Ausgerechnet der Mann, der die PlayStation groß gemacht hat, stellt die Zukunft klassischer Spielekonsolen infrage. Ken Kutaragi hält es für möglich, dass wir irgendwann überhaupt keine eigenständige Konsole mehr benötigen. Steigende Hardwarepreise, künstliche Intelligenz und Cloud-Technologien könnten die Gaming-Branche grundlegend verändern. Seine Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Sony bereits an der nächsten PlayStation-Generation arbeitet. Doch bedeutet das langfristig auch das Ende der PS6-Nachfolger?
PlayStation-Erfinder sieht eine echte Gefahr für klassische Konsolen
Ken Kutaragi gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten der Videospielgeschichte. Der ehemalige Sony-Manager war maßgeblich an der Entwicklung der ersten PlayStation sowie der PlayStation 2 und PlayStation 3 beteiligt.
Nun stellt er ausgerechnet das Konzept infrage, das ihn weltweit bekannt gemacht hat.
In einem Gespräch mit dem Branchenmagazin The Game Business, dessen ausführlichere Aussagen am 22. Oktober 2026 veröffentlicht wurden, sprach Kutaragi über die steigenden Kosten moderner Hardware und den zunehmenden Einfluss künstlicher Intelligenz.
Seine Einschätzung fällt bemerkenswert deutlich aus.
Es könnte eine Zeit kommen, in der wir überhaupt keine klassische Spielekonsole mehr benötigen. Diese Entwicklung bezeichnet Kutaragi ausdrücklich als eine reale Gefahr für das bisherige Konsolenmodell.
Dabei geht es nicht darum, dass Videospiele verschwinden könnten. Vielmehr stellt sich für ihn die Frage, ob leistungsfähige Hardware künftig tatsächlich noch in jedem Wohnzimmer stehen muss.
Kutaragi betont allerdings, dass es sich um seine persönliche Meinung handelt. Er spricht nicht im Namen von Sony Interactive Entertainment und bestätigt auch keine internen Zukunftspläne.
Warum moderne Gaming-Hardware zum Problem werden könnte
Ein zentraler Punkt seiner Kritik betrifft die immer höheren Kosten leistungsfähiger Hardware.
Kutaragi hält die aktuelle Entwicklung für ungesund. Besonders moderne Gaming-PCs seien mittlerweile teilweise so teuer, dass er ihre Preise überspitzt mit denen eines Autos vergleicht.
Das eigentliche Problem sieht er in der technischen Entwicklung.
Schon beim Übergang zur PlayStation 4 veränderte Sony die Architektur seiner Konsolen grundlegend. Statt auf besonders eigenständige Hardwarelösungen zu setzen, orientierte sich das Unternehmen stärker an gewöhnlichen PC-Systemen.
Dadurch wurde es für Entwickler einfacher, Spiele für unterschiedliche Plattformen zu produzieren.
Allerdings führt der technische Fortschritt gleichzeitig dazu, dass leistungsfähige Prozessoren, Grafikkarten und andere Komponenten immer anspruchsvoller werden.
Für Hersteller entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen Leistung, Entwicklungskosten und einem Verkaufspreis, den Kunden noch akzeptieren.
Kutaragi stellt deshalb die Frage, warum die Branche diesen Weg immer weiter verfolgt, anstatt grundsätzlich andere Lösungen zu entwickeln.
Künstliche Intelligenz könnte alles verändern
Besonders interessant ist Kutaragis Blick auf künstliche Intelligenz.
Er verweist darauf, dass viele moderne KI-Anwendungen ihre eigentlichen Berechnungen nicht auf dem Gerät des Nutzers durchführen.
Stattdessen übernehmen leistungsfähige Server in Rechenzentren einen großen Teil der Verarbeitung.
Dieses Prinzip könnte aus seiner Sicht auch für die Zukunft der Gaming-Branche interessant werden.
Spiele müssten dann möglicherweise nicht mehr vollständig auf einer teuren Konsole berechnet werden. Ein Teil der Arbeit könnte über das Internet auf externe Systeme ausgelagert werden.
Cloud-Gaming verfolgt bereits heute einen ähnlichen Ansatz.
Allerdings geht Kutaragis Überlegung darüber hinaus. Er stellt grundsätzlich infrage, ob eine klassische Konsole langfristig noch notwendig ist, wenn immer mehr technische Prozesse über Netzwerke und zentrale Rechenleistung abgewickelt werden können.
Die Verbindung aus Cloud-Technologie und künstlicher Intelligenz könnte damit neue Möglichkeiten eröffnen.
Ob solche Systeme eines Tages die Leistung und Zuverlässigkeit lokaler Gaming-Hardware vollständig ersetzen können, bleibt allerdings offen.
Was bedeutet das für die PlayStation 6?
Für PlayStation-Fans stellt sich natürlich sofort die Frage, welche Auswirkungen eine solche Entwicklung auf die nächste Konsolengeneration haben könnte.
Sony arbeitet an seiner zukünftigen Hardwarestrategie. Gleichzeitig kursieren bereits zahlreiche Gerüchte über die PlayStation 6 und einen möglichen zusätzlichen Handheld.
