Nur wenige Wochen vor der geplanten Veröffentlichung von GTA 6 kommen neue Details über die schwierige Entwicklung des Open-World-Spiels ans Licht. Ein umfangreicher Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier beschreibt, wie Rockstar Games über Jahre mit internen Herausforderungen, einem ursprünglich deutlich größeren Spielkonzept und enormen technischen Anforderungen zu kämpfen hatte. Gleichzeitig wurde das Entwicklerstudio nahezu doppelt so groß wie noch zur Veröffentlichung von Red Dead Redemption 2.
Besonders interessant ist die Frage, weshalb GTA 6 trotz dieser gewaltigen Ressourcen so lange auf sich warten ließ. Die neuen Einblicke zeigen, dass Rockstar nicht nur ein außergewöhnlich komplexes Videospiel entwickeln, sondern gleichzeitig die eigenen Arbeitsabläufe grundlegend verändern musste.
GTA 6 sollte ursprünglich mehrere Länder umfassen
Eine der interessantesten Informationen betrifft die frühen Planungen.
Unter dem internen Arbeitstitel Project Americas soll Rockstar ursprünglich eine wesentlich größere Spielwelt vorgesehen haben.
Nach den im Bloomberg-Bericht geschilderten Informationen waren große Gebiete in Nord- und Südamerika geplant.
Damit hätte sich die Handlung offenbar nicht ausschließlich auf die heutige Spielregion rund um Vice City konzentriert.
Während der Entwicklung wurde dieser ambitionierte Umfang allerdings deutlich reduziert.
Stattdessen entschied sich Rockstar dafür, die Spielwelt auf Vice City und die umliegenden Regionen des fiktiven US-Bundesstaates Leonida auszurichten.
Das bedeutet nicht, dass GTA 6 heute eine kleine Karte besitzt. Vielmehr soll die aktuelle Welt besonders detailliert und mit zahlreichen ineinandergreifenden Systemen gestaltet sein.
Die frühen Project-Americas-Pläne waren bereits zuvor Gegenstand verschiedener Berichte. Schreiers aktuelle Recherche liefert nun zusätzliche Einblicke in die schwierigen Entscheidungen hinter dieser Neuausrichtung.
Rockstar erlebte eine besonders schwierige Entwicklungsphase
Laut dem Bloomberg-Bericht verlief die Produktion keineswegs durchgehend reibungslos.
Zeitweise soll das Team eine besonders schwierige Phase erlebt haben, in der wichtige Entscheidungen über die Ausrichtung des Spiels offenblieben.
Dabei ging es unter anderem um den gewünschten Realismus, das Zusammenspiel verschiedener Gameplay-Systeme und die Gestaltung der Spielwelt.
Die Verantwortlichen mussten offenbar immer wieder entscheiden, welche Ideen tatsächlich sinnvoll umgesetzt werden konnten.
Gerade bei GTA 6 ist das eine besondere Herausforderung.
Eine offene Spielwelt soll möglichst glaubwürdig wirken, gleichzeitig aber auch genügend Freiheiten für ungewöhnliche Aktionen und unterhaltsame Missionen bieten.
Je stärker einzelne Systeme miteinander verknüpft werden, desto schwieriger wird es, Änderungen vorzunehmen.
Ein neues Verhalten von Passanten kann beispielsweise Auswirkungen auf Polizeireaktionen, Verkehr, Missionen und andere Abläufe haben.
Entscheidend ist deshalb nicht allein die Größe der Karte, sondern die Vielzahl der Situationen, auf die das Spiel reagieren muss.
Fast 4.700 Mitarbeiter arbeiten inzwischen bei Rockstar
Auch die Entwicklung des Unternehmens selbst ist bemerkenswert.
Während der Veröffentlichung von Red Dead Redemption 2 im Jahr 2018 beschäftigte Rockstar laut dem Bericht rund 2.441 Menschen.
Inzwischen soll diese Zahl auf etwa 4.711 Beschäftigte an zwölf Standorten gestiegen sein.
Damit hat sich das Unternehmen innerhalb von acht Jahren nahezu verdoppelt.
