Ein PlayStation-5-Spiel läuft lokal auf einem iPad Air mit M2-Chip – ohne angeschlossene PS5, ohne Remote Play und ohne Streaming von einem PC. Ein neuer Forschungsprototyp kombiniert dafür mehrere bestehende Projekte und schlägt einen ungewöhnlichen Weg ein, der sich deutlich von klassischen PS5-Emulatoren unterscheidet. Noch steht die Entwicklung ganz am Anfang, technisch ist das Experiment aber durchaus bemerkenswert.
Im Mittelpunkt steht das Spiel Dreaming Sarah, dessen echte PS5-Fassung auf einem 13 Zoll großen iPad Air mit M2-Prozessor und iPadOS 27.0.1 gestartet wurde. Laut der ausführlichen Projektdokumentation funktionieren bereits das Publisher-Logo, das Hauptmenü, der Start eines neuen Spiels sowie sichtbares Gameplay. Auch Laufen, Springen, Musik und Dialoge mit NPCs wurden erfolgreich getestet. Gesteuert wird das Spiel über die Touch-Steuerung auf dem iPad.
Dass es sich tatsächlich um eine PlayStation-5-Version von Dreaming Sarah handelt, ist dabei relevant. Das Spiel erschien 2021 offiziell für PS4 und PS5 und wird im PlayStation Store mit beiden Versionen angeboten.
Keine PS5 und kein Remote Play notwendig
Besonders interessant ist die Art, wie das Spiel auf Apples Hardware gebracht wird. Während klassisches Remote Play lediglich das Bild einer laufenden PlayStation auf ein anderes Gerät überträgt, erfolgt die Ausführung bei diesem Experiment direkt auf dem iPad.
Eine PS5 oder ein entfernter Gaming-PC ist während des Spielens laut Projektdokumentation nicht beteiligt. Stattdessen werden mehrere unterschiedliche Technologien miteinander kombiniert.
Eine zentrale Rolle übernimmt AnyPS5. Das noch junge Open-Source-Projekt verfolgt einen anderen Ansatz als typische Emulatoren. Eine entschlüsselte PS5-Programmdatei wird vor dem Start für das Zielsystem neu verlinkt und beispielsweise in eine ausführbare x86-64-Windows-Datei umgewandelt. Gleichzeitig stellt AnyPS5 eigene Implementierungen benötigter PS5-Systemfunktionen zur Verfügung.
AnyPS5 selbst bezeichnet diesen Ansatz ausdrücklich nicht als klassische Emulation. Auf einem herkömmlichen Windows-PC läuft Dreaming Sarah mit dem Projekt bereits mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde auf vergleichsweise älterer Hardware.
Madeira bringt das PS5-Spiel auf Apples ARM-Chip
Damit diese vorbereitete Windows-Datei wiederum auf einem iPad mit ARM-Prozessor funktioniert, kommt Madeira ins Spiel.
Madeira ist ebenfalls ein Forschungsprojekt und wurde ursprünglich entwickelt, um x86-64-Windows-Spiele auf iPhones und iPads auszuführen. Dafür kombiniert das Projekt unter anderem Wine mit FEX. Wine stellt benötigte Windows-Funktionen bereit, während FEX den x86-64-Code während der Ausführung in ARM64-Code übersetzt. Madeira selbst bezeichnet sich ausdrücklich als Forschungsprojekt, bei dem Kompatibilität und Leistung derzeit stark vom jeweiligen Spiel abhängen.
Beim PS5-Experiment kommt noch ein weiteres Problem hinzu: die Grafik.
AnyPS5 verarbeitet unter anderem Grafikbefehle und Shader der PS5 und gibt diese über Vulkan aus. Apples Geräte unterstützen jedoch Metal statt Vulkan. Deshalb wurde die Kette um MoltenVK erweitert.
Vereinfacht dargestellt sieht der Weg damit so aus:
PS5-Spiel → AnyPS5 → Windows x86-64 → Wine/FEX → ARM64 → Vulkan → MoltenVK → Metal → iPad
Die Entwickler dokumentieren dabei unter anderem die Verarbeitung von PS5-AGC-Grafikbefehlen und RDNA-Shadern sowie zusätzliche Shader-Anpassungen, die für den M2-Chip notwendig waren.
Noch weit entfernt von einem PS5-Emulator für das iPad
So beeindruckend der Versuch klingt, von einer allgemein nutzbaren Möglichkeit, PS5-Spiele auf einem iPad zu spielen, kann derzeit keine Rede sein.
Bislang wurde lediglich Dreaming Sarah auf einem iPad Air M2 dokumentiert. Auch eine stabile Bildrate von 60 FPS wurde auf dem iPad ausdrücklich nicht nachgewiesen. Langzeittests, Save- und Load-Funktionen sowie die Kompatibilität mit weiteren Spielen sind ebenfalls noch offen.
Eine fertige IPA-Datei, die Nutzer einfach installieren könnten, gibt es derzeit ebenfalls nicht. Das Projekt muss aus dem Quellcode gebaut werden. Die Entwickler weisen außerdem darauf hin, dass sich der belegte Gerätestand momentan ausschließlich auf das getestete iPad Air M2 mit iPadOS 27.0.1 bezieht.
Der Begriff „PS5-Emulator“ wäre für dieses Projekt ohnehin nur bedingt passend. AnyPS5 setzt auf ein vorheriges Relinking der PS5-Anwendung, während Madeira anschließend unter anderem die Übersetzung des x86-64-Codes auf ARM64 übernimmt. Die Entwickler sprechen deshalb eher von einem mehrstufigen Kompatibilitäts- und Übersetzungsansatz.
Auch Madeira-Entwickler Will Faust reagierte auf X überrascht darauf, dass AnyPS5 bereits in Madeira zum Laufen gebracht wurde.
Interessanter neuer Weg für PS5-Spiele
Ob aus diesem Experiment irgendwann eine breitere Kompatibilität mit PS5-Spielen entsteht, ist derzeit völlig offen. Gerade der Ansatz ist jedoch spannend, weil hier verschiedene Projekte miteinander kombiniert werden, anstatt eine komplette PlayStation 5 auf Softwareebene nachzubilden.
Das Repository selbst enthält nach Angaben des Projekts keine Spiele oder Spieldaten. Für die Vorbereitung wird ein eigener entschlüsselter Dump benötigt. Entsprechend handelt es sich aktuell vor allem um ein Forschungsprojekt für Entwickler und technisch interessierte Nutzer und nicht um eine fertige Lösung für Endkunden.
Vielen Dank an B. für den Hinweis per Mail und die ausführlichen technischen Hintergründe.
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Klingt beeindruckend, aber die Anforderungen sind hoch. Ohne entschlüsselten Dump und eigenes Bauen aus dem Quellcode bleibt das aktuell nur für Entwickler und Technikinteressierte.
Spannend, wie verschiedene Projekte kombiniert wurden. Wichtig zu wissen: Es fehlen noch viele Dinge wie stabile Bildrate, Speichern und Unterstützung weiterer Spiele.
Interessanter technischer Ansatz. Schön zu sehen, dass ein PS5-Spiel auf dem iPad gestartet wurde, aber das ist momentan eher ein Experiment als eine Lösung für normale Nutzer.