Dass die klassische PlayStation tatsächlich irgendwann durch eine stärker cloudbasierte Plattform ersetzt werden könnte, ist deshalb ein interessantes Gedankenspiel.
Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einer langfristigen Branchenprognose und einem konkreten Produktplan.
Kutaragi hat weder behauptet, dass die PlayStation 6 die letzte Sony-Konsole sein wird, noch einen Zeitpunkt für das mögliche Ende klassischer Hardware genannt.
Auch eine bevorstehende Einstellung der Konsolenentwicklung lässt sich aus seinen Aussagen nicht ableiten.
Vielmehr geht es um die grundsätzliche Frage, wie Videospiele in zehn oder zwanzig Jahren genutzt werden könnten.
Die PS6 könnte durchaus noch eine klassische Konsole werden, während Sony gleichzeitig andere Möglichkeiten des Spielens weiter ausbaut.
PlayStation Portal zeigt bereits eine mögliche Richtung
Sony experimentiert schon heute mit Technologien, die das Spielen unabhängiger von einer klassischen Heimkonsole machen.
Ein Beispiel ist PlayStation Portal.
Das Gerät wurde ursprünglich für Remote Play entwickelt und kann inzwischen zusätzlich ausgewählte Spiele direkt über Cloud-Streaming ausführen. Eine eingeschaltete eigene PS5 ist dafür bei unterstützten Cloud-Titeln nicht erforderlich.
Über die laufende Weiterentwicklung haben wir zuletzt in unserem Artikel zum PlayStation Portal Update 7.3.0 berichtet.
Natürlich ist PlayStation Portal kein vollständiger Ersatz für eine PS5.
Trotzdem zeigt das Gerät, dass sich Gaming-Erlebnisse bereits heute zunehmend von einer bestimmten Konsole lösen lassen.
Genau diese Entwicklung könnte Kutaragi mit seiner langfristigen Prognose meinen.
Dass Sony deshalb tatsächlich die klassische PlayStation abschaffen möchte, ist jedoch nicht belegt.
Eine Zukunft ohne Konsolen hätte auch Nachteile
So interessant diese Vorstellung klingt, sie bringt erhebliche Herausforderungen mit sich.
Cloud-Gaming benötigt eine ausreichend schnelle und vor allem stabile Internetverbindung. Schwankende Verbindungen können Bildqualität, Reaktionszeiten und das gesamte Spielerlebnis beeinträchtigen.
Bei lokal berechneten Spielen fallen solche Abhängigkeiten wesentlich geringer aus.
Hinzu kommt die Frage nach den Kosten.
Wer keine eigene leistungsfähige Hardware benötigt, könnte zunächst Geld sparen. Dafür entstehen möglicherweise regelmäßige Gebühren für den Zugriff auf die benötigte Rechenleistung.
Außerdem wäre ein vollständig cloudbasiertes Modell stärker von den jeweiligen Anbietern abhängig.
Werden Server abgeschaltet oder Dienste eingestellt, könnten betroffene Spiele unter Umständen nicht mehr zugänglich sein.
Gerade die langfristige Verfügbarkeit digitaler Inhalte beschäftigt bereits heute zahlreiche PlayStation-Spieler.
Erst am 16. Oktober hatten wir über Kutaragis umstrittene Aussagen zum Ende physischer PlayStation-Spiele berichtet.
Seine jetzige Warnung geht noch einen Schritt weiter. Denn diesmal geht es nicht nur um den Datenträger, sondern um die mögliche Zukunft des gesamten Konsolenkonzepts.
Das Wichtigste in Kürze
PlayStation-Mitbegründer Ken Kutaragi hält es für möglich, dass klassische Spielekonsolen langfristig überflüssig werden. Besonders die steigenden Hardwarepreise sowie Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Cloud-Computing könnten seiner Meinung nach zu einem grundlegenden Wandel führen.
Eine konkrete Vorhersage über die PlayStation 6 ist das allerdings nicht. Kutaragi spricht ausdrücklich als Privatperson und nicht im Auftrag von Sony.
Die entscheidende Frage bleibt, ob Spieler künftig tatsächlich auf ihre eigene Hardware verzichten wollen oder ob die klassische Konsole auch in einer zunehmend vernetzten Gaming-Welt ihren Platz behalten wird.
Quelle: https://www.thegamebusiness.com/p/where-now-for-mass-effect-plus-ken
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Klingt logisch wegen Kosten und Technik. Für mich zählt vor allem Preis und Verfügbarkeit; beides müsste passen, damit ich wechsle.
Neutraler Eindruck. Cloud-Gaming klingt praktisch, aber bei schlechter Internetverbindung hätte das viele Nachteile.
Wichtig zu wissen, dass Kutaragi als Privatperson spricht. Sony kann weiter an Konsolen arbeiten und gleichzeitig Cloud-Lösungen ausbauen.
Guter Überblick. PlayStation Portal zeigt schon eine Richtung, trotzdem spiele ich lieber auf meiner eigenen Konsole.
Verständlich, dass Hardware teurer wird. Wichtig wäre mir, dass Spiele langfristig zugänglich bleiben, egal ob lokal oder in der Cloud.
Spannende Idee. Kann mir vorstellen, dass Cloud und KI viel verändern, aber ich glaube nicht, dass Konsolen so schnell ganz verschwinden.