Nur einen Tag nach der angekündigten Schließung von BioWare melden sich mehrere Autoren des eingestellten Mass Effect 5 zu Wort. Ihre Aussagen zeichnen ein anderes Bild als die überraschende Entscheidung von Electronic Arts vermuten lässt. Demnach hatte das Entwicklerteam bereits über Jahre an einer neuen Geschichte gearbeitet und war von den eigenen Ideen überzeugt. Besonders die Science-Fiction-Autoren Derek Künsken und Catherynne M. Valente machen deutlich, dass hinter dem Projekt weit mehr steckte als ein früher Entwurf. Was genau die beiden für Mass Effect geplant hatten, bleibt allerdings geheim.
Autoren von Mass Effect 5 äußern sich nach der Schließung
Am 21. Oktober 2026 bestätigte Electronic Arts die Schließung von BioWare. Gleichzeitig erklärte das traditionsreiche Studio, dass die Entwicklung des nächsten Mass Effect eingestellt wurde.
Die Entscheidung beendete ein Projekt, das bereits Ende 2020 mit einem ersten Teaser angekündigt worden war. Konkrete Informationen zur Handlung, zum Gameplay oder einem Veröffentlichungstermin hatte BioWare während der vergangenen Jahre kaum veröffentlicht.
Nun haben sich ehemalige Beteiligte öffentlich zur Einstellung geäußert.
Der Science-Fiction-Autor Derek Künsken erklärte auf X, dass er über einen Zeitraum von fünf Jahren immer wieder mit BioWare am nächsten Mass Effect gearbeitet habe.
Über die gemeinsame Arbeit schrieb er, dass die entwickelten Ideen seiner Ansicht nach besonders interessant gewesen seien.
Künsken hob außerdem die Zusammenarbeit mit Catherynne M. Valente hervor, die ebenfalls an der Geschichte beteiligt war.
Die kreative Arbeit mit ihr beschrieb er als eine der motivierendsten Erfahrungen seiner bisherigen Karriere.
Konkrete Handlungselemente verriet der Autor allerdings nicht.
Auch Catherynne M. Valente widerspricht der Entscheidung indirekt
Besonders bemerkenswert fällt die Reaktion von Catherynne M. Valente aus.
In einer Diskussion auf X antwortete sie auf einen Nutzer, der kritisierte, dass die Videospielindustrie offenbar nicht mehr in der Lage sei, eine überzeugende Fortsetzung einer der angesehensten Rollenspielreihen zu entwickeln.
Valente widersprach dieser Darstellung.
Das Team habe sehr wohl herausgefunden, wie ein neuer Mass-Effect-Teil funktionieren könne, und bereits an einem großartigen Spiel gearbeitet.
Damit richtet sich ihre Aussage weniger gegen einzelne Entwicklungsentscheidungen als gegen die Vorstellung, das Projekt sei mangels kreativer Ideen gescheitert.
Ob Mass Effect 5 tatsächlich die hohen Erwartungen der Fans erfüllt hätte, lässt sich daraus natürlich nicht ableiten.
Die Aussagen stammen von direkt beteiligten Autoren, die ihre eigene Arbeit entsprechend positiv bewerten.
Dennoch liefern sie einen interessanten Einblick in die Situation hinter den Kulissen. Offenbar herrschte zumindest bei Teilen des Autorenteams weiterhin großes Vertrauen in die kreative Ausrichtung des Spiels.
Fünf Jahre Arbeit enden ohne fertiges Spiel
Besonders ernüchternd ist die lange Entwicklungszeit.
BioWare kündigte den nächsten Mass-Effect-Teil bereits im Dezember 2020 im Rahmen der Game Awards an. Der erste Teaser deutete unter anderem eine mögliche Rückkehr von Liara T’Soni an.
Anschließend blieb es über Jahre weitgehend ruhig um das Projekt.
Nach der Veröffentlichung von Dragon Age: The Veilguard im Jahr 2024 konzentrierte sich das Studio zunehmend auf Mass Effect.
Im Januar 2026 bestätigte der frühere BioWare-Produzent Mark Darrah, dass die verbliebenen Entwickler inzwischen ausschließlich an diesem einen Spiel arbeiteten.
Darüber berichteten wir bereits in unserem Artikel Großer Umbruch bei BioWare und nur noch ein Spiel in Entwicklung.
Trotz dieser Konzentration befand sich der neue Teil nach den aktuellen Angaben von Electronic Arts weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase.
Das verdeutlicht, wie langwierig die Vorbereitung großer Rollenspiele sein kann.
Gerade bei Mass Effect müssen Autoren nicht nur eine Hauptgeschichte entwickeln. Auch unterschiedliche Entscheidungen, Beziehungen zwischen Figuren und die umfangreiche Hintergrundgeschichte des Universums spielen eine wichtige Rolle.
Wie weit diese Bestandteile beim eingestellten Projekt tatsächlich ausgearbeitet waren, lässt sich anhand der neuen Aussagen nicht bestimmen.
Die fünfjährige Zusammenarbeit von Künsken bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Spiel bereits kurz vor der Fertigstellung stand.
