spielbar bezeichnet.
Beim ersten inFAMOUS zeigen sich dagegen noch deutliche Leistungsprobleme. Hier erreicht der Emulator offenbar noch keine ausreichend stabile Performance.
Von einer umfassenden PS3-Kompatibilität kann deshalb noch keine Rede sein. Die bisherige Testauswahl ist klein, und zahlreiche Spiele wurden noch überhaupt nicht überprüft.
Der Entwickler weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass Abstürze, eingefrorene Spiele und andere technische Probleme zu erwarten sind. Auch das offizielle RPCS3-Team unterstützt diese spezielle PS5-Version nicht.
Was bedeutet das für die PS3-Abwärtskompatibilität?
Die neue Umsetzung liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass PS3-Emulation auf moderner PlayStation-Hardware grundsätzlich möglich ist.
Bereits im Mai 2026 hatte Digital Foundry die Leistungsfähigkeit des RPCS3-Emulators auf einer normalen PS5 untersucht. Damals kam allerdings eine Linux-Installation zum Einsatz.
Die Ergebnisse unterschieden sich je nach Spiel erheblich. Einige Titel erreichten hohe Bildraten, während andere unter deutlichen Leistungseinbrüchen litten.
Der neue Port verfolgt nun einen anderen Ansatz und verzichtet auf die zusätzliche Linux-Umgebung.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Sony eine vollständige Abwärtskompatibilität problemlos anbieten könnte.
Die PlayStation 3 besitzt mit ihrem Cell-Prozessor eine ungewöhnliche Architektur. Viele Spiele nutzen dessen spezialisierte Recheneinheiten intensiv. Diese Abläufe zuverlässig auf moderner Hardware nachzubilden, bleibt technisch anspruchsvoll.
Eine offizielle Lösung müsste außerdem für eine große Anzahl unterschiedlicher Spiele zuverlässig funktionieren. Einzelne erfolgreiche Tests reichen dafür nicht aus.
Sony bietet PS3-Spiele weiterhin hauptsächlich über Streaming an
Für PlayStation-Spieler bleibt die Situation damit zunächst unverändert.
Die PS5 unterstützt einen Großteil der PS4-Bibliothek direkt. Ausgewählte Klassiker älterer PlayStation-Generationen sind ebenfalls über den PlayStation Store beziehungsweise PlayStation Plus verfügbar.
Bei PS3-Spielen setzt Sony dagegen weiterhin auf Cloud-Streaming im Rahmen von PlayStation Plus Premium.
Besitzer originaler PS3-Discs können ihre Spiele nicht einfach in die PS5 einlegen und starten. Auch digital erworbene PS3-Titel lassen sich nicht grundsätzlich lokal auf der aktuellen Konsole installieren.
Ob Sony irgendwann eine eigene PS3-Emulationslösung veröffentlicht, ist weiterhin offen. Eine entsprechende Ankündigung gibt es bislang nicht.
Die PS5 Homebrew-Szene macht weitere Fortschritte
Der neue RPCS3-Port ist nicht das einzige bemerkenswerte Projekt der vergangenen Wochen.
Erst kürzlich wurde mit XPSemu ein Emulator vorgestellt, der sogar Spiele der ursprünglichen Xbox auf einer modifizierten PS5 ausführt. Unter anderem lassen sich damit Halo 2, Fable und das erste Forza Motorsport starten.
In unserem Artikel PS5 startet jetzt sogar Xbox Spiele und Halo 2 läuft bereits überraschend gut haben wir die bisherigen Ergebnisse genauer vorgestellt.
Auch die Installation von Linux auf Sonys Konsole sorgte bereits für interessante Experimente. So konnte ein Modder GTA 5 auf einer entsprechend angepassten PS5 unter Linux ausführen.
Mehr dazu gibt es in unserem Bericht über GTA 5 mit 4K und 60 FPS auf einer PS5 mit Linux.
Diese Entwicklungen zeigen, welche Möglichkeiten unabhängige Entwickler inzwischen auf der Hardware erschließen. Für Besitzer einer regulären PS5 sind solche Anwendungen allerdings nicht ohne Weiteres nutzbar.
Noch ein Experiment statt einer fertigen Lösung
RPCS3-PS5 befindet sich derzeit in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Auf GitHub stehen der Quellcode und die benötigten Build-Skripte bereit, jedoch kein fertig installierbares Emulatorpaket.
Ob sich die Kompatibilität und Leistung in den kommenden Monaten deutlich verbessern lassen, müssen weitere Tests zeigen.
Der technische Fortschritt ist dennoch bemerkenswert: Erstmals gibt es einen experimentellen nativen RPCS3-Port für die PS5, der bereits ein kommerzielles PS3-Spiel vollständig spielbar ausführt.
An Sonys offizieller Unterstützung für PS3-Spiele ändert sich dadurch vorerst nichts.
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