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Rockstar Gründer bezeichnet Max Payne 3 als Fehlschlag und gibt sich selbst die Schuld

Max Payne 3 gilt für viele Spieler als einer der besten Third-Person-Shooter seiner Generation. Doch ausgerechnet einer seiner wichtigsten Schöpfer sieht das deutlich kritischer. Rockstar-Mitgründer Dan Houser hat in einem neuen Interview überraschend offen über seine Arbeit an dem Actionspiel aus dem Jahr 2012 gesprochen. Sein Urteil fällt ungewöhnlich hart aus: Er betrachtet seine eigene kreative Leistung als Fehlschlag und übernimmt persönlich einen großen Teil der Verantwortung dafür, dass Max Payne 3 nicht die erhoffte Wirkung erzielte.

Die Aussagen stammen aus einem Gespräch mit IGN, in dem Houser auf verschiedene Stationen seiner Karriere bei Rockstar Games zurückblickt. Besonders interessant ist seine Begründung. Nicht die Schießereien, die Technik oder die Inszenierung seien das eigentliche Problem gewesen. Vielmehr glaubt er, dass viele Fans den Schreibstil von Max-Payne-Schöpfer Sam Lake vermisst hätten.

Dan Houser spricht ungewöhnlich offen über seinen Fehler

Dan Houser gehörte über viele Jahre zu den wichtigsten kreativen Köpfen bei Rockstar Games.

Als Mitgründer und Autor prägte er unter anderem Grand Theft Auto und Red Dead Redemption. Auch bei Max Payne 3 war er maßgeblich für die Geschichte verantwortlich.

Rückblickend beurteilt er seine Arbeit allerdings deutlich kritischer, als man es von einem Entwickler dieser Bekanntheit erwarten würde.

Im Interview erklärt Houser, dass er damals überzeugt gewesen sei, mit Max Payne 3 eine passende Fortsetzung geschaffen zu haben.

Nach der Veröffentlichung habe er jedoch feststellen müssen, dass viele Spieler mit dem neuen Ansatz nicht zufrieden waren.

Besonders deutlich wird seine Selbstkritik in einer kurzen Aussage:

„Ich habe versagt.“

Damit meint Houser vor allem seinen eigenen Beitrag zur kreativen Ausrichtung des Spiels.

Er betont zugleich, dass Max Payne 3 hervorragend umgesetzt worden sei und eigentlich mehr Erfolg verdient hätte.

Seine Kritik richtet sich also nicht pauschal gegen das gesamte Entwicklerteam.

Das größte Problem war offenbar Sam Lake

Die ersten beiden Max-Payne-Spiele wurden von Remedy Entertainment entwickelt und maßgeblich vom finnischen Autor Sam Lake geprägt.

Lake verlieh der Reihe ihren unverwechselbaren Stil.

Düstere Gedanken, melancholische Monologe, schwarzer Humor und eine Atmosphäre wie aus einem klassischen Film noir gehörten zu den wichtigsten Bestandteilen der ursprünglichen Spiele.

Mit Max Payne 3 übernahm Rockstar Games die kreative Führung.

Die Geschichte verlagerte sich von den düsteren Straßen New Yorks nach São Paulo in Brasilien.

Max Payne war älter, gebrochener und kämpfte inzwischen nicht nur gegen Kriminelle, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit.

Dan Houser wollte diese Entwicklung mit einer neuen erzählerischen Ausrichtung verbinden.

Rückblickend glaubt er jedoch, dass viele Fans genau das vermissten, was Sam Lakes ursprüngliche Geschichten ausgezeichnet hatte.

Houser erklärt, dass er Lake persönlich kenne und dessen Talent sehr schätze.

Dennoch habe er unterschätzt, wie wichtig dessen besondere Handschrift für die Identität von Max Payne gewesen sei.

Rockstar wollte einen spielbaren Actionfilm erschaffen

Interessanterweise bereut Houser nicht sämtliche kreativen Entscheidungen.

Im Gegenteil: An viele Aspekte der Entwicklung erinnert er sich ausgesprochen positiv.

Max Payne 3 war deutlich linearer aufgebaut als die großen offenen Spielwelten von Grand Theft Auto oder Red Dead Redemption.

Dadurch konnte Rockstar das Abenteuer wesentlich stärker inszenieren.

Houser beschreibt die damalige Vorstellung als eine Art zwölfstündigen Film, der ohne störende Ladeunterbrechungen erlebt werden sollte.

