NewsGTA 6: Ex-Rockstar-Entwickler hält Leak-Panik für völlig übertrieben

GTA 6: Ex-Rockstar-Entwickler hält Leak-Panik für völlig übertrieben

Seit Tagen sorgen die zahlreichen GTA-6-Leaks für Schlagzeilen. Take-Two versucht mit Copyright-Meldungen und rechtlichen Schritten gegen die Veröffentlichungen vorzugehen. Ein ehemaliger Rockstar-Entwickler sieht die ganze Sache allerdings wesentlich entspannter. Für Obbe Vermeij sind die aktuellen Leaks langfristig kaum mehr als ein kleiner Zwischenfall.

Und Vermeij ist nicht irgendwer. Der Entwickler arbeitete viele Jahre bei Rockstar North und war als Technical Director an GTA 3, GTA: Vice City, GTA: San Andreas und GTA 4 beteiligt.

Seine Einschätzung fällt überraschend deutlich aus: Die Aufregung rund um die aktuellen GTA-6-Leaks sei seiner Meinung nach weit größer als deren tatsächliche Bedeutung.

„Beruhigt euch alle“

Vermeij äußerte sich in sozialen Netzwerken ausführlich zur aktuellen Situation und bezeichnete die GTA-6-Leaks sinngemäß als „Nothing Burger“ – also als etwas, das wesentlich größer gemacht wird, als es tatsächlich ist.

Seiner Ansicht nach ist bislang vor allem eines passiert: Gameplay-Material ist etwas früher als von Rockstar vorgesehen an die Öffentlichkeit gelangt.

Rockstar verfolgt bei GTA 6 eine sehr kontrollierte Marketingstrategie und hält Informationen länger zurück als viele andere Publisher. Durch CyberLeek wurde dieser Plan zwar teilweise durchkreuzt, einen größeren Schaden für das eigentliche Spiel sieht Vermeij darin jedoch nicht.

90 Prozent der späteren Spieler interessieren die Leaks vermutlich kaum

Besonders interessant ist seine Einschätzung zur tatsächlichen Reichweite der Leak-Welle.

Innerhalb der Gaming-Community entsteht derzeit schnell der Eindruck, als würde praktisch jeder zukünftige GTA-6-Spieler die neuen Videos verfolgen.

Vermeij sieht das völlig anders.

Er geht davon aus, dass 90 Prozent der zukünftigen Spieler ihre Zeit nicht damit verbringen, im Internet nach kurzen geleakten Gameplay-Videos zu suchen.

Viele Spieler hätten dafür schlicht keine Zeit oder möchten sich bewusst nicht spoilern lassen.

Die aktuellen Leaks erreichen damit zwar die besonders aktive GTA-Community, aber möglicherweise nur einen kleinen Teil der späteren Millionen Käufer.

Entwickler dürften genervt sein – mehr aber auch nicht

Auch die Stimmung innerhalb von Rockstar schätzt Vermeij weniger dramatisch ein, als manche Berichte vermuten lassen.

Die Teams dürften seiner Meinung nach durchaus etwas genervt davon sein, dass unfertiges beziehungsweise nicht zur Veröffentlichung vorgesehenes Material im Internet landet.

Größere Auswirkungen auf die eigentliche Entwicklung erwartet er allerdings nicht.

Anders könnte es beim Management von Rockstar und Take-Two aussehen.

Schließlich verliert das Unternehmen durch die Veröffentlichungen teilweise die Kontrolle über die eigene Marketingkampagne und versucht inzwischen mit rechtlichen Mitteln, weitere Leaks zu verhindern.

Hot Coffee war für Rockstar eine ganz andere Hausnummer

Vermeij kann die aktuelle Situation mit einem der größten Skandale in der Geschichte von Rockstar vergleichen – denn er war damals selbst dabei.

Die Rede ist von Hot Coffee.

2005 wurde bekannt, dass sich im Code von GTA: San Andreas Inhalte eines ursprünglich deaktivierten Sex-Minispiels befanden. Modder machten diese Inhalte wieder zugänglich.

Die Folgen waren erheblich. Rockstar geriet politisch und rechtlich unter Druck, die Altersfreigabe des Spiels wurde in den USA zwischenzeitlich geändert und bereits ausgelieferte Exemplare mussten ersetzt beziehungsweise angepasst werden.

Vermeij erinnert sich daran, dass die Situation insbesondere für das Rockstar-Management in New York ein Albtraum gewesen sei.

Verglichen damit seien die aktuellen GTA-6-Leaks wesentlich weniger folgenreich.

Für ihn sind sie lediglich ein kleiner Zwischenfall.

GTA 6 könnte sich noch 15 Jahre verkaufen

Auch für den langfristigen Erfolg des Spiels erwartet der ehemalige Rockstar-Entwickler keinerlei ernsthafte Folgen.