Diese Zahl beschreibt allerdings die gesamte Belegschaft von Rockstar Games und nicht ausschließlich die Entwickler, die direkt an GTA 6 arbeiten.
Trotzdem macht sie deutlich, welchen Umfang die Produktion inzwischen erreicht hat.
Verschiedene Teams beschäftigen sich mit Animationen, Programmierung, Missionsdesign, Dialogen, der Spielwelt und zahlreichen weiteren Bereichen.
Die Zusammenarbeit über mehrere internationale Standorte hinweg bringt zusätzliche organisatorische Herausforderungen mit sich.
Denn selbst bei einer großen Zahl von Mitarbeitern lassen sich komplexe Aufgaben nicht beliebig schnell abschließen.
Gerade wenn verschiedene Abteilungen voneinander abhängig sind, können Änderungen an einem System umfangreiche Anpassungen in anderen Bereichen erforderlich machen.
Deshalb musste GTA 6 mehrfach verschoben werden
Ursprünglich sollte GTA 6 bereits im Herbst 2025 erscheinen.
Später verschob Rockstar den Start zunächst auf Mai 2026 und schließlich auf den 19. November 2026.
Die neue Recherche beschreibt die beiden Terminänderungen im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Komplexität des Spiels.
Insbesondere die detaillierte Spielwelt, technische Systeme und das Verhalten der zahlreichen computergesteuerten Figuren sollen einen erheblichen Entwicklungsaufwand verursacht haben.
Damit wird verständlicher, weshalb Rockstar trotz seiner gewachsenen Belegschaft zusätzliche Zeit benötigte.
Auch nach vielen Jahren Entwicklungszeit müssen unzählige Abläufe aufeinander abgestimmt und überprüft werden.
Besonders anspruchsvoll ist dabei, dass Spieler in einer offenen Welt zahlreiche Aktionen ausprobieren können, die sich nicht vollständig vorausplanen lassen.
Eine solche Freiheit gehört zu den wichtigsten Stärken der GTA-Reihe, macht die Qualitätssicherung aber gleichzeitig äußerst aufwendig.
Die aktuelle Berichterstattung bedeutet allerdings nicht, dass eine weitere Verschiebung bereits beschlossen wäre.
Rockstar will problematische Arbeitsbedingungen verbessern
Neben den technischen Herausforderungen beschäftigt sich der Bloomberg-Bericht ausführlich mit den Arbeitsbedingungen.
Schon bei Red Dead Redemption 2 war Rockstar wegen einer intensiven Überstundenkultur in die Kritik geraten.
In den vergangenen Jahren soll das Unternehmen verschiedene Maßnahmen eingeführt haben, um übermäßige Arbeitszeiten zu reduzieren.
Nach Angaben des Managements haben sich die Bedingungen dadurch verbessert.
Allerdings berichten einzelne Beschäftigte weiterhin von Phasen hoher Arbeitsbelastung.
Damit ist das Problem offenbar nicht vollständig verschwunden.
Hinzu kommt, dass Rockstar seine Mitarbeiter weiterhin grundsätzlich an fünf Tagen pro Woche im Büro erwartet.
Als Begründung verweist das Unternehmen unter anderem auf Sicherheitsanforderungen.
Nach der Veröffentlichung von GTA 6 soll diese Regelung erneut überprüft werden.
Ob es anschließend tatsächlich mehr Möglichkeiten für mobiles Arbeiten geben wird, ist derzeit nicht bekannt.
Auch Entlassungen sorgen weiterhin für Konflikte
Ein weiteres schwieriges Thema betrifft die Auseinandersetzungen zwischen Rockstar und Teilen seiner Belegschaft.
Im Bericht werden die Entlassungen von 34 Mitarbeitern aufgegriffen, die zuletzt für erhebliche Diskussionen gesorgt hatten.
Im Mittelpunkt steht ein Streit über mögliche gewerkschaftliche Aktivitäten.
Rockstar erklärt, die Beschäftigten seien wegen der Weitergabe vertraulicher Unternehmensinformationen entlassen worden.
