Seit mehr als einem Jahrzehnt warten Fans von Sleeping Dogs auf eine Fortsetzung des ungewöhnlichen Open-World-Spiels. Eine echte Ankündigung gibt es weiterhin nicht, doch einer der Entwickler des Originals hält eine Rückkehr zumindest grundsätzlich für möglich. Designer Alastair Cornish glaubt, dass ein neues Sleeping Dogs funktionieren könnte. Dafür müssten allerdings gleich mehrere Bedingungen zusammenkommen. Er spricht selbst von einer Art „planetarer Ausrichtung“, die für einen Nachfolger notwendig wäre.
Cornish arbeitete am 2012 veröffentlichten Sleeping Dogs und wurde später Vice President of Design bei Splash Damage. Im Gespräch mit FRVR blickte er nun auf die gescheiterte Fortsetzung und die Schwierigkeiten zurück, die ein modernes Sleeping Dogs mit sich bringen würde.
Wichtig bleibt dabei: Sleeping Dogs 2 befindet sich nach aktuellem Stand nicht in Entwicklung.
Sleeping Dogs 2 war tatsächlich einmal geplant
Die Hoffnung auf einen zweiten Teil ist keineswegs nur ein Wunsch der Community.
Nach dem Erfolg des Originals arbeitete United Front Games tatsächlich an Ideen für Sleeping Dogs 2. Das Projekt wurde jedoch bereits Anfang 2013 wieder eingestellt.
Später entstand mit Triad Wars noch ein Online-Ableger im gleichen Universum. Auch daraus wurde letztlich kein langfristiges Projekt. Nach einer Beta-Phase wurde Triad Wars Ende 2015 eingestellt.
United Front Games selbst schloss schließlich 2016 seine Türen.
Seitdem liegt Sleeping Dogs praktisch brach, obwohl das Spiel bis heute eine sehr aktive Fangemeinde besitzt.
Cornish bezeichnet die Einstellung der geplanten Fortsetzung entsprechend als große Enttäuschung. Seiner Ansicht nach hätte die damalige Mannschaft noch sehr viel Potenzial besessen.
Die Entwicklungskosten waren bereits damals ein Problem
Der ehemalige Designer nennt allerdings einen entscheidenden Grund, weshalb die Situation schwieriger war, als sie von außen möglicherweise wirkte.
United Front Games befand sich in Vancouver.
Dort konkurrierten zahlreiche Studios um erfahrene Entwickler, wodurch Gehälter und andere Betriebskosten entsprechend hoch ausfielen. Dazu kamen Mieten und die allgemeinen Kosten eines großen Teams.
Ein Sleeping Dogs 2 sei deshalb grundsätzlich möglich gewesen, wirtschaftlich aber nicht zwingend zu den damaligen Kosten.
Genau dieses Problem wäre heute vermutlich noch größer.
Moderne Open-World-Spiele gehören zu den teuersten Projekten der gesamten Branche. Gleichzeitig müsste ein neues Sleeping Dogs zahlreiche unterschiedliche Systeme miteinander kombinieren.
Ein neues Sleeping Dogs müsste cleverer entwickelt werden
Sleeping Dogs war nicht einfach nur ein GTA-Klon in Hongkong.
Das Spiel kombinierte eine offene Stadt mit Martial-Arts-Kämpfen, Feuergefechten, Fahrzeugen, Verfolgungsjagden und Parkour-Elementen.
Genau diese Vielfalt macht eine Fortsetzung teuer.
Cornish sieht einen möglichen Nachfolger deshalb nur dann als realistisch an, wenn ein Entwickler sehr genau festlegt, welche technische Qualität erreicht werden soll, welchen Markt man bedienen möchte und welche modernen Werkzeuge die Produktionskosten reduzieren können.
Das Team müsste außerdem äußerst diszipliniert mit seinem Budget umgehen.
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Nicht jeder technische Bereich müsste zwangsläufig mit den teuersten AAA-Produktionen konkurrieren. Entscheidend wäre vielmehr, die Stärken von Sleeping Dogs gezielt auszubauen.
Cornish schließt einen Nachfolger deshalb nicht grundsätzlich aus.
