Twitch und Amazon bekommen wegen des Trainings künstlicher Intelligenz juristischen Ärger. Ein Streamer hat in den USA eine geplante Sammelklage eingereicht und wirft den Unternehmen vor, Inhalte von Twitch-Creatorn ohne ausreichende Zustimmung für Amazons generative KI verwendet zu haben. Besonders für Diskussionen sorgt dabei die Art und Weise, wie Twitch seine Nutzer über die Verwendung ihrer Inhalte informiert haben soll.
Künstliche Intelligenz und die Frage, mit welchen Daten entsprechende Modelle trainiert werden dürfen, beschäftigt inzwischen zahlreiche Unternehmen.
Nun steht auch Twitch im Mittelpunkt einer solchen Auseinandersetzung.
Streamer reicht Klage gegen Twitch und Amazon ein
Die Klage wurde von Twitch-Streamer Warren Pandiscia beim US-Bezirksgericht für Nordkalifornien eingereicht.
Sie richtet sich sowohl gegen Twitch als auch gegen Mutterkonzern Amazon.
Pandiscia wirft den Unternehmen vor, Inhalte von Streamern für das Training generativer KI verwendet zu haben, ohne zuvor eine ausreichende Zustimmung einzuholen oder die betroffenen Creator entsprechend zu vergüten.
Dabei geht es nicht ausschließlich um seinen eigenen Kanal.
Der Fall wurde als geplante Sammelklage eingereicht und könnte damit weitere Twitch-Creator betreffen.
Ob das Gericht die Klage tatsächlich als Sammelklage zulässt, steht allerdings noch nicht fest.
Twitch setzte offenbar auf Opt-out statt Opt-in
Ein wichtiger Bestandteil der Kritik betrifft die entsprechende Einstellung innerhalb von Twitch.
Creator können der Verwendung ihrer Inhalte für das Training generativer KI widersprechen.
Allerdings ist die Funktion standardmäßig aktiviert.
Wer seine Twitch-Inhalte nicht für Amazons KI-Training zur Verfügung stellen möchte, muss die entsprechende Option also selbst deaktivieren.
Genau dieses Opt-out-Verfahren sorgt für Kritik.
Statt Streamer zunächst ausdrücklich um Erlaubnis zu fragen, müssen sie selbst aktiv werden, wenn sie die Verwendung ihrer Inhalte verhindern möchten.
Twitch soll Nutzer nicht direkt informiert haben
Noch problematischer ist aus Sicht des Klägers die Kommunikation rund um die Funktion.
In der Klage wird behauptet, dass Twitch seine Nutzer nicht direkt über die entsprechende Änderung informiert habe.
Demnach soll es weder eine E-Mail noch eine Pop-up-Nachricht oder eine größere Ankündigung gegeben haben.
Stattdessen befand sich die entsprechende Möglichkeit innerhalb der Einstellungen.
Dadurch könnten zahlreiche Streamer überhaupt nicht bemerkt haben, dass ihre Inhalte für das Training generativer KI verwendet werden können.
Twitch-Aussage sorgt zusätzlich für Diskussionen
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine Aussage von Twitch Chief Product Officer Mike Minton.
Er wurde zuvor darauf angesprochen, warum Twitch bei der Verwendung der Inhalte auf ein Opt-out-System setzt und die Creator nicht stattdessen ausdrücklich zustimmen müssen.
Minton erklärte sinngemäß, dass bei einem Opt-in vermutlich kaum jemand zustimmen würde.
Genau diese Aussage dürfte im Zusammenhang mit der aktuellen Klage noch einmal für Diskussionen sorgen.
Denn sie zeigt, dass Twitch offenbar bewusst davon ausging, dass wesentlich weniger Creator ihre Inhalte freiwillig für das KI-Training zur Verfügung stellen würden.
Auch Inhalte anderer Personen könnten betroffen sein
Die Angelegenheit wird zusätzlich kompliziert, weil Twitch-Streams nicht zwangsläufig ausschließlich Inhalte des jeweiligen Kanalbetreibers enthalten.
Streamer spielen gemeinsam, sprechen miteinander oder tauchen in den Übertragungen anderer Creator auf.
Damit könnten beispielsweise Stimmen oder andere Inhalte einer Person innerhalb eines fremden Streams landen.
Selbst wenn diese Person die Verwendung ihrer eigenen Inhalte für KI-Training deaktiviert hat, könnte sie theoretisch weiterhin in Material eines anderen Kanals vorkommen.
Auch dieser Punkt wird innerhalb der Klage thematisiert.
Kläger fordert Schadensersatz
Pandiscia argumentiert außerdem, dass Amazon wirtschaftlich von den Inhalten der Twitch-Creator profitiert.
Generative KI-Produkte können kommerziell genutzt werden, während die ursprünglichen Ersteller des verwendeten Materials keine entsprechende Vergütung erhalten.
Die Klage fordert deshalb unter anderem Schadensersatz.
Wie hoch dieser ausfallen könnte und wie viele Twitch-Creator möglicherweise Teil einer Sammelklage werden könnten, ist derzeit nicht bekannt.
Noch ist nichts entschieden
Wichtig ist allerdings: Bislang handelt es sich zunächst um die Vorwürfe des Klägers.
Ein Gericht hat noch nicht entschieden, dass Twitch oder Amazon tatsächlich rechtswidrig gehandelt haben.
Auch die Zulassung als Sammelklage steht noch aus.
Trotzdem könnte der Fall für die gesamte Streaming-Branche interessant werden.
Die Frage, ob Plattformen von ihren Nutzern hochgeladene Inhalte ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung für das Training kommerzieller KI-Systeme verwenden dürfen, dürfte in Zukunft noch häufiger vor Gerichten landen.
Für Twitch und Amazon könnte der aktuelle Fall deshalb weit über einen einzelnen Streamer hinaus Bedeutung bekommen.
Was meint ihr: Sollte KI-Training mit Streamer-Inhalten grundsätzlich nur erlaubt sein, wenn der jeweilige Creator vorher ausdrücklich zugestimmt hat?
Quelle:https://www.courthousenews.com/wp-content/uploads/2026/08/pandiscia-v-twitch-amazon-complaint.pdf







