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Ehemaliger Naughty Dog Entwickler warnt vor einer Zukunft ohne Spiele wie The Last of Us

Was passiert, wenn Videospiele in Zukunft immer stärker von neuen Technologien und künstlicher Intelligenz geprägt werden? Matt Radford, ein ehemaliger Künstler von Naughty Dog, macht sich darüber ernsthafte Gedanken. Der Entwickler, der unter anderem an The Last of Us und Uncharted 4 gearbeitet hat, befürchtet, dass aufwendig von Menschen gestaltete Spiele eines Tages zu einer Seltenheit werden könnten. In einem aktuellen Interview zieht er dafür einen ungewöhnlichen Vergleich: Große PlayStation-Produktionen könnten irgendwann ähnlich bewundert werden wie historische Kathedralen.

Seine Aussagen betreffen damit eine Entwicklung, die inzwischen die gesamte Spielebranche beschäftigt. Während moderne Technologien die Produktion beschleunigen und Kosten reduzieren können, stellt sich zunehmend die Frage, wie viel menschliche Kreativität in den großen Spielen der Zukunft stecken wird.

Naughty Dog Veteran zieht ungewöhnlichen Vergleich

Im Gespräch mit dem YouTube-Kanal Kiwi Talkz blickte Matt Radford auf seine Arbeit bei Naughty Dog und die Entwicklung moderner Videospiele zurück.

Dabei erinnerte er an Produktionen wie Uncharted 4, The Last of Us Part II und das kommende Intergalactic: The Heretic Prophet.

Diese Titel stehen für einen enormen Entwicklungsaufwand. Schauspieler liefern aufwendige Performance-Capture-Aufnahmen, Autoren schreiben komplexe Geschichten und zahlreiche Künstler erschaffen Figuren, Animationen und detaillierte Spielwelten.

Radford fragt sich allerdings, ob solche Produktionsweisen auch in Zukunft selbstverständlich bleiben werden.

Um seine Sorge zu verdeutlichen, verweist er auf historische Bauwerke wie die Kathedralen in Köln.

Diese Gebäude entstanden in einer Zeit, in der zahlreiche Handwerker und Künstler über lange Zeiträume hinweg an außergewöhnlich detaillierten Bauwerken arbeiteten.

Heute gibt es wesentlich effizientere Methoden, Gebäude zu errichten. Trotzdem werden viele historische Bauwerke gerade wegen ihrer aufwendigen Gestaltung bewundert.

Radford fragt sich, ob zukünftige Spieler einmal ähnlich auf Videospiele unserer Zeit zurückblicken könnten.

Dann würden Menschen möglicherweise staunen, wie viel Arbeit tatsächlich von Schauspielern, Autoren, Modellierern und anderen Künstlern geleistet wurde.

Werden Spiele wie The Last of Us irgendwann zur Ausnahme?

Besonders deutlich wird Radfords Sorge bei der Zukunft großer Einzelspieler-Abenteuer.

Spiele wie The Last of Us Part II oder Uncharted 4 zeichnen sich nicht nur durch ihre Grafik aus.

Sie verbinden aufwendige Animationen, detaillierte Umgebungen, Schauspiel, Musik und eine sorgfältig inszenierte Geschichte zu einem Gesamterlebnis.

Für solche Produktionen arbeiten oft Hunderte Entwickler über mehrere Jahre zusammen.

Radford befürchtet, dass diese Form der Entwicklung irgendwann wirtschaftlich oder technisch nicht mehr selbstverständlich sein könnte.

Er stellt unter anderem die Frage, ob Unternehmen auch künftig bereit und in der Lage sein werden, mehrere Hundert Millionen Dollar in ein einzelnes aufwendiges Actionspiel mit einer großen Geschichte zu investieren.

Dabei nennt er eine mögliche Größenordnung von 600 Millionen Dollar als Beispiel, nicht als bestätigtes Budget eines bestimmten Naughty-Dog-Spiels.

