Ghost of Yōtei galt nach seiner Veröffentlichung als einer der großen PlayStation-Erfolge. Sony selbst hatte Anfang 2026 erklärt, dass sich das Samurai-Abenteuer zum vergleichbaren Zeitpunkt sogar besser verkauft habe als Ghost of Tsushima. Doch rund ein Jahr nach dem Release zeichnet eine neue Marktanalyse ein anderes Bild. Der PS5-Exklusivtitel liegt bei den verkauften Exemplaren inzwischen deutlich hinter seinem Vorgänger. Finanziell sieht die Sache allerdings überraschend anders aus.
Neue Verkaufszahlen zeigen einen deutlichen Unterschied
Die aktuellen Zahlen stammen von Alinea Analytics. Analyst Rhys Elliott veröffentlichte am 16. Oktober 2026 neue Schätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung von Ghost of Yōtei.
Demnach kommt das im Oktober 2025 veröffentlichte Action-Adventure inzwischen auf ungefähr 5,4 Millionen verkaufte Exemplare. Der geschätzte Umsatz beträgt rund 407 Millionen US-Dollar.
Zum gleichen Zeitpunkt nach seiner Veröffentlichung hatte Ghost of Tsushima laut der Analyse bereits knapp sieben Millionen Exemplare verkauft. Damit liegt der Vorgänger um ungefähr 1,6 Millionen Verkäufe vorne.
Das ist durchaus bemerkenswert. Noch im Februar hatte Sony erklärt, dass Ghost of Yōtei im vergleichbaren Zeitraum besser gestartet sei als sein Vorgänger. Darüber hatten wir bereits in unserem Artikel Ghost of Yōtei startet stärker als Ghost of Tsushima berichtet.
Die neue Auswertung deutet darauf hin, dass sich das Verhältnis im weiteren Verkaufsverlauf verändert hat.
Allerdings handelt es sich bei den aktuellen Zahlen um Schätzungen eines unabhängigen Analyseunternehmens. Sony hat die genannten Gesamtverkäufe bislang nicht offiziell bestätigt.
Weniger verkaufte Spiele und trotzdem fast derselbe Umsatz
Besonders interessant wird der Vergleich beim Umsatz. Ghost of Tsushima erzielte laut Alinea Analytics im entsprechenden Zeitraum ungefähr 418 Millionen US-Dollar.
Ghost of Yōtei liegt mit geschätzten 407 Millionen Dollar lediglich rund drei Prozent darunter, obwohl sich der neuere Titel deutlich seltener verkauft hat.
Ein wesentlicher Grund dürfte die unterschiedliche Preisgestaltung sein.
Ghost of Tsushima erschien ursprünglich für 60 US-Dollar und wurde bereits wenige Monate nach Veröffentlichung deutlich reduziert. Ghost of Yōtei startete dagegen mit einem Preis von 70 US-Dollar und erhielt laut Elliott bislang nur zwei größere Preisnachlässe.
Dadurch fällt der durchschnittlich erzielte Umsatz pro verkauftem Exemplar beim neueren Spiel wesentlich höher aus. Der Analyst spricht von einem Unterschied von ungefähr 26 Prozent.
Für Sony könnte diese Entwicklung wirtschaftlich durchaus attraktiv sein. Ein Spiel muss nicht zwangsläufig mehr Käufer erreichen, um einen vergleichbaren Umsatz zu erzielen.
Ob sich daraus auch höhere Gewinne ergeben, lässt sich anhand der veröffentlichten Schätzungen allerdings nicht beurteilen. Entwicklungs- und Marketingkosten werden bei diesem Vergleich nicht berücksichtigt.
Ghost of Yōtei verkauft sich weiterhin ordentlich
Von einem kommerziellen Misserfolg kann dennoch kaum gesprochen werden.
Allein im dritten Quartal 2026 wurden nach den Berechnungen von Alinea Analytics ungefähr 500.000 weitere Exemplare verkauft. Insgesamt soll Ghost of Yōtei im laufenden Jahr bereits rund 1,8 Millionen zusätzliche Käufer gefunden haben.
Auffällig ist außerdem der Anteil physischer Verkäufe. Laut Analyse entfallen ungefähr 36,8 Prozent der bisherigen Verkäufe auf Disc-Versionen.
Das ist besonders interessant, weil der Markt zunehmend von digitalen Spielen dominiert wird. Bereits im Juli hatten wir auf PSINFO über den Rückgang physischer PS5-Spieleverkäufe berichtet.
Ghost of Yōtei zeigt damit, dass hochwertige Einzelspielerproduktionen weiterhin eine beachtliche Nachfrage nach klassischen Disc-Versionen erzeugen können.
Auch die Complete Edition bringt neue Spieler
Anfang Oktober erschien außerdem die Ghost of Yōtei Complete Edition. Das Gesamtpaket enthält neben dem Hauptspiel zusätzliche Inhalte, darunter die Erweiterung Echos von Sekigahara.
Nach Angaben von Alinea Analytics entschieden sich innerhalb der ersten beiden Wochen ungefähr 50.000 Käufer für die digitale Complete Edition.
Zudem sollen etwa sechs Prozent der bisherigen Spieler durch die neuen Inhalte zum Spiel zurückgekehrt sein.
Die zusätzlichen Inhalte könnten dem Titel damit helfen, auch nach seinem ersten Geburtstag relevant zu bleiben. Welche Neuerungen enthalten sind, haben wir bereits in unserer Übersicht zur Ghost of Yōtei Complete Edition zusammengefasst.
Warum der Vergleich nicht ganz fair ist
Bei der Bewertung der Verkaufszahlen spielt auch die verfügbare Hardware eine wichtige Rolle.
Ghost of Tsushima erschien 2020 zunächst für die PlayStation 4 und profitierte damit von einer enormen installierten Konsolenbasis. Später kam die PlayStation 5 hinzu.
Ghost of Yōtei wurde dagegen ausschließlich für die PS5 veröffentlicht. Die potenzielle Käuferschaft fällt dadurch kleiner aus.
Hinzu kommen unterschiedliche Verkaufspreise, Rabattaktionen und Marktbedingungen.
Elliott weist allerdings auch darauf hin, dass sich die Umsatzentwicklung von Ghost of Yōtei inzwischen stärker abflacht als beim Vorgänger.
Ob die zusätzlichen Inhalte, spätere Preisreduzierungen oder eine mögliche Veröffentlichung auf weiteren Plattformen langfristig für neue Impulse sorgen, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Ghost of Yōtei verkauft sich nach den aktuellen Schätzungen langsamer als Ghost of Tsushima, erwirtschaftet aber nahezu denselben Umsatz. Für Sony könnte das ein weiteres Beispiel dafür sein, dass der wirtschaftliche Erfolg eines großen PlayStation-Spiels längst nicht mehr allein von der Anzahl verkaufter Exemplare abhängt.
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