Die Nintendo Switch 2 galt bislang als vergleichsweise gut gegen unerlaubte Eingriffe geschützt. Jetzt sorgt ein Sicherheitsforscher für Aufsehen, der nach eigenen Angaben einen funktionierenden Software-Jailbreak entwickelt hat. Besonders bemerkenswert: Dafür wird kein Modchip benötigt. Als Beweis präsentiert der Entwickler eine veränderte Version von Mario Kart World, in der plötzlich Figuren wie Peter Griffin und Hatsune Miku über die Rennstrecken fahren. Bei der Entwicklung spielte außerdem künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Für Nintendo könnte die Entdeckung unangenehme Folgen haben.
Nintendo Switch 2 erstmals per Software geknackt
Hinter dem Projekt steckt der Sicherheitsforscher Sammy Hajhamid, der im Internet unter dem Namen pepsipu bekannt ist.
Sein Jailbreak trägt die Bezeichnung ns2jb und soll auf der Nintendo Switch 2 mit der aktuellen Firmware 23.0.1 funktionieren.
Am 22. Oktober 2026 veröffentlichte der Entwickler auf X ein Video, das die Fähigkeiten seines Exploits demonstriert. Die technische Dokumentation war bereits am 18. Oktober erschienen.
Das Besondere an der Methode ist der Verzicht auf einen zusätzlichen Hardware-Chip.
Bisherige Angriffe auf moderne Spielkonsolen scheitern häufig an mehreren aufeinander aufbauenden Sicherheitsmechanismen.
Mit ns2jb ist es laut dem Entwickler möglich, eigenen nativen Programmcode auszuführen und auf bestimmte interne Systemfunktionen zuzugreifen.
Dadurch eröffnen sich Möglichkeiten für selbst entwickelte Anwendungen, die Untersuchung von Spielen und deren Modifikation.
Der Entwickler bezeichnet seine Arbeit als ersten derartigen Software-Jailbreak für die Switch 2.
Eine vollständige unabhängige technische Überprüfung liegt bislang allerdings nicht vor.
Peter Griffin und Hatsune Miku fahren plötzlich Mario Kart
Wie weit der Zugriff bereits reicht, zeigt der Entwickler anhand von Mario Kart World.
In den veröffentlichten Videos sind Charaktere zu sehen, die eigentlich nicht zum offiziellen Nintendo-Rennspiel gehören.
Dazu zählen Peter Griffin aus Family Guy, Hatsune Miku, Cinnamoroll und weitere bekannte Figuren.
Diese wurden durch Modifikationen in das Spiel integriert.
Die Demonstration ist deshalb interessant, weil Mario Kart World speziell für die Nintendo Switch 2 entwickelt wurde.
Es handelt sich somit nicht lediglich um ein verändertes Spiel der ursprünglichen Switch.
Die gezeigten Aufnahmen deuten darauf hin, dass der Entwickler tatsächlich in der Lage ist, Inhalte eines nativen Switch-2-Spiels zu verändern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass nun automatisch jedes Switch-2-Spiel beliebig modifiziert werden kann.
Auch die Installation nicht autorisierter Spiele oder eine vollständig freigeschaltete Konsole sind dadurch nicht nachgewiesen.
Künstliche Intelligenz half beim Jailbreak
Ungewöhnlich ist auch der Entwicklungsprozess.
Hajhamid verwendete nach eigenen Angaben OpenAIs Programmierwerkzeug Codex, um verschiedene technische Aufgaben bearbeiten zu lassen.
Dafür baute er eine aufwendige Testumgebung auf.
Die KI konnte über zusätzliche Geräte Eingaben an Nintendo-Konsolen senden und die Bildschirmausgabe auswerten.
Sogar ein kleiner mechanischer Schalter kam zum Einsatz, um die Geräte nach Abstürzen wieder einzuschalten.
Damit konnte der Entwickler Teile seiner Tests automatisieren.
Die künstliche Intelligenz untersuchte zunächst verschiedene mögliche Angriffspunkte, darunter die Browser-Technologie WebKit.
Dieser erste Ansatz reichte allerdings nicht für den gewünschten Zugriff auf die relevanten Systemfunktionen aus.
Erst weitere Untersuchungen führten schließlich zur funktionsfähig demonstrierten Methode.
Die Entwicklung dauerte nach Angaben des Forschers ungefähr zwei Wochen.
Damit zeigt das Projekt auch, welche Rolle KI-gestützte Werkzeuge inzwischen bei der Analyse komplexer Software spielen können.