Seiner Ansicht nach könnten die Möglichkeiten neuer Technologien langfristig verändern, wie viele Menschen überhaupt noch an solchen Spielen arbeiten.

Und genau diese Veränderung bereitet ihm Sorgen.

Künstliche Intelligenz verändert bereits die Spieleentwicklung

Obwohl Radford in seinen entsprechenden Aussagen nicht ausdrücklich generative KI als einzigen Auslöser nennt, liegt der Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen der Branche nahe.

Immer mehr Studios experimentieren mit automatisierten Werkzeugen.

Diese können beispielsweise Programmierer unterstützen, Entwicklungsprozesse beschleunigen oder bei der Erstellung und Bearbeitung von Inhalten helfen.

Generative KI geht dabei teilweise noch weiter, indem sie Texte, Bilder, Programmcode oder andere Inhalte erzeugen kann.

Für Unternehmen ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten.

Aufgaben könnten schneller erledigt werden, kleinere Teams könnten größere Projekte umsetzen und bestimmte Produktionsschritte könnten günstiger werden.

Gleichzeitig entstehen aber auch neue Fragen.

Wenn ein Teil der bisherigen Arbeit automatisiert werden kann, verändert sich möglicherweise der Bedarf an Künstlern, Autoren und anderen Spezialisten.

Besonders umstritten ist dabei, ob Unternehmen solche Technologien als Unterstützung für ihre Mitarbeiter einsetzen oder langfristig möglichst viele menschliche Aufgaben ersetzen möchten.

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Denn der Einsatz neuer Werkzeuge bedeutet nicht automatisch, dass kreative Qualität verloren geht. Ebenso wenig garantiert eine schnellere Produktion ein besseres Spiel.

Intergalactic könnte noch einmal ein besonderes Beispiel werden

Interessant ist, dass Radford ausdrücklich Intergalactic: The Heretic Prophet erwähnt.

Das neue Science-Fiction-Abenteuer gilt als eines der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte von Naughty Dog.

Studioleiter Neil Druckmann hat bereits mehrfach betont, dass das Team besonders hohe Ansprüche an die Entwicklung stellt.

Ein wichtiger Meilenstein wurde Ende August erreicht, als Naughty Dog den Abschluss umfangreicher Performance-Capture-Arbeiten bestätigte.

Dabei standen erneut echte Schauspieler im Mittelpunkt.

Über diesen Entwicklungsschritt hatten wir bereits im Artikel Intergalactic erreicht wichtigen Meilenstein und das Timing fällt auf berichtet.

Radford sieht gerade in solchen Produktionen etwas Besonderes.

Denn neben der eigentlichen Technik stecken in ihnen zahlreiche künstlerische Entscheidungen, individuelle Erfahrungen und die Zusammenarbeit vieler Menschen.

Ob Intergalactic später tatsächlich als eines der letzten großen Beispiele dieser Produktionsweise angesehen wird, ist natürlich reine Spekulation.

Es gibt auch keinerlei Bestätigung dafür, dass Naughty Dog künftig auf eine überwiegend automatisierte Spieleentwicklung umsteigen möchte.

Auch die steigenden Kosten machen Entwicklern Sorgen

Neben der Technologie spielt die wirtschaftliche Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Große AAA-Spiele werden seit Jahren immer aufwendiger produziert.

Höhere grafische Ansprüche, umfangreiche Animationen, größere Spielwelten und lange Entwicklungszeiten können erhebliche Kosten verursachen.

Gleichzeitig ist der Erfolg eines einzelnen Spiels nicht garantiert.

Für Publisher bedeutet das ein finanzielles Risiko, das bei besonders umfangreichen Projekten entsprechend hoch ausfallen kann.

Die Branche sucht deshalb nach Wegen, Entwicklungsprozesse effizienter zu gestalten.

Neue Technologien könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

Allerdings wäre auch ein anderes Szenario denkbar: Studios könnten ihre Projekte wieder stärker auf kürzere, konzentrierte Spielerlebnisse ausrichten.

