Ausgerechnet der Mann, der die PlayStation einst miterschaffen hat, verteidigt jetzt eine der umstrittensten Entscheidungen in Sonys Geschichte. Ken Kutaragi, häufig als Vater der PlayStation bezeichnet, hält den geplanten Abschied von physischen Spielen für wirtschaftlich nachvollziehbar. Dass viele Spieler weiterhin auf Discs bestehen, führt er teilweise auf eine bestimmte Denkweise zurück. Seine Formulierung dürfte bei Sammlern und langjährigen PlayStation-Fans für Diskussionen sorgen.
Die Aussagen stammen aus einem Interview mit Video Games Chronicle vom 16. Oktober 2026. Kutaragi sprach während der Branchenveranstaltung Game Republic New Horizons in Großbritannien über die Zukunft der Konsole, steigende Hardwarekosten und Sonys geplanten Wechsel zu digitalen Spieleveröffentlichungen.
PlayStation Schöpfer spricht von einem Mentalitätsproblem
Ken Kutaragi zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der PlayStation-Geschichte.
Er prägte die Entwicklung der ersten PlayStation sowie der PS2 und PS3 und war über viele Jahre in führenden Positionen bei Sony tätig.
Nun hat sich der inzwischen 76-Jährige erstmals ausführlicher zur aktuellen Diskussion über das Ende physischer PlayStation-Spiele geäußert.
Kutaragi erklärt, dass er verstehen könne, warum viele Spieler an klassischen Discs festhalten.
Für sie sei ein physischer Datenträger längst zu einem Symbol für den Besitz eines Spiels geworden.
Aus seiner Sicht passe dieser Gedanke allerdings immer weniger zu einer Welt, in der fast sämtliche Geräte dauerhaft mit dem Internet verbunden sind.
Als Beispiel nennt er Smartphones.
Dort würden die meisten Menschen digitale Inhalte verwenden, ohne dafür einen physischen Datenträger zu erwarten.
Bei Spielekonsolen sei die emotionale Bindung an physische Medien hingegen deutlich stärker.
Kutaragi hält diese Sichtweise zwar für nachvollziehbar, stellt aber infrage, ob sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten weiterhin sinnvoll ist.
Dabei fällt auch seine bemerkenswerte Formulierung, es könne sich um ein Mentalitätsproblem handeln.
Sony will sich ab 2028 von neuen Spiele Discs verabschieden
Die Aussagen kommen nicht zufällig.
Sony Interactive Entertainment hatte am 1. Juli 2026 angekündigt, die Produktion physischer Discs für neue PlayStation-Spiele ab Januar 2028 einzustellen.
Neue Veröffentlichungen sollen anschließend nur noch digital erhältlich sein.
Bereits veröffentlichte Spiele und ältere Disc-Versionen sind davon nicht automatisch betroffen.
Für viele Spieler markiert diese Entscheidung einen grundlegenden Wandel.
Denn seit der ersten PlayStation gehörten physische Datenträger fest zum Konzept der Konsole.
Zunächst waren es CDs, später DVDs und Blu-rays.
Noch heute legen zahlreiche PlayStation-Besitzer Wert darauf, ihre Spiele als physisches Produkt kaufen zu können.
Die Gründe dafür reichen vom Sammeln über günstigere Gebrauchtspiele bis hin zum Weiterverkauf und Verleihen.
Kutaragi betrachtet den Wechsel dagegen stärker aus der Perspektive der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung.
Warum Kutaragi Sonys Entscheidung nachvollziehen kann
Der ehemalige Sony-Manager verweist auf die zunehmende Vernetzung moderner Geräte.
Während Internetverbindungen in der Zeit von PlayStation 2 und PlayStation 3 noch längst nicht selbstverständlich waren, gehört die Online-Anbindung inzwischen für viele Spieler zum Alltag.
Digitale Spiele lassen sich direkt herunterladen, Updates werden automatisch verteilt und zusätzliche Inhalte sind unmittelbar verfügbar.
Hinzu kommt der wirtschaftliche Aufwand, den die Produktion und der Vertrieb physischer Medien verursachen.
Discs müssen hergestellt, verpackt, transportiert und im Handel angeboten werden.
Aus Kutaragis Sicht ist es deshalb verständlich, wenn Sony diese Kosten langfristig reduzieren möchte.
Allerdings bedeutet diese Betrachtung nicht, dass sämtliche Nachteile eines rein digitalen Vertriebs verschwinden.
Gerade für Spieler, die auf den Gebrauchtmarkt angewiesen sind oder ihre Sammlung langfristig unabhängig von digitalen Konten erhalten möchten, bleiben wichtige Fragen offen.
Nicht jeder ehemalige PlayStation Chef sieht das so
Interessanterweise widerspricht Kutaragis Einschätzung der deutlich kritischeren Haltung anderer früherer PlayStation-Verantwortlicher.
Shawn Layden, der ebenfalls über viele Jahre wichtige Positionen bei Sony bekleidete, hatte zuletzt vor den möglichen Folgen eines vollständigen Disc-Abschieds gewarnt.
Dabei ging es insbesondere um die Frage, was Spieler beim digitalen Kauf eigentlich besitzen.
Denn der Zugang zu digitalen Inhalten kann von Benutzerkonten, Lizenzbedingungen und der langfristigen Verfügbarkeit entsprechender Dienste abhängen.