Die betroffenen Mitarbeiter beziehungsweise ihre Unterstützer bestreiten diese Darstellung und sehen einen Zusammenhang mit Versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
Die Vorwürfe stehen sich damit weiterhin gegenüber.
Eine abschließende Klärung lässt sich aus der aktuellen Berichterstattung nicht ableiten.
Die Auseinandersetzung zeigt jedoch, dass der interne Umbau von Rockstar nicht ausschließlich eine technische Frage ist.
Auch die Organisation der Beschäftigten und der Umgang mit unterschiedlichen Interessen spielen eine wichtige Rolle.
Neue Technologien sollen zukünftige Rockstar Spiele beschleunigen
Trotz der langen Entwicklungszeit könnte GTA 6 für Rockstar auch langfristige Vorteile bringen.
Nach den öffentlich zusammengefassten Aussagen aus dem Bericht hoffen Entwickler, dass sich die während der Produktion geschaffenen Technologien und Werkzeuge künftig erneut einsetzen lassen.
Das betrifft unter anderem technische Grundlagen, Entwicklungssoftware und verschiedene Systeme zur Gestaltung der Spielwelt.
Damit könnten zukünftige Projekte möglicherweise schneller entstehen.
Allerdings ist eine solche Aussicht noch keine verbindliche Ankündigung für GTA 7 oder ein anderes neues Rockstar-Spiel.
Auch ein bereits vorhandenes technisches Fundament ersetzt nicht die aufwendige Arbeit an neuen Geschichten, Figuren und Missionen.
Dennoch könnte sich die jahrelange Entwicklungsarbeit später auch außerhalb von GTA 6 bemerkbar machen.
Rockstar hält weiterhin am November Termin fest
Für die Fans dürfte vor allem eine Frage entscheidend sein: Erscheint GTA 6 wirklich am 19. November?
Laut der aktuellen Bloomberg-Recherche hält das Rockstar-Management den Termin weiterhin für erreichbar.
Gleichzeitig wird noch am Spiel gearbeitet. Dazu gehören Änderungen und die Behebung technischer Fehler.
Dass wenige Wochen vor der Veröffentlichung weiterhin Bugs korrigiert werden, ist bei einer großen Produktion grundsätzlich nicht ungewöhnlich.
Die Aussage, ein Termin sei erreichbar, sollte allerdings nicht mit einer uneingeschränkten Garantie verwechselt werden.
Eine weitere Verschiebung wurde nicht angekündigt.
Offiziell bleibt es deshalb beim 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
GTA 6 ist mehr als nur ein neues Open World Spiel
Die neuen Einblicke machen deutlich, weshalb GTA 6 zu den aufwendigsten Projekten der Videospielgeschichte gehört.
Rockstar hat nicht nur eine neue Spielwelt mit zwei Hauptfiguren entwickelt, sondern zugleich seine Belegschaft erheblich vergrößert, Arbeitsabläufe verändert und ursprüngliche Pläne teilweise verworfen.
Besonders das frühere Project-Americas-Konzept zeigt, wie groß die ursprünglichen Ambitionen gewesen sein sollen.
Am Ende könnte gerade die Entscheidung, sich auf eine konzentriertere Spielwelt mit besonders hoher Detailtiefe zu beschränken, entscheidend für das fertige Spiel gewesen sein.
Ob Rockstar die technischen und spielerischen Erwartungen der Fans erfüllen kann, wird sich erst nach der Veröffentlichung beurteilen lassen.
Die Hintergrundrecherche zeigt aber bereits jetzt, dass die Entwicklung von GTA 6 weit mehr war als die bloße Fortsetzung eines erfolgreichen Spiels.
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Die Zahl der Mitarbeiter ist beeindruckend. Jetzt verstehe ich besser, warum technische Probleme Zeit brauchen. Ich freue mich auf GTA 6, bin aber auch etwas skeptisch wegen möglicher Bugs.
Klingt plausibel. Schade wegen der Entlassungen, aber gut, dass über bessere Arbeitsbedingungen gesprochen wird. Hoffe, der Termin bleibt bestehen.
Interessant zu lesen. Es erklärt, warum das Spiel so lange braucht. Ich bin neugierig auf das Ergebnis.