James Bond gehört seit Jahrzehnten zu den größten Namen der Unterhaltungswelt. Trotzdem haben Videospiele rund um den berühmten Geheimagenten zuletzt eher eine Nebenrolle gespielt. Genau deshalb waren die Erwartungen an 007 First Light enorm hoch. Mit IO Interactive übernimmt ausgerechnet das Studio hinter der Hitman-Reihe die Aufgabe, Bond modern neu zu interpretieren – und genau diese Kombination sorgt bereits vor dem ersten Start für hohe Erwartungen.
Nach vielen Stunden auf der PS5 wird schnell klar: 007 First Light ist kein typischer Shooter und auch kein einfacher Action-Blockbuster. Stattdessen versucht IO Interactive, die DNA der klassischen Bond-Filme mit modernem Gameplay und ihrer eigenen Stealth-Erfahrung zu verbinden. Das klappt überraschend oft hervorragend, zeigt aber auch einige Schwächen, die man nicht ignorieren sollte.
Ein Bond-Spiel, das endlich wieder wie James Bond wirkt
Viele frühere Bond-Spiele konzentrierten sich fast ausschließlich auf Action, Explosionen und Schusswechsel. 007 First Light geht einen anderen Weg. Bereits in den ersten Missionen merkt man deutlich, dass das Spiel viel stärker auf Spionage, Spannung und Atmosphäre setzt.

Das Interessante dabei: 007 First Light fühlt sich trotz der klaren Hitman-Einflüsse nie wie ein reiner Klon an. Das Spiel versucht bewusst, seinen eigenen Stil zu finden. Es ist weniger Sandbox als Hitman, gleichzeitig aber deutlich offener als typische lineare Story-Spiele.
Gerade diese Mischung macht das Erlebnis besonders spannend.
Die Story überrascht mit einem persönlicheren Bond
Statt den perfekten Superspion zu spielen, erlebt man hier einen deutlich jüngeren James Bond, der erst lernen muss, wie MI6 funktioniert und welche Konsequenzen seine Entscheidungen haben.
Diese Herangehensweise funktioniert erstaunlich gut. Bond wirkt menschlicher, manchmal impulsiv und nicht immer vollkommen kontrolliert. Das sorgt dafür, dass die Figur deutlich glaubwürdiger erscheint als in vielen älteren Interpretationen.
Auch bekannte Figuren wie M, Q oder Moneypenny bekommen mehr Tiefe spendiert. Vor allem Moneypenny gehört klar zu den Highlights der Story. Sie ist nicht nur die typische Nebenfigur, sondern spielt emotional und narrativ eine deutlich größere Rolle.
Die Handlung selbst dreht sich um moderne Themen wie Überwachung, künstliche Intelligenz, Kontrolle und digitale Manipulation. Dadurch wirkt die Story angenehm aktuell und weniger wie ein altmodischer Agentenfilm.

Allerdings hat die Story auch kleinere Probleme. Vor allem im Mittelteil verliert das Tempo etwas an Schwung. Einige Missionen ziehen sich unnötig in die Länge und hätten kompakter ausfallen können. Gegen Ende findet das Spiel jedoch wieder deutlich besser in seinen Rhythmus zurück.
Gameplay: Zwischen Stealth, Action und Investigation
Das Gameplay ist ohne Frage das Herzstück von 007 First Light. Hier zeigt IO Interactive, warum das Studio perfekt für ein modernes Bond-Spiel geeignet ist.
Viele Missionen beginnen ruhig und fast schon detektivisch. Man sammelt Informationen, beobachtet Gegner oder lauscht Gesprächen. Oft entdeckt man alternative Wege oder versteckte Möglichkeiten erst durch Aufmerksamkeit.
Dabei nutzt Bond verschiedene Gadgets:
- Scanner
- Hacking-Werkzeuge
- Ablenkungsgeräte
- Giftpfeile
- technische Hilfsmittel
Diese Gadgets fühlen sich angenehm sinnvoll an und nicht wie übertriebene Sci-Fi-Spielereien.
Besonders gelungen ist die Art, wie Informationen im Spiel verteilt werden. NPCs reden miteinander, Sicherheitskräfte reagieren auf Veränderungen und manche Hinweise entdeckt man nur durch genaues Zuhören. Dadurch wirken die Missionen lebendig und glaubwürdig.
Mehr Freiheit als typische Actionspiele – aber nicht komplett offen
Ein großer Pluspunkt ist das Missionsdesign. Viele Einsätze bieten mehrere Wege ans Ziel. Man kann schleichen, manipulieren oder Gegner umgehen. Teilweise erinnert das stark an Hitman, allerdings deutlich kompakter und stärker inszeniert.
Trotzdem sollte man keine komplett offene Sandbox erwarten. Das Spiel bleibt letztlich ein storygetriebenes Action-Adventure. Manche Missionen führen den Spieler deshalb relativ klar in bestimmte Richtungen.
Genau hier entsteht gelegentlich ein Problem:
Während einige Missionen enorme Freiheit bieten, wirken andere überraschend eingeschränkt. Teilweise gibt es Situationen, in denen das Spiel praktisch nur eine Lösung akzeptiert. Das kann etwas frustrierend sein, besonders wenn man kreativ experimentieren möchte.
Auch das Pacing leidet manchmal darunter. Vor allem Suchaufgaben oder bestimmte Rätsel bremsen den Spielfluss gelegentlich unnötig aus.
Wenn Bond plötzlich zum Actionhelden wird
Sobald Tarnung scheitert oder das Spiel bewusst in spektakuläre Szenen wechselt, verändert sich das Gameplay deutlich. Dann dominieren Schusswechsel, Explosionen und Nahkämpfe das Geschehen.