Physische Spiele bieten dagegen zumindest bestimmte Möglichkeiten, die bei rein digitalen Käufen nicht selbstverständlich sind.
Dazu gehört beispielsweise der Weiterverkauf einer Disc.
Zwar benötigen auch manche physische Spiele inzwischen zusätzliche Downloads oder eine Internetverbindung, doch die grundsätzliche Möglichkeit eines unabhängigen Gebrauchtmarktes bleibt ein wichtiger Unterschied.
Damit zeigt sich, dass selbst ehemalige PlayStation-Führungskräfte die Zukunft physischer Medien unterschiedlich beurteilen.
Kutaragi sieht die PlayStation zunehmend als digitale Plattform
Im Interview geht Kutaragi noch einen Schritt weiter.
Seiner Ansicht nach könnte sich auch das grundsätzliche Verständnis einer Spielekonsole verändern.
Die heutige PlayStation-Führung denke möglicherweise stärker in Richtung einer vernetzten Plattform, über die verschiedene Arten digitaler Inhalte bereitgestellt werden.
Damit würde die klassische Vorstellung einer Konsole, die vor allem durch ein eigenes Gerät und physische Spiele definiert ist, zunehmend in den Hintergrund treten.
Kutaragi verweist darauf, dass viele heutige Verantwortliche bei Sony Erfahrung mit Streaming- und Netzwerkdiensten besitzen.
Daraus könnten andere Prioritäten entstehen als in den Anfangsjahren der PlayStation.
Gleichzeitig räumt er ein, dass genau diese Veränderungen zu Spannungen mit langjährigen Gaming-Fans führen.
Diese wollen ihre Spiele nicht ausschließlich als digitale Inhalte innerhalb eines geschlossenen Ökosystems betrachten.
Die Entwicklung erinnert an einen größeren Wandel der gesamten Unterhaltungsindustrie, in der Streaming und digitale Vertriebsmodelle seit Jahren an Bedeutung gewinnen.
Nintendo hält bislang an physischen Spielen fest
Während Sony seine Strategie bereits konkretisiert hat, verfolgt Nintendo einen anderen Kurs.
Erst vor wenigen Tagen erklärte Nintendo-Manager Bill van Zyll, dass derzeit keine Pläne bestehen, physische Spiele grundsätzlich aufzugeben.
Das Unternehmen wolle weiterhin berücksichtigen, welche Formate seine Kunden bevorzugen.
Über diese Aussagen hatten wir bereits in unserem Artikel Nintendo widerspricht Sonys Disc Aus und macht Switch 2 Spielern Hoffnung berichtet.
Der Unterschied zeigt, dass die gesamte Branche keineswegs eine einheitliche Strategie verfolgt.
Während Sony den digitalen Vertrieb weiter ausbauen möchte, sieht Nintendo offenbar weiterhin einen wichtigen Markt für physische Spiele.
Wie lange diese Unterschiede bestehen bleiben, ist allerdings offen.
Die eigentliche Frage ist größer als nur Disc oder Download
Die Diskussion geht inzwischen weit über die Frage hinaus, ob Spieler eine Disc in ihre Konsole einlegen möchten.
Es geht auch um die Kontrolle über gekaufte Spiele, den Wettbewerb zwischen verschiedenen Händlern und die langfristige Verfügbarkeit digitaler Inhalte.
Ein rein digitaler Vertrieb kann bequem sein und zusätzliche Kosten für Herstellung und Logistik vermeiden.
Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von den jeweiligen Plattformbetreibern.
Gerade bei geschlossenen Konsolensystemen ist das ein wichtiger Punkt.
Denn wenn neue Spiele ausschließlich digital erhältlich sind, können Spieler nicht mehr ohne Weiteres auf alternative physische Händler oder gebrauchte Exemplare ausweichen.
Kutaragi betrachtet den Disc-Abschied vor allem als wirtschaftliche und technische Entwicklung.
Viele PlayStation-Fans sehen darin dagegen einen Verlust von Freiheit und Besitzmöglichkeiten.
Beide Perspektiven erklären, warum die Debatte seit Monaten so intensiv geführt wird.
Hat der PlayStation Erfinder die Fans unterschätzt?
Kutaragis Aussagen dürften erneut Diskussionen auslösen.
Seine Bedeutung für die PlayStation-Geschichte steht außer Frage. Gleichzeitig spricht er heute nicht mehr für Sony Interactive Entertainment.
Der ehemalige Manager verließ das Unternehmen bereits 2007.
Seine Einschätzung ist deshalb eine persönliche Meinung und keine neue offizielle Unternehmensentscheidung.
Dennoch besitzt seine Stimme innerhalb der Gaming-Branche besonderes Gewicht.
Wenn ausgerechnet der Vater der PlayStation den Widerstand gegen das Disc-Aus teilweise als Mentalitätsproblem beschreibt, dürfte das bei einigen Spielern auf Unverständnis stoßen.
Andere werden ihm zustimmen und den Schritt als unausweichliche Folge des digitalen Wandels betrachten.
An Sonys bisherigen Plänen ändert das Interview zunächst nichts.
Der angekündigte Abschied von neuen Spiele-Discs ab Januar 2028 bleibt bestehen.
Ob sich die Einstellung der Spieler bis dahin tatsächlich verändert oder der Widerstand weiter wächst, ist offen.
Lass uns deine Meinung in den Kommentaren wissen.







