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Discord startet neue Altersprüfung doch die meisten Nutzer müssen nichts tun

Discord führt ab sofort seine überarbeitete Altersprüfung ein. Mehr als 90 Prozent der Nutzer sollen ihr Alter nicht manuell bestätigen müssen. Stattdessen ordnet die Plattform Accounts automatisch einer Altersgruppe zu. Falls eine zusätzliche Prüfung erforderlich ist, stehen künftig mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die teilweise ohne Ausweis oder Gesichtsscan funktionieren.

Der neue Ansatz ist eine Reaktion auf die deutliche Kritik an den ursprünglich angekündigten Plänen. Im Februar 2026 entstand bei vielen Nutzern der Eindruck, dass für den vollständigen Zugriff auf Discord grundsätzlich ein Ausweisdokument oder eine Videoaufnahme des Gesichts erforderlich werden könnte.

Discord verschob daraufhin den weltweiten Start und kündigte an, das Verfahren transparenter und datenschutzfreundlicher zu gestalten. Nun beginnt die schrittweise Einführung des überarbeiteten Systems.

Discord teilt Accounts automatisch in Altersgruppen ein

Accounts werden künftig einer von drei Altersgruppen zugeordnet:

  • Erwachsene Nutzer ab 18 Jahren
  • Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren
  • Noch nicht bestätigte Accounts

Für die automatische Einschätzung verwendet Discord verschiedene Signale eines Kontos. Dazu zählen unter anderem das Alter des Accounts, die verbundenen Spiele, die allgemeine Aktivität sowie die Arten von Servern und Communitys, denen ein Nutzer angehört.

Nach Angaben des Unternehmens werden private Nachrichten, Gespräche, Anrufe und andere persönliche Inhalte nicht ausgewertet. Auch die Mitgliedschaft in einem einzelnen Server soll nicht darüber entscheiden, welcher Altersgruppe ein Konto zugeordnet wird.

Den eigenen Status finden Nutzer künftig unter „Benutzereinstellungen“ und „Kontostatus“. Die Funktion wird im Laufe der Woche schrittweise freigeschaltet. Es kann deshalb einige Tage dauern, bis die neue Anzeige bei allen Accounts erscheint.

Die zugewiesene Altersgruppe ist nicht öffentlich sichtbar. Andere Mitglieder eines Servers können somit nicht erkennen, ob Discord einen Account als erwachsen, jugendlich oder unbestätigt eingestuft hat.

Mehr als 90 Prozent sollen nichts bestätigen müssen

Discord geht nach eigenen Angaben davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Nutzer keine zusätzliche Altersprüfung durchführen müssen. Wird ein Account automatisch der Gruppe für Erwachsene zugeordnet, soll sich an der bisherigen Nutzung nichts ändern.

Auch Jugendliche können weiterhin Nachrichten schreiben, Sprachchats verwenden und normalen Servern beitreten. Für sie gelten jedoch zusätzliche Sicherheitseinstellungen. Altersbeschränkte Server, Kanäle und bestimmte Bot-Befehle bleiben gesperrt. Potenziell sensible Bilder werden abhängig vom jeweiligen Bereich unscharf dargestellt oder vollständig blockiert.

Nachrichten von Personen, die sich nicht in der Freundesliste befinden, landen zunächst im Bereich für Nachrichtenanfragen. Außerdem zeigt Discord eine Warnung an, wenn eine Freundschaftsanfrage von einem Nutzer stammt, mit dem keine gemeinsamen Freunde oder kleineren Server bestehen.

Kann Discord das Alter eines Accounts nicht ausreichend einschätzen, erhält er zunächst den Status „Unbestätigt“. Die wichtigsten Funktionen bleiben trotzdem verfügbar. Dazu gehören private Nachrichten, Freundeslisten, Sprachchats und Server ohne Altersbeschränkung.

Eine manuelle Bestätigung wird erst notwendig, wenn ein erwachsener Nutzer auf geschützte Inhalte oder bestimmte Einstellungen zugreifen möchte, aber nicht automatisch als volljährig erkannt wurde.

Altersprüfung funktioniert jetzt auch ohne Ausweis oder Selfie

Für die manuelle Bestätigung stehen abhängig von Region und Gerät mehrere Methoden zur Auswahl. Neben einem Video-Selfie und der Prüfung eines Ausweisdokuments können unter anderem eine Kreditkarte, der Apple App Store, Google Play, Google Wallet oder der Dienst AgeKey verwendet werden.