Die eigentliche Sicherheitsforschung und die Auswahl geeigneter Ansätze erfolgten jedoch nicht vollständig autonom.
Ein altes Switch Programm öffnete offenbar die Tür
Besonders überraschend ist der technische Ausgangspunkt.
Der erfolgreiche Angriff nutzt nach Angaben des Entwicklers eine Schwachstelle im Programm SmileBASIC 4.
Dabei handelt es sich um eine Programmierumgebung, die ursprünglich für die erste Nintendo Switch veröffentlicht wurde.
Die Software ermöglicht es Nutzern, eigene Programme und kleine Spiele zu erstellen.
Durch die Abwärtskompatibilität kann entsprechende ältere Software grundsätzlich auch auf der Switch 2 verwendet werden.
Genau das soll dem Forscher einen geeigneten Einstiegspunkt eröffnet haben.
Die Sicherheitslücke betrifft damit offenbar nicht direkt ein neues Switch-2-Spiel, sondern eine ältere Anwendung, die auf der neuen Hardware ausgeführt werden kann.
Nach der öffentlichen Bekanntgabe verschwand SmileBASIC 4 laut TechSpot aus den amerikanischen und europäischen Nintendo-eShops.
Eine offizielle Erklärung für diese Entfernung oder eine bestätigte Stellungnahme Nintendos zum Jailbreak liegt bislang nicht vor.
Der Jailbreak hat noch erhebliche Einschränkungen
Trotz der beeindruckenden Demonstration ist ns2jb kein vollständiger und dauerhaft installierter Konsolen-Hack.
Der Entwickler bezeichnet seine Methode ausdrücklich als sogenannten Tethered Jailbreak.
Das bedeutet, dass für die Nutzung ein externer Computer benötigt wird.
Nach einem Neustart der Konsole muss der Eingriff außerdem erneut durchgeführt werden.
Eine dauerhaft installierte Custom-Firmware steht dadurch nicht zur Verfügung.
Auch bestimmte besonders geschützte Bereiche der Hardware bleiben weiterhin außerhalb der demonstrierten Möglichkeiten.
Die Methode ermöglicht zwar Homebrew-Anwendungen, Modifikationen und die Sicherung von Spielständen, ersetzt aber keinen vollständigen Zugriff auf sämtliche Sicherheitsmechanismen der Switch 2.
Für gewöhnliche Spieler dürfte die Nutzung aufgrund der technischen Voraussetzungen weiterhin kompliziert sein.
Außerdem können Eingriffe in die Systemsoftware zu Instabilität, Datenverlust oder Einschränkungen bei Online-Diensten führen.
Ob Nintendo die Schwachstelle mit einer zukünftigen Firmware-Aktualisierung schließen wird, ist noch offen.
Wird die Switch 2 jetzt zum nächsten großen Homebrew System?
Die ursprüngliche Nintendo Switch entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer beliebten Plattform für Homebrew-Anwendungen und Spielmodifikationen.
Vor allem frühe Hardwareversionen konnten vergleichsweise umfassend verändert werden.
Bei der Switch 2 setzte Nintendo erneut auf mehrere technische Schutzmaßnahmen.
Der nun demonstrierte Software-Jailbreak könnte deshalb einen wichtigen ersten Schritt darstellen.
Sicherheitsforscher erhalten dadurch neue Möglichkeiten, das Betriebssystem und die eingesetzten Schutzmechanismen genauer zu untersuchen.
Ob daraus später umfangreichere Modifikationen oder eine dauerhaft nutzbare Custom-Firmware entstehen, ist derzeit nicht bekannt.
Auch eine breite Verfügbarkeit entsprechender Werkzeuge lässt sich nicht vorhersagen.
Die Veröffentlichung zeigt jedoch, dass selbst moderne Sicherheitsarchitekturen durch die Kombination verschiedener Schwachstellen angreifbar sein können.
Besonders interessant ist dabei die Rolle künstlicher Intelligenz.
Wenn entsprechende Programmierwerkzeuge technische Analysen beschleunigen, könnten künftig auch weitere Konsolen stärker in den Fokus unabhängiger Sicherheitsforscher geraten.
Für Nintendo steht zunächst die Frage im Raum, ob und wie das Unternehmen auf ns2jb reagieren wird.
Der aktuell demonstrierte Jailbreak ist noch weit von einer vollständigen Freischaltung der Konsole entfernt. Trotzdem stellt die Möglichkeit, eine Switch 2 ohne zusätzliche Hardware zu modifizieren, einen bemerkenswerten Fortschritt für die Homebrew-Szene dar.
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