Nicht jedes gute Spiel benötigt schließlich eine riesige offene Welt, Hunderte Nebenmissionen oder eine besonders lange Kampagne.

Radfords Aussagen lassen deshalb Raum für eine größere Diskussion darüber, welche Art von Spielen künftig überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll produziert werden kann.

Naughty Dog steht für eine besondere PlayStation Tradition

Die Bedenken erhalten zusätzliches Gewicht, weil Naughty Dog zu den bekanntesten PlayStation-Studios gehört.

Mit Uncharted und The Last of Us hat das Entwicklerteam maßgeblich dazu beigetragen, Sonys Konsolen als Plattform für aufwendig inszenierte Einzelspieler-Abenteuer zu etablieren.

Besonders die Verbindung aus Spielmechanik, Schauspiel und filmischer Inszenierung gilt als Markenzeichen des Studios.

Gleichzeitig musste sich auch Naughty Dog zuletzt mit veränderten wirtschaftlichen Anforderungen beschäftigen.

Das geplante Multiplayer-Projekt zu The Last of Us wurde Ende 2023 eingestellt.

Die Entwickler entschieden sich anschließend bewusst dafür, den Schwerpunkt wieder auf große Einzelspieler-Erlebnisse zu legen.

Welche finanziellen Folgen die eingestellte Produktion hatte, ist nicht vollständig bekannt.

Unsere frühere Berichterstattung zu den möglichen Entwicklungskosten von The Last of Us Online zeigt allerdings, wie intensiv über die wirtschaftlichen Risiken großer Spieleprojekte diskutiert wird.

Das bedeutet nicht, dass solche Spiele unmittelbar vor dem Aus stehen.

Vielmehr zeigt es, unter welchem Druck selbst erfolgreiche Entwicklerstudios inzwischen arbeiten.

Die Zukunft muss nicht automatisch schlechter werden

Radfords Vergleich mit historischen Bauwerken ist eindrucksvoll, sollte aber nicht als sichere Vorhersage verstanden werden.

Auch frühere technische Veränderungen haben die Spieleentwicklung grundlegend verändert.

Neue Grafik-Engines, Motion Capture, automatisierte Testverfahren und moderne Entwicklungswerkzeuge ermöglichten Produktionen, die mit älteren Methoden kaum realisierbar gewesen wären.

Trotzdem entstanden dadurch nicht automatisch weniger kreative Spiele.

Auch generative KI könnte künftig bestimmte Routineaufgaben übernehmen, während sich Entwickler stärker auf Geschichten, Spielmechaniken und künstlerische Gestaltung konzentrieren.

Entscheidend dürfte sein, wie die Technologie eingesetzt wird und welche Prioritäten Studios und Publisher setzen.

Ein Spiel entsteht schließlich nicht nur durch die Anzahl der Arbeitsstunden, sondern auch durch Ideen, Erfahrung und kreative Entscheidungen.

Neue Technologien können diese Arbeit unterstützen. Ob sie menschliche Kreativität in größerem Umfang ersetzen werden, bleibt offen.

Werden wir heutige PlayStation Spiele irgendwann anders betrachten?

Matt Radfords Aussagen treffen einen interessanten Punkt.

Viele Spieler bewundern bereits heute die technische und künstlerische Leistung hinter Titeln wie Uncharted 4 und The Last of Us Part II.

Doch möglicherweise werden zukünftige Generationen diese Spiele aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

Nicht allein wegen ihrer Grafik oder ihrer Geschichten, sondern weil so viele Menschen an ihrer Entstehung beteiligt waren.

Ob es tatsächlich dazu kommt, lässt sich heute nicht vorhersagen.

Fest steht aber, dass die Spielebranche vor Veränderungen steht, die weit über höhere Auflösungen und bessere Grafik hinausgehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welche Technologien Spiele künftig ermöglichen, sondern auch, welche Rolle Menschen bei ihrer Entstehung spielen werden.

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