Während Sony die Produktion neuer PlayStation-Spiele auf Disc ab 2028 einstellen will, spricht sich ein bekannter Entwickler für den Erhalt physischer Spiele aus. Piotr Babieno, Chef von Bloober Team und verantwortlich für das erfolgreiche Silent Hill 2 Remake, möchte seine Spiele so lange wie möglich auch als klassische Handelsversionen anbieten. In einem neuen Interview erklärt er, warum physische Veröffentlichungen aus seiner Sicht weit mehr bedeuten als nur eine alternative Möglichkeit, Spiele zu kaufen.
Bloober Team möchte physische Spiele möglichst lange anbieten
Die Aussagen stammen aus einem am 18. Oktober 2026 veröffentlichten Interview mit GamesRadar. Darin spricht Babieno gemeinsam mit Tymon Smektała, dem neuen Executive Director von Broken Mirror Games, über die Zukunft des Horror-Genres und die Bedeutung physischer Spiele.
Babieno macht deutlich, dass er die wirtschaftlichen Vorteile digitaler Veröffentlichungen durchaus nachvollziehen kann. Trotzdem möchte er klassische Handelsversionen nicht vorschnell aufgeben.
Sein Wunsch sei es, die eigenen Spiele so lange wie möglich auch physisch zu veröffentlichen, sofern die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür bestehen.
Dabei geht es dem Entwickler nicht ausschließlich um den materiellen Wert eines Datenträgers.
Babieno beschreibt vielmehr die persönliche Verbindung, die durch eine physische Spielesammlung entstehen kann. Ein gekauftes Spiel im Regal sei für ihn auch eine Erinnerung an das Erlebnis und an die Menschen, die es entwickelt haben.
Diese emotionale Beziehung zwischen Spielern und Studios könne bei einem vollständigen Wechsel zu digitalen Angeboten teilweise verloren gehen.
Auch der ehemalige Dying Light Entwickler unterstützt diese Haltung
Ähnlich äußert sich Tymon Smektała, der zuvor viele Jahre bei Techland arbeitete und unter anderem an der Entwicklung der Dying-Light-Reihe beteiligt war.
Der Entwickler gehört inzwischen zur Führung von Broken Mirror Games, einer auf Horrorprojekte spezialisierten Publishing-Sparte von Bloober Team.
Smektała erklärt, dass er einer Generation von Spielern angehöre, für die das Sammeln von Videospielen ganz selbstverständlich zum Hobby gehörte.
Physische Spiele, Verpackungen und Sammlerstücke seien für ihn deshalb fester Bestandteil der Gaming-Kultur.
Gleichzeitig erkennt auch er an, dass die Entscheidungen großer Plattformbetreiber eine wichtige Rolle spielen. Ob Studios weiterhin Handelsversionen anbieten können, hängt nicht allein von den eigenen Wünschen ab.
Damit sprechen sich beide Entwickler für den Erhalt physischer Spiele aus, ohne die wirtschaftlichen Veränderungen der Branche grundsätzlich infrage zu stellen.
Sony verfolgt inzwischen eine andere Strategie
Besonders interessant werden die Aussagen durch Sonys geplanten Abschied von neuen PlayStation-Discs.
Das Unternehmen hatte im Juli 2026 angekündigt, ab Januar 2028 keine physischen Disc-Versionen für neu erscheinende PlayStation-Spiele mehr produzieren zu lassen.
Bereits veröffentlichte Titel sollen weiterhin auf Disc nutzbar bleiben. Auch Nachproduktionen älterer Veröffentlichungen sind von der grundsätzlichen Entscheidung zu unterscheiden.
Die Ankündigung sorgte für Diskussionen über die Zukunft des klassischen Spielehandels, den Gebrauchtmarkt und die langfristige Verfügbarkeit digital erworbener Inhalte.
Erst vor wenigen Tagen hatte sich auch PlayStation-Mitbegründer Ken Kutaragi zu diesem Thema geäußert.
In unserem Artikel PlayStation Erfinder sorgt mit Aussage zum Disc-Aus für Wirbel berichteten wir über seine Einschätzung, wonach der Wandel hin zum digitalen Vertrieb aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sei.
Die Aussagen von Bloober Team setzen nun einen anderen Schwerpunkt.
