Der große PlayStation Boykott Ende August sollte Sony dort treffen, wo es sichtbar wird: bei den aktiven Spielern. Unterstützer wurden dazu aufgerufen, ihre PlayStation mehrere Tage ausgeschaltet zu lassen und möglichst kein Geld im PlayStation Store auszugeben. Jetzt gibt es erstmals belastbarere Daten zu einem Teil dieser Aktion. Und zumindest in den USA fällt das Ergebnis ziemlich eindeutig aus.
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Circana war während des sogenannten PlayStation Blackouts keine signifikante Veränderung bei den Spielerzahlen oder beim Engagement festzustellen.
Damit bekommen wir erstmals eine konkretere Antwort auf eine Frage, die auch uns nach Ende der Protestwoche beschäftigt hatte: Hat Sony den Boykott überhaupt bemerkt?
Zumindest bei der Nutzung der PlayStation Plattform offenbar kaum.
Circana konnte keinen auffälligen Rückgang feststellen
Die neue Einschätzung stammt von Mat Piscatella, Executive Director und Analyst bei Circana.
Piscatella veröffentlichte am 14. September aktuelle Daten aus dem Circana Player Engagement Tracker. Daraufhin wurde er direkt gefragt, ob während des PlayStation Blackouts Veränderungen festgestellt worden seien, die auf die Protestaktion zurückgeführt werden könnten.
Seine Antwort fiel ungewöhnlich eindeutig aus.
Es habe in den erhobenen Daten keine signifikante Veränderung bei Spielerzahl oder Engagement gegeben.
Circana beobachtet unter anderem die Nutzung verschiedener Gaming Plattformen und veröffentlicht regelmäßig Ranglisten zu den aktiven Spielern in den USA. Die Aussage liefert damit deutlich mehr Substanz als Likes, geteilte Beiträge oder Umfragen in sozialen Netzwerken.
Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Die vorliegenden Daten beziehen sich auf die USA.
Ob es beispielsweise in Europa oder anderen Regionen messbare Veränderungen gegeben hat, lässt sich daraus nicht ableiten.
Genau diese Zahl fehlte nach dem Boykott bisher
Auf PlayStationInfo.de hatten wir bereits während und unmittelbar nach dem Protest ausführlich über die Aktion berichtet.
Der ursprüngliche PlayStation Blackout lief vom 23. bis zum 30. August 2026. Spieler sollten ihre Konsolen möglichst nicht verwenden, sich nicht im PlayStation Network anmelden und während dieser Zeit auch auf Käufe über Sonys digitale Plattform verzichten.
Auslöser war die wachsende Kritik an Sonys zukünftiger Strategie bei physischen Spielen.
Als der ursprünglich angesetzte Protestzeitraum endete, war eine seriöse Bewertung allerdings schwierig. Es gab keine offizielle Teilnehmerzahl und aus Reaktionen bei X, Reddit oder anderen sozialen Netzwerken ließ sich nicht zuverlässig ableiten, wie viele Menschen ihre PlayStation tatsächlich ausgeschaltet hatten.
Genau deshalb hatten wir in unserer bisherigen Bilanz festgehalten, dass die wichtigste Zahl fehlt.
Jetzt gibt es zumindest für den amerikanischen Markt eine deutlich bessere Antwort.
Wenn Circana während der Protestwoche keinen signifikanten Rückgang bei Spielern oder Engagement erkennen konnte, spricht vieles dafür, dass der Blackout nicht genügend aktive PlayStation Nutzer erreicht hat, um einen messbaren Effekt auf die Plattformnutzung auszulösen.
Social Media Reichweite bedeutet nicht automatisch Teilnahme
Das Ergebnis zeigt gleichzeitig ein grundsätzliches Problem solcher Online Protestaktionen.
Der PlayStation Blackout erhielt vor seinem Start viel Aufmerksamkeit. Beiträge wurden hunderttausendfach angesehen, geteilt und kommentiert. Auch die grundsätzliche Kritik am möglichen Bedeutungsverlust physischer Spiele wird von zahlreichen Spielern geteilt.
Doch Aufmerksamkeit ist nicht dasselbe wie tatsächliche Teilnahme.
Ein Spieler kann einen Beitrag zum Erhalt physischer Spiele unterstützen und trotzdem am Abend seine PlayStation einschalten. Ebenso bedeutet ein geteilter Hashtag nicht automatisch, dass jemand eine Woche lang auf seine Konsole oder Einkäufe im PlayStation Store verzichtet.
Die Circana Daten deuten nun darauf hin, dass diese Differenz größer gewesen sein könnte als von einigen Unterstützern erwartet.
Auch eine Analyse des Unternehmens Cyabra hatte Anfang September zusätzliche Fragen zur tatsächlichen Online Reichweite aufgeworfen. Demnach soll ein Teil der Diskussion rund um den Blackout durch nicht authentische Accounts verstärkt worden sein. Das bedeutet nicht, dass die Kritik an Sonys Strategie künstlich ist, zeigt aber erneut, warum Social Media Zahlen nur begrenzt Rückschlüsse auf tatsächliches Nutzerverhalten zulassen.
Bedeutet das automatisch dass der gesamte Protest gescheitert ist?
Ganz so einfach lässt sich die neue Aussage nicht interpretieren.
Piscatellas Einschätzung bezieht sich ausdrücklich auf Spielerzahlen und Engagement innerhalb der von Circana erfassten US Daten.
Der ursprüngliche Protest forderte die Teilnehmer allerdings nicht nur dazu auf, ihre Konsolen auszuschalten. Unterstützer sollten während dieses Zeitraums ebenfalls möglichst keine digitalen Spiele oder anderen Inhalte kaufen.
Ob die Aktion Auswirkungen auf Umsätze im PlayStation Store hatte, geht aus den jetzt veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Auch längerfristige Auswirkungen auf das Image von PlayStation oder die Diskussion über physische Spiele lassen sich anhand von Nutzungszahlen nicht messen.
Deshalb wäre die Aussage, der gesamte Protest habe keinerlei Wirkung gehabt, zu weitgehend.
Was sich nun allerdings deutlich besser beurteilen lässt, ist sein ursprünglich sichtbarstes Ziel: genügend Spieler gleichzeitig offline zu bekommen, damit sich dies in den Nutzungsdaten bemerkbar macht.
Und dieses Ziel wurde nach den vorliegenden US Daten offenbar nicht erreicht.
Die Organisatoren wollen trotzdem weitermachen
Mit dem Ende des ursprünglichen Zeitraums ist die Bewegung zudem nicht vollständig verschwunden.
Die Betreiber hinter PSBlackout haben inzwischen erklärt, dass die Kampagne auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden soll. Die Teilnahme bleibt freiwillig, während weiterhin für physische Spiele, langfristigen Besitz und Wahlmöglichkeiten zwischen digitalen und physischen Veröffentlichungen geworben wird.
Damit verschiebt sich der Charakter der Aktion allerdings zunehmend.
Aus einem konzentrierten einwöchigen Blackout wird eine langfristigere Protestkampagne. Ob eine solche Bewegung mehr Einfluss auf Sonys Entscheidungen haben kann, bleibt offen.
Sony selbst hat bislang jedenfalls keine grundlegende Kursänderung als Reaktion auf den Boykott angekündigt.
Für den ursprünglichen PlayStation Blackout vom 23. bis 30. August gibt es nun aber erstmals eine recht deutliche Zwischenbilanz: Trotz großer Diskussionen in sozialen Netzwerken konnte Circana in den USA keinen signifikanten Einbruch bei Spielerzahlen oder Engagement feststellen.
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