Nintendo könnte bei zukünftigen Zelda-Spielen erneut neue Wege einschlagen. Serienverantwortlicher Hidemaro Fujibayashi hat in einem Interview erklärt, dass sich die nächste Generation von Entwicklern nicht ausschließlich an erfolgreichen Spielen wie Breath of the Wild, Tears of the Kingdom oder Ocarina of Time orientieren soll. Stattdessen möchte er dem Team bewusst mehr kreative Freiheit geben. Für die Zukunft der traditionsreichen Reihe könnte das weitreichende Folgen haben.
Die Aussagen machte Fujibayashi gegenüber Polygon. Der Entwickler war unter anderem als Director für The Legend of Zelda: Breath of the Wild und Tears of the Kingdom verantwortlich.
Seine Äußerungen liefern einen interessanten Einblick in die kreative Ausrichtung der Reihe. Eine konkrete Ankündigung zum nächsten vollständig neuen Zelda-Spiel sind sie allerdings nicht.
Zelda Entwickler sollen alte Erfolgsrezepte hinterfragen
Mit Breath of the Wild veränderte Nintendo im Jahr 2017 die Grundstruktur seiner bekannten Action-Adventure-Reihe erheblich.
Anstelle eines weitgehend vorgegebenen Fortschritts durch die Spielwelt stand plötzlich eine offene Umgebung im Mittelpunkt, die Spieler weitgehend nach eigenen Vorstellungen erkunden konnten.
Tears of the Kingdom erweiterte dieses Konzept 2023 durch zusätzliche Möglichkeiten beim Bauen, Experimentieren und Erkunden.
Beide Spiele prägten die moderne Zelda-Reihe maßgeblich.
Doch genau diese Erfolge sollen nach Ansicht von Fujibayashi nicht dazu führen, dass sich zukünftige Entwickler auf bekannte Konzepte beschränken.
Im Gespräch mit Polygon erklärt er, dass innerhalb des Teams bewusst darüber diskutiert werde, wie neue Ideen entstehen können.
Junge Entwickler sollen sich nicht verpflichtet fühlen, ausschließlich aus den bereits vorhandenen Zelda-Konzepten zu schöpfen.
Stattdessen möchte Fujibayashi ihre eigene Vorstellungskraft fördern.
Nintendo möchte der nächsten Generation mehr Freiheit geben
Besonders interessant ist die Haltung der erfahrenen Serienverantwortlichen gegenüber jüngeren Entwicklern.
Fujibayashi erklärt, dass Nintendo nicht jede kreative Entscheidung durch feste Vorgaben einschränken möchte.
Vielmehr sollen neue Teammitglieder eigene Ansätze entwickeln und herausfinden können, welche ungewöhnlichen Ideen zum Zelda-Universum passen.
Dabei verweist er auf die Flexibilität der Marke.
The Legend of Zelda sei vielseitig genug, um unterschiedliche Spielkonzepte und kreative Richtungen zu unterstützen.
Auch Produzent Eiji Aonuma vertritt demnach die Auffassung, dass gute Ideen nicht zwangsläufig aus bekannten Mechaniken oder der bisherigen Geschichte der Reihe hervorgehen müssen.
Für zukünftige Zelda-Projekte könnte das bedeuten, dass Nintendo neue Spielsysteme ausprobiert, anstatt lediglich bestehende Elemente zu erweitern.
Eine Rückkehr zu klassischen Dungeons ist dadurch allerdings ebenso wenig bestätigt wie eine vollständige Abkehr vom Open-World-Konzept.
Ocarina of Time zeigt eine andere Seite der Zelda Reihe
Die Aussagen fallen in eine Phase, in der Nintendo die Vergangenheit und Zukunft von Zelda miteinander verbindet.
Mit dem Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time für Nintendo Switch 2 steht ein Klassiker im Mittelpunkt, der die Reihe Ende der 1990er-Jahre entscheidend geprägt hat.
Ocarina of Time setzte seinerzeit neue Maßstäbe bei der Umsetzung dreidimensionaler Spielwelten, beim Kampfsystem und bei der Inszenierung großer Abenteuer.
Breath of the Wild veränderte später erneut viele dieser Grundlagen.
Genau diese Entwicklung macht deutlich, dass die Marke bereits mehrfach größere Veränderungen erfolgreich überstanden hat.
Laut früheren Aussagen von Eiji Aonuma hatten einige jüngere Mitarbeiter, die am Ocarina-of-Time-Remake beteiligt sind, das Original zuvor nicht selbst gespielt.
Das ermöglicht einen anderen Blick auf bekannte Inhalte, weil Entwickler nicht zwangsläufig mit denselben Erinnerungen und Erwartungen an das Projekt herangehen wie langjährige Fans.
Der Austausch unterschiedlicher Perspektiven könnte auch bei zukünftigen Serienteilen eine wichtige Rolle spielen.
Muss das nächste Zelda überhaupt wieder eine Open World haben?
Eine der spannendsten Fragen betrifft die grundsätzliche Struktur kommender Abenteuer.
Breath of the Wild und Tears of the Kingdom haben das Konzept einer frei erkundbaren Spielwelt stark in den Mittelpunkt gerückt.
Gleichzeitig gibt es innerhalb der Fangemeinde weiterhin Spieler, die sich stärker abgegrenzte Dungeons, eine klarere Handlung oder klassische Gegenstände aus früheren Zelda-Spielen wünschen.
Fujibayashis Aussagen lassen bewusst offen, welche Richtung Nintendo künftig einschlagen wird.
Seine Botschaft lautet vielmehr, dass sich die Reihe nicht durch ihre bisherigen Erfolge begrenzen lassen soll.
Das könnte sowohl eine Weiterentwicklung der offenen Spielwelt als auch völlig neue Mechaniken ermöglichen.
Entscheidend dürfte sein, ob eine Idee zur grundlegenden Philosophie von Zelda passt: Erkundung, Rätsel, Entdeckungen und ein möglichst eigenständiges Abenteuer.
Dass Nintendo die Entwickler zu mehr Kreativität ermutigt, bedeutet daher nicht automatisch, dass die bisherigen Konzepte verworfen werden.
Für die Nintendo Switch 2 bleibt vieles offen
Die Diskussion ist auch mit Blick auf die Nintendo Switch 2 interessant.
Die neue Konsole bietet Nintendo die Möglichkeit, zukünftige Zelda-Spiele technisch und spielerisch weiterzuentwickeln.
Welche neuen Systeme dabei zum Einsatz kommen könnten, ist derzeit allerdings nicht bekannt.
Nintendo hat durch Fujibayashis Interview weder ein neues Hauptspiel angekündigt noch einen konkreten Entwicklungsstand oder Veröffentlichungstermin genannt.
Die Aussagen beschreiben zunächst die kreative Haltung des Teams und keine bereits festgelegten Features.
Klar ist jedoch, dass die Verantwortlichen Zelda auch künftig nicht als unveränderliche Formel betrachten.
Nach Ocarina of Time, Breath of the Wild und Tears of the Kingdom könnte deshalb irgendwann erneut ein Spiel erscheinen, das die Erwartungen an die Reihe verändert.
Welche Richtung die Entwickler tatsächlich wählen, bleibt vorerst eine der offenen Fragen rund um Nintendos wichtigste Abenteuerreihe.
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