Bei einer Kreditkartenprüfung leitet der Dienstleister k-ID die Zahlungsinformationen an Stripe weiter. Discord und k-ID sollen die vollständigen Kartendaten dabei nicht sehen. Zur Bestätigung kann vorübergehend ein kleiner Betrag belastet werden, der laut Discord innerhalb von 14 Geschäftstagen zurückgezahlt wird.

Apple und Google können lediglich eine Altersgruppe übermitteln. Das genaue Geburtsdatum soll dabei nicht an Discord weitergegeben werden. Google Wallet kann zurzeit nur mit hinterlegten Ausweisdaten aus bestimmten Ländern verwendet werden.

AgeKey ist als wiederverwendbarer Altersnachweis gedacht. Nutzer sollen ihr Alter einmal bestätigen und den daraus entstandenen Nachweis anschließend auch bei anderen unterstützten Diensten einsetzen können.

Welche Möglichkeiten tatsächlich angezeigt werden, hängt vom Land und dem verwendeten Gerät ab. Nicht jede Methode wird deshalb sofort für alle Nutzer verfügbar sein.

Gesichtsschätzung soll direkt auf dem Smartphone erfolgen

Bei der Gesichtsschätzung verarbeitet das Gerät eine kurze Videoaufnahme und berechnet daraus eine ungefähre Altersgruppe. Discord schreibt seinen Partnern vor, diese Analyse vollständig lokal auf dem Smartphone durchzuführen. Biometrische Daten sollen das Gerät dadurch nicht verlassen.

Discord erhält nach eigener Darstellung lediglich die Information, ob ein Nutzer als erwachsen oder jugendlich eingestuft wurde. Das eigentliche Video soll weder an Discord übermittelt noch dauerhaft gespeichert werden.

Bei der Ausweisprüfung werden ein staatliches Dokument und ein Selfie benötigt, mit dem geprüft wird, ob das Dokument zur jeweiligen Person gehört. Der externe Dienstleister soll beide Aufnahmen unmittelbar nach der Altersbestätigung löschen. Auch hier will Discord ausschließlich die bestätigte Altersgruppe erhalten.

Diese Angaben beruhen auf den Datenschutzversprechen des Unternehmens und seiner beteiligten Partner. Ob die Verfahren in der Praxis dauerhaft wie beschrieben funktionieren, lässt sich erst nach dem breiteren Einsatz beurteilen.

Discord reagiert auf frühere Datenschutzkritik

Das Unternehmen hatte die ursprünglich angekündigte weltweite Altersprüfung nach massiver Kritik verschoben. In unserem früheren Bericht haben wir die Datenschutzbedenken rund um Discords erste Pläne zur Altersverifizierung ausführlicher eingeordnet.

Zusätzliche Zweifel entstanden durch ein Datenleck aus dem Jahr 2025. Dabei wurde ein externer Kundendienstanbieter kompromittiert, der unter anderem mit sensiblen Dokumenten arbeitete. Discord erklärt nun, den damaligen manuellen Prüfprozess vollständig eingestellt zu haben.

Künftige manuelle Überprüfungen sollen über den spezialisierten Anbieter k-ID laufen. Sämtliche Partner müssen eingereichte Daten nach Abschluss der Altersbestätigung löschen. Discord hat außerdem eine Übersicht der beteiligten Dienstleister und ihrer jeweiligen Datenschutzregeln veröffentlicht.

Altersprüfungen spielen nicht nur bei Discord eine zunehmend größere Rolle. Auch Sony erweitert entsprechende Systeme. Bei bestimmten PlayStation-Funktionen können Nutzer in ausgewählten Regionen bereits zur Bestätigung ihres Alters aufgefordert werden. Wir hatten dazu berichtet, wie die PlayStation-Altersprüfung für Sprachchat und Nachrichten umgesetzt werden soll.

Discord begründet den weltweiten Schritt mit neuen gesetzlichen Vorgaben und einem stärkeren Schutz minderjähriger Nutzer. Das überarbeitete Modell fällt deutlich flexibler aus als die erste Ankündigung. Trotzdem bleibt die automatische Auswertung von Kontosignalen ebenso erklärungsbedürftig wie der Umgang externer Anbieter mit sensiblen Daten.

Entscheidend wird deshalb sein, wie zuverlässig Discord erwachsene und jugendliche Nutzer erkennt und wie unkompliziert fehlerhafte Einstufungen korrigiert werden können.

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