Vermeij geht davon aus, dass GTA 6 ein außergewöhnlich erfolgreiches Spiel werden könnte und sich möglicherweise über die kommenden 15 Jahre verkaufen wird.

Vor diesem Hintergrund verlieren einige vorzeitig veröffentlichte Gameplay-Clips wenige Monate vor dem Release erheblich an Bedeutung.

Ein ähnliches Muster gab es schließlich bereits bei GTA 5. Das Spiel erschien ursprünglich 2013 und entwickelte sich über mehrere Konsolengenerationen hinweg zu einem der erfolgreichsten Videospiele überhaupt.

Sollte GTA 6 einen ähnlich langen Lebenszyklus erreichen, dürfte sich in einigen Jahren kaum noch jemand für die Leak-Welle aus dem August 2026 interessieren.

Könnte CyberLeek eine komplette Version von GTA 6 veröffentlichen?

Eine Frage beschäftigt die Community allerdings weiterhin: Wie weit reicht der Zugriff von CyberLeek tatsächlich?

Mehrere Videos vermitteln den Eindruck, dass der Verantwortliche nicht lediglich eine Sammlung zuvor aufgezeichneter Clips besitzt, sondern Zugriff auf eine spielbare Version von GTA 6 haben könnte.

Damit entstand schnell die Sorge, dass irgendwann sogar eine komplette Entwicklungsfassung des Spiels veröffentlicht werden könnte.

Auch hier bleibt Vermeij vergleichsweise gelassen.

Eine geleakte GTA-6-Version wäre möglicherweise kaum spielbar

Nach Einschätzung des ehemaligen Technical Directors dürfte eine aktuelle Entwicklungsfassung wahrscheinlich spezielle Hardware benötigen.

Während seiner Zeit bei Rockstar liefen entsprechende Versionen auf sogenannten Devkits. Diese Entwicklerkonsolen verfügen unter anderem über mehr Arbeitsspeicher als handelsübliche Geräte.

Vermeij vermutet deshalb, dass derzeit möglicherweise überhaupt keine Version existiert, die einfach auf einer normalen PS5 gestartet werden könnte.

Zusätzlich seien während der Entwicklung traditionell weitere Sicherheitsmechanismen üblich. Vermeij erinnert beispielsweise an Dongles, die benötigt wurden, um interne Versionen eines Spiels auszuführen.

Ob Rockstar heute vergleichbare Sicherheitsmaßnahmen verwendet, weiß der ehemalige Entwickler allerdings nicht.

Seine Aussagen hierzu sind deshalb ausdrücklich eine Einschätzung auf Basis seiner früheren Erfahrungen und keine Information über die aktuelle Entwicklung von GTA 6.

Take-Two nimmt die Leaks trotzdem ernst

Während Vermeij die langfristigen Auswirkungen herunterspielt, behandelt Take-Two die Situation keineswegs als belanglos.

Der Konzern versucht weiterhin, die Verbreitung der Videos einzudämmen und die Identität der Verantwortlichen zu ermitteln.

Dazu gehören Copyright-Meldungen sowie rechtliche Schritte, mit denen unter anderem Informationen von Microsoft und Discord angefordert werden sollen.

Dass Take-Two entsprechend reagiert, überrascht nicht. Selbst wenn die veröffentlichten Videos dem späteren Verkaufserfolg kaum schaden sollten, handelt es sich weiterhin um nicht autorisiertes Material aus einem unveröffentlichten Spiel.

Sind die GTA-6-Leaks am Ende wirklich nur viel Lärm um nichts?

Nach mittlerweile zahlreichen veröffentlichten Videos wirkt die aktuelle Leak-Welle innerhalb der Gaming-Welt riesig.

Fast jeder neue Clip wird analysiert. Spieler diskutieren über Fahrzeuge, die Größe der Spielwelt, Tageszeiten und selbst kleinste Elemente der Benutzeroberfläche.

Vermeijs Einschätzung stellt dem eine interessante Perspektive gegenüber.

GTA 6 dürfte letztlich von Millionen Menschen gespielt werden, die keinen einzigen dieser Clips gesehen haben. Und sollte das Spiel tatsächlich über viele Jahre erfolgreich bleiben, könnten die aktuellen Leaks rückblickend kaum noch eine Rolle spielen.

Für den ehemaligen Rockstar-Entwickler ist die Sache deshalb ziemlich eindeutig: Die GTA-6-Leaks sind ärgerlich – aber für den langfristigen Erfolg des Spiels vermutlich kaum von Bedeutung.

Was meint ihr? Wird die aktuelle Leak-Welle GTA 6 tatsächlich schaden oder wird sich nach dem Release niemand mehr dafür interessieren?


Amazon

Jetzt einkaufen und unterstützen

*Unsere Seite enthält Affiliate-Links zu Amazon. Ihr unterstützt uns durch eure Einkäufe, ohne dass zusätzliche Kosten für euch anfallen.

2 Kommentare

Weitere News