Während die Veröffentlichung von GTA 6 immer näher rückt, beginnt für Rockstar Games ein Verfahren, das mit der Entwicklung des Spiels nur indirekt zu tun hat, für das Unternehmen aber dennoch von großer Bedeutung ist. Seit dem 10. September 2026 verhandelt ein Arbeitsgericht in Glasgow über die Entlassung von 31 Beschäftigten. Die Gewerkschaft IWGB wirft Rockstar unter anderem rechtswidrige Kündigungen und die gezielte Benachteiligung von Gewerkschaftsmitgliedern vor. Rockstar weist diese Darstellung zurück und erklärt, die Mitarbeiter seien wegen des Umgangs mit vertraulichen Informationen entlassen worden.
Nach Angaben der IWGB hatten die betroffenen Entwickler zum Zeitpunkt ihrer Entlassung im Oktober 2025 an Grand Theft Auto 6 gearbeitet. Die abschließende Anhörung soll sich über mehrere Wochen bis Mitte Oktober erstrecken.
Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen Rockstar
Im Mittelpunkt des Falls steht die Frage, warum die 31 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren haben.
Die Independent Workers’ Union of Great Britain vertritt die Position, dass die Betroffenen aufgrund ihrer Gewerkschaftstätigkeit ins Visier des Unternehmens geraten seien. Die Gewerkschaft wirft Rockstar unter anderem sogenanntes Blacklisting sowie eine Diskriminierung von Mitarbeitern wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten vor.
Nach Darstellung der IWGB wurden die Beschäftigten außerdem ohne ein übliches Disziplinarverfahren und ohne die Möglichkeit einer Berufung entlassen.
Rockstar widerspricht diesen Vorwürfen.
Das Unternehmen erklärte bereits nach den Kündigungen, dass die Maßnahmen nicht mit einer Gewerkschaftsmitgliedschaft oder dem Recht auf gewerkschaftliche Organisation zusammenhingen. Nach Rockstars Darstellung hätten Mitarbeiter vertrauliche Informationen in einem Forum beziehungsweise einer Discord-Gruppe geteilt und damit gegen Unternehmensrichtlinien sowie ihre rechtlichen Verpflichtungen verstoßen.
Beide Seiten widersprechen sich beim entscheidenden Punkt
Genau bei dieser Discord-Gruppe gehen die Darstellungen auseinander.
Rockstar bezeichnete den Kommunikationsraum als öffentlich beziehungsweise verwies darauf, dass sich dort auch Personen außerhalb der eigenen Belegschaft befunden hätten. Das Unternehmen sprach später konkret davon, dass Informationen über Funktionen kommender und noch unangekündigter Spiele diskutiert worden seien.
Die IWGB weist dagegen zurück, dass es sich um einen öffentlichen Kanal gehandelt habe. Nach Darstellung der Gewerkschaft diente die Gruppe der Organisation von Beschäftigten und dem Austausch über Arbeitsbedingungen.
Welche Darstellung rechtlich entscheidend ist und ob die Kündigungen zulässig waren, gehört nun zu den Fragen, mit denen sich das Tribunal beschäftigen muss.
Die Vorwürfe der Gewerkschaft sind daher nicht mit einem bereits festgestellten Fehlverhalten Rockstars gleichzusetzen. Das Verfahren soll genau diese Punkte klären.
Rockstar musste bereits einen Rückschlag hinnehmen
Eine erste wichtige Entscheidung gab es bereits vor Beginn der jetzigen Hauptverhandlung.
Rockstar wollte erreichen, dass ein Teil der von der IWGB erhobenen Blacklisting-Vorwürfe aus dem Verfahren gestrichen wird. Das zuständige Tribunal lehnte diesen Antrag im Juni 2026 ab. Dadurch dürfen die entsprechenden Vorwürfe nun Bestandteil der abschließenden Verhandlung bleiben.

Die damalige Entscheidung betraf zunächst die Frage, welche Ansprüche und Vorwürfe im weiteren Verfahren geprüft werden können. Ob Rockstar tatsächlich rechtswidrig gehandelt hat, muss erst im laufenden Verfahren geklärt werden.
Verhandlung läuft bis kurz vor GTA 6
Der Zeitpunkt dürfte die Aufmerksamkeit zusätzlich erhöhen.
Die Anhörung begann am 10. September und soll nach Angaben der IWGB bis zum 16. Oktober dauern. GTA 6 soll anschließend am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen.
Einen belegten Zusammenhang zwischen dem Verfahren und dem Entwicklungszeitplan von GTA 6 gibt es derzeit nicht.
Dass 31 der betroffenen Beschäftigten zuvor an dem Spiel gearbeitet haben, bedeutet ebenfalls nicht automatisch, dass sich die juristische Auseinandersetzung auf den Veröffentlichungstermin auswirken wird. Rockstar hat keine entsprechende Verzögerung angekündigt.
Die Bedeutung des Falls geht ohnehin über GTA 6 hinaus. Im Mittelpunkt stehen arbeitsrechtliche Fragen und der Umgang großer Spieleunternehmen mit gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern.
Jetzt müssen die Vorwürfe vor Gericht geklärt werden
In den kommenden Wochen dürfte das Tribunal Aussagen und Beweismittel beider Seiten prüfen.
Die IWGB will nach eigenen Angaben darlegen, dass die Mitarbeiter wegen ihrer Gewerkschaftsaktivitäten diskriminiert und rechtswidrig entlassen wurden. Rockstar dürfte dagegen versuchen zu belegen, dass die Kündigungen aus Gründen der Vertraulichkeit und unabhängig von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft erfolgten.
Damit wird aus einem Streit, der seit Ende 2025 öffentlich geführt wird, nun ein umfangreiches Gerichtsverfahren.
Ein Ergebnis steht aktuell nicht fest. Bis zu einer Entscheidung sollten deshalb sowohl die Vorwürfe gegen Rockstar als auch die Gegenargumente des Unternehmens als Positionen der jeweiligen Parteien behandelt werden.
Für Rockstar kommt das Verfahren zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt. Nur wenige Wochen nach dem geplanten Ende der Anhörung soll mit GTA 6 das mit Abstand wichtigste neue Spiel des Unternehmens erscheinen.
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