Die Nahkämpfe gehören dabei klar zu den stärkeren Gameplay-Elementen. Bond nutzt Umgebungen dynamisch, schlägt Gegner gegen Objekte oder kombiniert verschiedene Aktionen miteinander. Die Kämpfe wirken wuchtig und angenehm direkt.
Das Gunplay dagegen ist solide, erreicht aber nicht ganz das Niveau moderner Shooter-Topspiele. Waffen fühlen sich ordentlich an, aber manchmal fehlt etwas Feedback oder Intensität. Gerade längere Schießereien wirken stellenweise etwas generisch.
Zum Glück bleibt Action aber nie zu lange dominant. Das Spiel erinnert den Spieler regelmäßig daran, dass Bond eben kein Dauer-Soldat ist, sondern ein Geheimagent.
Technisch stark auf der PS5
Optisch liefert 007 First Light ein sehr starkes Gesamtbild ab. Besonders die luxuriösen Schauplätze sehen hervorragend aus. Von eleganten Casinos über Hightech-Labore bis hin zu exklusiven Resorts erzeugt das Spiel immer wieder echte Bond-Stimmung.
Die Charaktermodelle und Animationen gehören ebenfalls zu den Highlights. Gesichtsausdrücke wirken glaubwürdig und transportieren Emotionen oft bereits ohne viele Worte.
Auch die Beleuchtung überzeugt. Gerade Nachtmissionen oder elegante Abendveranstaltungen sehen teilweise richtig beeindruckend aus.
Auf der PS5 läuft das Spiel größtenteils stabil. Die Framerate bleibt meist konstant und Ladezeiten sind angenehm kurz. Kleinere Bugs oder Animationfehler treten zwar gelegentlich auf, halten sich insgesamt aber in einem akzeptablen Rahmen.
Soundtrack und Atmosphäre passen perfekt
Ein Bond-Spiel lebt stark von Atmosphäre – und genau hier macht 007 First Light vieles richtig.
Der Soundtrack erinnert angenehm an klassische Bond-Musik, ohne einfach bekannte Themes zu kopieren. Stattdessen setzt das Spiel auf moderne Agenten-Stimmung mit orchestralen Elementen und spannungsreicher Musik.
Auch die Sprecher leisten gute Arbeit. Besonders Bond selbst wirkt charismatisch, ohne zu geschniegelt oder künstlich cool zu wirken.
Die Umgebungsgeräusche tragen ebenfalls enorm zur Immersion bei. Gespräche im Hintergrund, Sicherheitssysteme oder entfernte Musik sorgen dafür, dass sich die Welt glaubwürdig anfühlt.
Wiederspielwert überraschend hoch
Einer der größten Vorteile von 007 First Light ist der hohe Wiederspielwert.
Viele Missionen lassen sich auf komplett unterschiedliche Weise lösen. Mal schleicht man nahezu unsichtbar durchs Ziel, mal setzt man stärker auf Gadgets oder direkte Konfrontationen.
Zusätzliche Herausforderungen, alternative Wege und freischaltbare Inhalte motivieren dazu, Missionen mehrfach zu spielen.
Gerade Fans von Hitman dürften hier lange beschäftigt sein.
Fazit
007 First Light ist wahrscheinlich das authentischste James-Bond-Spiel seit sehr langer Zeit. IO Interactive versteht erstaunlich gut, was James Bond eigentlich ausmacht: Stil, Spannung, Charme, Improvisation und der ständige Wechsel zwischen Kontrolle und Chaos.
Das Spiel ist nicht perfekt. Manche Missionen ziehen sich unnötig, einige Actionpassagen bleiben hinter den starken Stealth-Elementen zurück und gelegentlich wirkt das Missionsdesign etwas zu eingeschränkt.
Trotzdem liefert IO Interactive hier ein modernes Agenten-Abenteuer ab, das sich angenehm von typischen AAA-Open-World-Formeln unterscheidet.
Vor allem die Mischung aus Spionage, Story und taktischer Freiheit sorgt dafür, dass 007 First Light oft genau das liefert, was viele Fans seit Jahren von einem Bond-Spiel wollten.
Wertung: 8.6 / 10
Positiv
- Sehr starke Bond-Atmosphäre
- Gelungene Mischung aus Stealth und Action
- Interessante moderne Story
- Gute Charaktere und Dialoge
- Hoher Wiederspielwert
- Viele kreative Missionsansätze
- Technisch stark auf PS5
Negativ
- Mittelteil mit kleineren Längen
- Nicht jede Mission bietet echte Freiheit
- Gunplay nur solide
- Vereinzelte kleinere Bugs
Basierend auf bereitgestellten Informationen und Inspirationsmaterial.




