Am 21. Oktober 2026 wurde bekannt, dass die europäische Prüforganisation PEGI bereits erschienene Digitalspiele mit kostenpflichtigen Zufallsbelohnungen nachträglich neu einstuft. Betroffen sind unter anderem EA Sports FC Mobile, Pokémon GO und Zenless Zone Zero. Den Anstoß gab ein Bericht von Video Games Chronicle, in dem Connor Hinde, Policy Manager der britischen Games Rating Authority, bestätigte, die Überarbeitung sei angelaufen. Zur neuen Einstufung kommt ein Hinweis auf bezahlte Zufallsgegenstände. Die Stores setzen die Änderung schrittweise um, je nach Land und Plattform können die Angaben deshalb noch eine Weile voneinander abweichen.
Bewertet wird dabei eine Mechanik. Wer bezahlt, weiß vorher nicht, welches Kartenpaket oder welche Figur er bekommt. Spielautomaten folgen demselben Prinzip, nur geht es dort um Geldgewinne, über die der Zufall in jeder Runde neu entscheidet, und das deutsche Glücksspielrecht verlangt von den Anbietern eine eigene Kennzahl für die Auszahlung.
Durchschnittswerte über Millionen Runden
Diese Kennzahl heißt Return to Player, kurz RTP. Sie beschreibt, welcher Anteil aller Einsätze über eine sehr große Zahl von Runden rechnerisch an die Spieler zurückfließt. Bei einem RTP von 96 Prozent bleiben dem Anbieter rechnerisch vier Cent je eingesetztem Euro. Das heißt nicht, dass von 100 Euro nach einem Abend 96 Euro übrig sind. Für eine einzelne Runde sagt der Wert nichts aus, und auch nach ein paar hundert Runden kann das eigene Ergebnis weit davon entfernt liegen.
Bei Online-Spielen mit deutscher Erlaubnis ist die Zahl seit Juli 2021 keine freiwillige Angabe mehr. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet den Anbieter, die durchschnittliche Auszahlungsquote bei Spielautomaten je Euro Einsatz genau dort anzuzeigen, wo der Einsatz getätigt wird. Daneben steht die Wahrscheinlichkeit, den Höchstgewinn des jeweiligen Spiels zu treffen. Beide Werte gehören zum einzelnen Titel, sodass sich zwei Spiele desselben Anbieters schon vor der ersten Runde vergleichen lassen. Spielregeln und Gewinnplan müssen außerdem leicht aufrufbar und verständlich beschrieben sein.
Zufällige Gewinnaussichten und gleiche Chancen für jeden Spieler schreibt der Staatsvertrag ebenfalls vor. Technisch erzeugt ein Zufallszahlengenerator jedes Ergebnis unabhängig vom vorherigen. Drei Gewinne in Folge ändern die Chance auf den vierten deshalb nicht, eine Serie kündigt keine feste Auszahlung an. Kartenpakete und Charakterziehungen in Games folgen derselben Logik, und genau diese bezahlten Zufallsinhalte wertet PEGI bei der nachträglichen Neueinstufung digitaler Spiele als eigenen Risikofaktor.
Angekündigt hatte PEGI die Mindesteinstufung für Spiele mit bezahlten Lootboxen bereits im März 2026, damals nur für neue Titel ab Juni. Erschienene Spiele sollten ihre Freigabe behalten. Für rein digital vertriebene Titel gilt das seit Oktober nicht mehr.
Ein Euro online, 20 Cent in der Spielhalle
Zwischen digitalem und stationärem Automatenspiel unterscheidet auch der Bundesfinanzhof. In einem Beschluss vom 14. Februar 2023 zur Virtuellen Automatensteuer, Aktenzeichen IX B 42/22, hielt das Gericht fest, dass sich beide Spielformen bei Einsätzen und Ausschüttungsquoten unterscheiden. Online darf ein Spiel höchstens einen Euro kosten. Am Gerät in Spielhalle oder Gaststätte sind es bei der kürzesten Spieldauer 20 Cent. Eine feste Ausschüttungsquote gibt das Recht für das Internet nicht vor, der Anbieter legt sie selbst fest.
Die betroffene Anbieterin, inzwischen insolvent, hatte vorgetragen, bei einer durchschnittlichen Auszahlungsquote von 96 Prozent könne sie die Steuer von 5,3 Prozent auf die Einsätze nicht abführen. Der Senat hielt dagegen, die Quote sei nicht festgelegt, sondern unterliege der unternehmerischen Freiheit. Der Beschluss erging im Eilverfahren und bindet nur die Beteiligten.
Pause nach einer Stunde am Gerät
Den Wert von 20 Cent legt die Spielverordnung des Bundes fest, auf die der Bundesfinanzhof in seiner Begründung verweist. Er gilt für ein Spiel von mindestens fünf Sekunden mit höchstens 2 Euro Gewinn, bei längeren Abständen darf der Einsatz bis auf 2,30 Euro steigen. Für die finanzielle Wirkung zählt die Stunde. In 60 Minuten darf ein Gerät höchstens 60 Euro Verlust zulassen.
Eine Prozentquote wie im Internet nennt die Verordnung für Geldspielgeräte nicht. Wer die Zulassung einer Bauart beantragt, muss erklären, dass langfristig höchstens 20 Euro je Stunde in der Kasse bleiben.
Nach einer Stunde legt das Gerät mindestens fünf Minuten Pause ein, ohne Einsätze und ohne Animationen. Nach drei Stunden folgt ein Ruhezustand, in dem die Anzeigen auf ihre Anfangswerte zurückspringen.
Werbeverbot zwischen 6 und 21 Uhr
Jackpots schließt die Spielverordnung für Geldspielgeräte ganz aus. Ein Gewinnbild in einer Anzeige zeigt dagegen immer ein einzelnes Ergebnis, über eine Quote aus Millionen Runden sagt es nichts.
Für Werbung im Internet hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder am 30. September 2026 ein FAQ veröffentlicht. Zwischen 6 und 21 Uhr darf danach keine Werbung für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele laufen. „Glücksspielwerbung ist für viele Menschen im Alltag sichtbar“, sagt GGL-Vorstand Ronald Benter. Ein Eintrag in ihrer Whitelist mache laut Behörde nicht automatisch jede Werbung des Anbieters zulässig.
Was die Whitelist der Länderbehörde klärt
Die Whitelist selbst beantwortet, ob ein Anbieter für eine bestimmte Glücksspielform in Deutschland eine Erlaubnis hat. Diese Spielform muss feststehen, bevor Auszahlungen verglichen werden. Nachbildungen von Roulette oder Black Jack sind als virtuelle Automatenspiele unzulässig, für solche Tischspiele gelten eigene Regeln der Länder.
Für die eigene Spielentscheidung bleibt der RTP eine Orientierung über den langfristigen Preis des Spielens. Wie viel Geld in einer Stunde bewegt wird, hängt vom Einsatz pro Runde und von der Zahl der Runden ab.