In der Spieleentwicklung solle man niemals nie sagen. Für eine tatsächliche Rückkehr müssten allerdings leidenschaftliche Entwickler, eine vernünftige Finanzierung und die richtige Produktionsstrategie gleichzeitig zusammenkommen.
Eine riesige Open World wäre nicht automatisch besser
Besonders interessant ist Cornishs Haltung zur offenen Spielwelt.
Ein mögliches Sleeping Dogs 2 müsste seiner Meinung nach nicht zwangsläufig versuchen, mit der größten Karte auf dem Markt zu werben.
Der Entwickler kritisiert Open-World-Spiele, deren Welt nur deshalb riesig ausfällt, damit anschließend zahlreiche ähnliche Aktivitäten und Sammelaufgaben darauf verteilt werden können.
Für ihn sollte eine offene Welt einen konkreten spielerischen Zweck erfüllen.
Das Original sei gerade deshalb interessant gewesen, weil viele Nebenaktivitäten zur Geschichte und zu Wei Shens Rolle als Undercover-Polizist passten.
Eine Fortsetzung müsste ähnlich vorgehen.
Statt immer größer zu werden, könnte eine kompaktere und detailliertere Stadt möglicherweise sogar besser zu Sleeping Dogs passen.
Cornish sieht in der Branche inzwischen ohnehin eine Abkehr vom früheren Wettlauf um die größte Open-World-Karte. Moderne Spiele würden zunehmend wieder stärker fokussierte Welten einsetzen.
Fans warten seit 2012 auf eine echte Fortsetzung
Sleeping Dogs erschien ursprünglich 2012 für PlayStation 3, Xbox 360 und PC. Später folgte die Definitive Edition für PS4, Xbox One und PC.
Im Mittelpunkt steht Wei Shen, ein Undercover-Polizist, der in Hongkong die kriminellen Triaden infiltriert.
Besonders das Nahkampfsystem hob das Spiel von vielen anderen Open-World-Titeln seiner Zeit ab. Spieler konnten Gegner mit Martial-Arts-Techniken bekämpfen und zahlreiche Elemente der Umgebung in die Auseinandersetzungen einbeziehen.
Die Mischung aus Hongkong-Actionkino, Polizeigeschichte und offener Spielwelt sorgte dafür, dass Sleeping Dogs über die Jahre einen gewissen Kultstatus entwickelte.
Genau deshalb taucht die Forderung nach einem Nachfolger auch mehr als 14 Jahre später regelmäßig wieder auf.
Eine Rückkehr ist möglich aber derzeit nicht geplant
Cornishs Aussagen sind damit vor allem ein Hoffnungsschimmer und keine Ankündigung.
Es gibt derzeit kein bestätigtes Entwicklerteam, keinen Veröffentlichungstermin und auch keinen Hinweis darauf, dass Sleeping Dogs 2 aktuell produziert wird.
Seine Einschätzung zeigt allerdings, dass ein ehemaliger Entwickler des Originals die Marke keineswegs für grundsätzlich ungeeignet für eine moderne Fortsetzung hält.
Die wichtigste Voraussetzung wäre offenbar, Sleeping Dogs nicht einfach in ein gigantisches und entsprechend teures AAA-Projekt zu verwandeln.
Ein fokussiertes Open-World-Spiel mit einem erfahrenen Team, sinnvoll eingesetztem Budget und den bekannten Stärken des Originals könnte nach Cornishs Einschätzung auch heute noch funktionieren.
Ob sich irgendwann tatsächlich genügend dieser Faktoren gleichzeitig zusammenfinden, bleibt allerdings offen.
Für Sleeping-Dogs-Fans gilt damit weiterhin: Aufgeben muss man die Hoffnung nicht. Eine echte Rückkehr ist derzeit aber noch weit von einer Ankündigung entfernt.
Quelle: FRVR








Ich mochte das erste Spiel sehr. Lieber ein kleines, stimmiges Spiel als nur eine riesige Karte. Geduld ist weiter gefragt.
Schade, dass United Front Games geschlossen wurde. Die Punkte zu hohen Kosten und einer fokussierten Welt machen Sinn. Eine kompakte Stadt fände ich besser.
Interessant. Gut zu lesen, dass ein Nachfolger möglich ist, auch wenn vieles zusammenkommen muss. Ich hoffe, ein Team findet eine gute Lösung.