BioWare hatte noch 2025 große Pläne
Die Einstellung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Verantwortlichen noch vor weniger als einem Jahr zuversichtlich gezeigt hatten.
Zum N7 Day im November 2025 erklärte BioWare, dass Electronic Arts und das Studio weiterhin an der Zukunft der Mass-Effect-Reihe festhalten würden.
Das Team konzentriere sich vollständig auf das neue Spiel und arbeite an zusätzlichen Geschichten, Spielmechaniken und Beziehungen zwischen den Charakteren.
Damals wurde betont, dass die Entwickler noch nicht bereit seien, ihre Arbeit öffentlich zu zeigen.
Im Oktober 2026 folgte nun die vollständige Kehrtwende.
Electronic Arts möchte seine Ressourcen künftig stärker auf ausgewählte Marken und größere Wachstumsbereiche konzentrieren.
Die Schließung von BioWare ist Teil einer umfassenden Umstrukturierung, bei der nach bisherigen Berichten rund 400 Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns wegfallen sollen.
Das nächste Mass Effect gehört zu den eingestellten Projekten.
Bleiben die bisherigen Ideen für Mass Effect erhalten?
Die Aussagen der Autoren werfen eine weitere Frage auf: Was passiert mit den Geschichten und Konzepten, die bereits entwickelt wurden?
Grundsätzlich bedeutet die Einstellung eines Spiels nicht, dass sämtliche Entwürfe, Charaktere oder technischen Vorarbeiten unmittelbar verschwinden.
Electronic Arts könnte bestimmte Materialien grundsätzlich aufbewahren und zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgreifen.
Ob das Unternehmen solche Pläne verfolgt, ist allerdings nicht bekannt.
Ebenso wenig gibt es Hinweise darauf, dass ein anderes Studio die bisherige Entwicklung übernehmen soll.
Ein möglicher Verkauf der Marke oder eine spätere Wiederaufnahme der Arbeiten wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.
Die öffentlichen Beiträge von Künsken und Valente bestätigen zunächst nur, dass über mehrere Jahre intensiv an kreativen Inhalten gearbeitet wurde und die beiden Autoren von ihrer gemeinsamen Arbeit überzeugt waren.
Welche Ideen davon möglicherweise in einem späteren Mass-Effect-Projekt Verwendung finden könnten, bleibt offen.
Mass Effect könnte zumindest im Fernsehen weiterleben
Für die bekannte Science-Fiction-Marke gibt es immerhin eine weitere Perspektive.
Amazon MGM Studios arbeitet weiterhin an einer Live-Action-Serie im Mass-Effect-Universum.
Nach aktuellen Medienberichten soll die Produktion von der Schließung BioWares nicht unmittelbar betroffen sein.
Die Serie soll eine eigenständige Geschichte erzählen, die zeitlich nach der ursprünglichen Trilogie angesiedelt ist.
Ob die Einstellung des neuen Spiels Einfluss auf die ursprünglichen Pläne für die inhaltliche Abstimmung zwischen Serie und Videospiel haben wird, wurde bislang nicht erklärt.
I have a weird announcement. On and off for the last five years, as a contract writer, and as a senior writer on staff, I’ve been hoping to be allowed to say where I worked. Today I finally got the green light: I’ve been working on the next #MassEffect. 1/6
— Derek Künsken (@DerekKunsken) October 22, 2026
Eine neue offizielle Ankündigung von Amazon liegt ebenfalls noch nicht vor.
Die Situation bleibt damit ungewöhnlich: Während die Fernsehadaption offenbar weiterentwickelt wird, ist das bislang angekündigte nächste Videospiel eingestellt.
Für die beteiligten Autoren endet damit ein Projekt, in das teilweise mehrere Jahre kreativer Arbeit geflossen sind.
Ihre Reaktionen zeigen vor allem, dass die Entscheidung von Electronic Arts nicht zwingend mit mangelndem Vertrauen der Autoren in die Qualität ihrer Geschichte zusammenhing.
Wie Mass Effect 5 tatsächlich geworden wäre, dürfte ohne eine spätere Veröffentlichung weiterer Entwicklungsdetails jedoch unbeantwortet bleiben.
Lass uns deine Meinung in den Kommentaren wissen.








Ich bin gespannt, ob Amazon die Serie gut umsetzt. Wäre schön, mehr von Mass Effect zu sehen.
Interessant, dass bekannte Autoren wie Künsken und Valente dabei waren. Schade um das Projekt.
EA trifft harte Entscheidungen. Hoffe, einige Konzepte werden später noch genutzt.
Ich verstehe nicht alles, aber die TV‑Serie klingt nach einer guten Alternative.
Fünf Jahre Arbeit ohne fertiges Spiel ist traurig, aber solche Projekte dauern oft lange.
Gut zu wissen, dass die Autoren überzeugt von ihrer Geschichte waren. Hoffe, die Ideen gehen nicht verloren.
Schade, dass BioWare geschlossen wurde. Finde es interessant, dass die Autoren jahrelang an Ideen gearbeitet haben.