Auch die besondere Bildsprache spielte eine wichtige Rolle.

Texteinblendungen, schnelle Schnitte und ungewöhnliche visuelle Effekte sollten einen modernen digitalen Noir-Stil schaffen.

Für Houser war das eine spannende kreative Herausforderung.

Er habe die Entwicklung genossen und sei überzeugt gewesen, dass Rockstar damit eine passende Weiterentwicklung der Reihe gefunden habe.

Erst die Reaktionen nach der Veröffentlichung hätten ihm gezeigt, dass nicht alle Fans diese Richtung mittragen wollten.

War Max Payne 3 wirklich ein Flop?

Ganz so einfach lässt sich die Frage nicht beantworten.

Max Payne 3 erschien im Mai 2012 für PlayStation 3 und Xbox 360, später auch für PC.

Das Spiel erhielt zahlreiche positive Kritiken und wurde insbesondere für sein Gunplay, die aufwendigen Animationen und die spektakulären Schießereien gelobt.

Auch kommerziell war das Spiel keineswegs bedeutungslos.

Laut den von Insider Gaming aufgegriffenen Verkaufsangaben wurden mehr als vier Millionen Exemplare ausgeliefert.

Trotzdem blieb der Titel offenbar hinter den Erwartungen zurück, die Rockstar mit der Marke verbunden hatte.

Wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen einem wirtschaftlichen Misserfolg und Housers persönlicher Bewertung.

Wenn der ehemalige Rockstar-Autor von einem Fehlschlag spricht, meint er vor allem die eigene Arbeit an Geschichte und kreativer Ausrichtung.

Das ist kein objektiver Beweis dafür, dass Max Payne 3 insgesamt ein schlechtes Spiel gewesen wäre.

Tatsächlich besitzt der Shooter bis heute eine treue Fangemeinde, die gerade den ungewöhnlichen Stil und die kompromisslose Action schätzt.

Die ersten beiden Max Payne Spiele kehren zurück

Besonders interessant werden Housers Aussagen durch die Zukunft der Reihe.

Remedy Entertainment arbeitet derzeit gemeinsam mit Rockstar Games an Neuauflagen von Max Payne und Max Payne 2: The Fall of Max Payne.

Damit kehrt die Entwicklung der beiden Klassiker zu dem Studio zurück, das die Reihe ursprünglich erschaffen hat.

Die Remakes entstehen mit Remedys moderner Northlight-Technologie und sollen die beiden ursprünglichen Abenteuer für aktuelle Plattformen neu interpretieren.

Über die bislang zurückhaltende Kommunikation rund um das Projekt hatten wir bereits in unserem Artikel Max Payne Remake: Warum herrscht Funkstille? berichtet.

Ein konkreter Veröffentlichungstermin steht weiterhin nicht fest.

Auch ist bislang keine neue Fassung von Max Payne 3 offiziell angekündigt worden.

Über Hinweise auf ein mögliches Remaster hatten wir bereits im vergangenen Jahr berichtet, allerdings handelt es sich dabei weiterhin um unbestätigte Informationen.

Max Payne 3 bekommt Jahre später eine neue Diskussion

Die Aussagen von Dan Houser dürften vor allem unter langjährigen Fans für Gesprächsstoff sorgen.

Während einige Spieler Max Payne 3 wegen seiner Abkehr vom ursprünglichen Stil kritisierten, betrachten andere das Actionspiel bis heute als einen der besten Vertreter seines Genres.

Gerade die Schießereien, das Trefferfeedback und die filmische Präsentation haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Houser selbst sieht diese Qualitäten ebenfalls.

Seine Kritik richtet sich weniger gegen das handwerkliche Ergebnis als gegen die Frage, ob Rockstar die Identität der Reihe richtig verstanden hatte.

Dass ein langjähriger Rockstar-Verantwortlicher mehr als 14 Jahre nach der Veröffentlichung so offen über seine eigenen Fehler spricht, ist durchaus bemerkenswert.

Gleichzeitig zeigt die Geschichte, wie schwierig es sein kann, eine bekannte Spielereihe unter neuer kreativer Führung fortzusetzen.

Denn ein technisch beeindruckendes Spiel muss nicht automatisch die Erwartungen jener Fans erfüllen, die seine Vorgänger geliebt haben.

Ob die kommenden Remakes den besonderen Stil der Originale wieder einfangen können, wird sich erst zeigen.

Die Diskussion über Max Payne 3 dürfte durch Housers Aussagen jedenfalls erneut aufflammen.

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