Babieno bestreitet nicht, dass digitale Veröffentlichungen für Unternehmen einfacher und günstiger sein können. Er weist allerdings darauf hin, dass wirtschaftliche Vorteile nicht sämtliche Aspekte des Spielerlebnisses erfassen.
Warum physische Spiele für Horror-Fans besonders interessant bleiben
Gerade im Horror-Genre besitzen physische Veröffentlichungen weiterhin einen festen Platz.
Spiele wie Silent Hill 2, Resident Evil oder klassische Survival-Horror-Titel haben über die Jahre zahlreiche Sammler angezogen.
Besondere Editionen, aufwendig gestaltete Verpackungen und selten gewordene Originalversionen gehören für einen Teil der Spielerschaft ebenso zur Faszination wie die Spiele selbst.
Bloober Team hat mit dem Silent Hill 2 Remake bewiesen, dass klassische Horror-Marken auch mit moderner Technik erfolgreich neu interpretiert werden können.
Ob zukünftige Projekte des Studios weiterhin reguläre Disc-Versionen erhalten werden, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Veröffentlichungsplattform, mögliche Vertriebspartner und die jeweils verfügbaren Produktionsmöglichkeiten.
Die Aussage von Babieno ist deshalb keine verbindliche Ankündigung einer bestimmten Handelsversion.
Sie macht vielmehr deutlich, dass das Studio physische Veröffentlichungen nach Möglichkeit weiter unterstützen möchte.
Der Entwickler sieht auch bei moderner Hardware neue Grenzen
Das Interview behandelt neben physischen Spielen noch eine weitere interessante Frage: Wie stark können sich Videospiele technisch überhaupt noch verbessern?
Babieno bezweifelt, dass immer höhere Auflösungen und geringfügig bessere Beleuchtung allein ausreichen, um Spiele langfristig interessanter zu machen.
Aus seiner Sicht sollten Entwickler stärker darüber nachdenken, wie Spieler ein Spiel wahrnehmen und unmittelbar erleben.
Ein Beispiel dafür ist Onyx: The Dark Grip, ein neues Horrorprojekt, das für die Nintendo Switch 2 entwickelt wird.
Das Spiel soll besonders auf die Nutzung im Handheld-Modus zugeschnitten sein. Die Entwickler möchten dabei die unmittelbare Verbindung zwischen Spieler und Gerät stärker in den Mittelpunkt stellen.
Diese Überlegungen stehen zwar nicht unmittelbar mit physischen Datenträgern in Verbindung, zeigen aber einen gemeinsamen Ansatz: Für Bloober Team und Broken Mirror Games besteht ein gutes Spielerlebnis nicht ausschließlich aus technischer Leistung oder möglichst aufwendiger Grafik.
Physische Spiele bleiben ein Streitpunkt der Gaming-Branche
Die Aussagen aus dem Interview kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich mehrere Unternehmen mit der Zukunft klassischer Spielemedien beschäftigen.
Nintendo hat bereits erklärt, dass physische Veröffentlichungen auf der Switch 2 weiterhin zur aktuellen Strategie gehören sollen.
Auch Microsoft sorgt mit einer neuen Stellenausschreibung für Aufmerksamkeit, weil darin ausdrücklich die weltweite Verteilung physischer Xbox-Spiele erwähnt wird.
Allerdings garantiert keine dieser Entwicklungen, dass zukünftige Konsolengenerationen dauerhaft auf Discs oder Module setzen werden.
Die Herstellung und Verteilung physischer Spiele verursacht zusätzliche Kosten, während digitale Vertriebswege für Publisher häufig höhere Margen ermöglichen.
Gleichzeitig bleiben Fragen zur langfristigen Verfügbarkeit, zum Weiterverkauf und zum tatsächlichen Besitz digitaler Inhalte bestehen.
Bloober Team stellt sich in dieser Diskussion klar auf die Seite derjenigen, die physische Spiele möglichst lange erhalten möchten.
Eine direkte Konfrontation mit Sony ist damit nicht verbunden. Vielmehr beschreibt Babieno eine persönliche und unternehmerische Haltung, die sich von der zunehmenden Digitalisierung des Marktes unterscheidet.
Ob sein Studio diesen Wunsch auch nach 2028 vollständig umsetzen kann, bleibt angesichts der geplanten Veränderungen im PlayStation-Geschäft offen.
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